AKTIE UNTER DER LUPE
Stinnes kämpft an zwei Fronten

Der Logistikspezialist Stinnes konzentriert sich auf die Bereiche Chemie und Verkehr. Der Ausbau des Dienstleistungsangebots soll zukünftig die Gewinnmargen des Konzerns verbessern.

FRANKFURT/M. Wenn bei Stinnes die Chemie stimmt, dann steht dem Unternehmen eine positive Zukunft bevor: Die Konzern-Tochter Brenntag profitiert davon, dass die Chemieindustrie zunehmend Aufgaben auslagert und dafür Kooperationspartner sucht. Erst im vergangenen Jahr hat sich die Brenntag die Holland Chemical International (HCI) einverleibt und wurde damit nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Chemie-Distribution.

"Stinnes hat das Know-how sowohl für die Chemie als auch den Transport", sagt Rolf Geck, Analyst bei der WGZ-Bank. Den Transport übernimmt die Tochter Schenker, das zweite Standbein im Konzern. Im Landverkehr beträgt der Marktanteil nach Berechnung der Hypo-Vereinsbank nur 2,2 %. Doch damit zählt Schenker zu Europas Spitze. "Die Branche ist stark zersplittert", erklärt Geck, "da gibt es Konsolidierungsbedarf." Er erwartet Akquisitionen, vor allem in den USA, wo Schenker bislang unterrepräsentiert ist. "Für Zukäufe muss das Management bei den derzeit gezahlten Aufschlagsätzen allerdings tief in die Tasche greifen", vermutet er.

Aktie wird als überdurchschnittlich eingestuft

Die Hypo-Vereinsbank traut Stinnes zu, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Sie stufen den Titel ebenso wie die WGZ-Bank als "Überdurchschnittlich" ein. Beide Institute geben ein Kursziel von 33 aus. Credit Suisse First Boston bestätigt hingegen seine "Halten"-Einschätzung bei einem Kursziel von 28,4 .

Ein großes Problem von Stinnes bleibt das prozyklische Geschäftsfeld. Bei aufhellender Konjunktur räumen die Analysten der Hypo-Vereinsbank dem Logistikdienstleister gute Entwicklungschancen ein. Stinnes könnte von der zunehmenden Globalisierung profitieren: Schenker biete ein leistungsstarkes Transportnetz, Brenntag überzeuge durch seine weltweite Präsenz.

Mehrwertgeschäft entscheidet über die Zukunft des Konzerns

Bislang konnte Stinnes, das zu gut zwei Dritteln zum Energieriesen Eon gehört, den weltweiten Konjunktursorgen trotzen: Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte Schenker den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal um 16,4 %, Brenntag steigerte sich sogar um 54 %. Der Kurs der Stinnes-Aktie kletterte seit Jahresbeginn um knapp 10 %. In dieser Zeit schwankte der im MDax notierte Titel in der Bandbreite zwischen 22 und 28 .

Entscheidend für die Zukunft des Konzerns ist das Mehrwertgeschäft, auch Value Added Services genannt. "Je kompletter die Dienstleistung ist, desto höher fallen die Margen für Stinnes aus", meint Geck. Darunter fällt das so genannte One-stop-shopping-Prinzip. Hierbei übernimmt ein Anbieter alle logistischen Aufgaben, was Geck für ein sehr ambitioniertes Ziel hält: Um Einkauf, Qualitätsmanagement und Distribution müsste sich das Logistikunternehmen kümmern.

Stattdessen dürfte sich Stinnes vermutlich auf spezielle Angebote konzentrieren und diese dann in Systemlösungen verkaufen. Die Hypo-Vereinsbank hält es allerdings für unumgänglich, dass Stinnes hierfür mittelfristig weitere Unternehmen akquiriert. Aus eigener Kraft könne der Logistikspezialist in diesem Geschäftfeld allenfalls begrenzt wachsen.

Neben den Kerngebieten Verkehr und Chemie führt Stinnes auch die Sparte Werkstoffe im Konzern. Unter dem Namen Interfer wurde bei der Umstrukturierung des Konzerns 1999 die Stahl- und Rohstofflogistik zusammengefasst. Da Interfer regelmäßig die Planzahlen erfüllt oder übertrifft, erwartet Geck, dass der Sektor zunächst fortgeführt wird. Im ersten Quartal stieg der Gewinn vor Zinsen und Steuern immerhin um 5 %. "Langfristig könnte Interfer allerdings auf den Prüfstand kommen", urteilt der Analyst.

Die Hypo-Vereinsbank rechnet im laufenden Jahr wegen der Konjunkturschwäche mit einem rückgängigen Umsatzwachstum. Doch sollte Stinnes die Gewinnmargen dank der Value Added Services steigern. Wenn dann auch noch die Konjunktur anzieht, könnte schon 2002 das Rekordergebnis vom vergangenen Jahr wiederholt werden.

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