Aktie unter der Lupe
Strategie von Fiat spaltet die Analystenzunft

Ein Blick auf den Chart macht deutlich: die Fiat-Aktie hat eine regelrechte Berg- und Talfahrt in diesem Jahr hingelegt. Zuletzt wurde das Papier des größten italienischen Industriekonzerns Ende Juni gewaltig nach oben katapultiert. Innerhalb weniger Tage legte es um etwa 15 % zu, rutschte dann aber im Juli wieder auf das alte Niveau von knapp über 24 Euro zurück.

MAILAND. Grund für die jüngste Aufregung ist der massive Einstieg des Autoherstellers in das Geschäft mit Strom. Gemeinsam mit Europas Branchenriesen Electricité de France hat Fiat den zweitgrößten Energieversorger Italiens, Montedison, feindlich übernommen. Ein strategischer Schritt, der trotz zunächst euphorischer Reaktion der Märkte nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt.

"Wir halten das für einen rein politischen Schachzug, hinter dem keine industrielle Logik steht", kritisieren die Analysten des Bankhauses Metzler. Statt sich auf die Kerngeschäftsfelder Auto, LKW, Land- und Baumaschinen sowie Dienstleistungen rund um die Mobilität zu konzentrieren, erweitere Fiat die Palette seiner Geschäftsfelder. Weil der Konzern stärker als bisher die Charakterzüge eines Konglomerats trage, müsse die Aktie künftig einen kräftigeren Abschlag hinnehmen.

Ganz anders sieht das Giuliana Porta, Chefin der Aktienanalyse bei der Dresdner Bank Tochter Albertini SIM in Mailand. "Fiat hat durch den Einstieg in das Stromgeschäft einen Qualitätssprung vollbracht, weil diese Branche eine größere Dynamik und eine geringere Zyklizität aufweist als der Autosektor," lobt sie den Montedison-Deal. Ihr und dem Gros der Beobachter gefällt, dass Fiat keine müde Lira Cash ausgeben musste. Nur eigene Grundstücke und bestehende Kraftwerke hat die "alte Dame aus Turin" in die Strom-Ehe eingebracht.

Die Nutzung von Vermögensgegenständen, die davor mit wesentlich geringeren Werten in der Bilanz standen, wird einhellig positiv beurteilt. "Durch den Buchgewinn von 300 Mill. Euro wird sich das Nettoergebnis des Konzerns in diesem Jahr vermutlich verdoppeln", kalkuliert Valentino Romeri, Analyst beim Brokerhaus Rasfin. Der Experte gibt jedoch zu, dass das operative Ergebnis - die für Analysten wichtigere Größe - davon zunächst unberührt bleibt. Hier gibt es eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren: Wie wird sich die Autokonjunktur entwickeln? Droht die Krise in Argentinien auf den für Fiat wichtigen Markt Brasilien überzuschwappen? Kann bei der verlustträchtigen Baumaschinentochter CNH das Ruder herumgeworfen werden?

Zweifel gibt es also zu Hauf, ob das Management seine im April nach oben korrigierte Prognose für 2001 einhalten kann. Statt ursprünglicher 900 Mill. Euro sollen 1,1 Mrd. Euro operativer Gewinn geschrieben werden. Eine Zahl, an die das Team von Metzler nicht glaubt. "Die Krise in Argentinien wird Fiat schaden, wir gehen nur von 1,0 Mrd. Euro Ergebnis aus." Die Bank empfiehlt, die Aktie zu verkaufen. Der Kurs könne bis 18 Euro fallen. Ganz anders die Sichtweise bei Rasfin: "Ich habe im Augenblick keine Signale, dass der brasilianische Automarkt unter Druck kommt", sagt Valentino Romeri. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und sieht ihren fairen Wert jenseits der 30 Euro-Grenze. Und bei Albertini haben die Analysten das Fiat-Papier angesichts der Strompläne von Halten auf Kaufen gestellt. Kursziel: 28 Euro. Fiat scheint mehr denn je eine Glaubensfrage zu sein.

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