AKTIE UNTER DER LUPE
Streik der Piloten lässt Lufthansa-Aktionäre kalt

Die Kranich-Aktie legte heute gegen den Markttrend zu - und das trotz Pilotenstreik. Auch die meisten Analysten bleiben vorsichtig optimistisch, aber sie beobachten den Streik und die US-Konjunkturflaute mit Sorge.

DÜSSELDORF. Verkehrte Börsenwelt: Streikende Lufthansa-Piloten verärgern rund 10 000 Fluggäste, doch der Aktienkurs reagiert kaum. Im Handelsverlauf notierten Lufthansa-Titel sogar über dem Vortagesschluss. Und das in einer Zeit, wo sonst kleinste Nachrichten heftige Kurskapriolen auslösen.

Investoren waren hin- und hergerissen zwischen der negativen Streik-Nachricht und dem besseren Gesamtausblick für die US-Wirtschaft (siehe gestrige Ausgabe, S. 1). Der künftige Kurstrend der Deutschen Lufthansa AG dürfte sich laut Robert Gülpers, Analyst der Privatbank Sal. Oppenheim, erst in einigen Wochen abzeichnen. "Viel hängt am nächsten Monatsbericht, der Mitte April veröffentlicht wird", sagte Gülpers. "Derzeit sucht die Aktie eine neue Richtung", charakterisierte Händler Oliver Keil vom Wertpapierhaus Reich gestern die unsichere Lage.

Analysten und Investoren wollen wissen, wie hart der US-Konjunkturabschwung die Kranich-Fluglinie trifft. Was auf der anderen Seite des Atlantiks passiert, berührt die Lufthansa stark. Denn wenn eine längere US-Flaute auf Europa übergreift, drohen hierzulande Verhältnisse wie in den USA. Dort satteln Business-Kunden scharenweise auf billigere Economy-Sitze um. Fast alle US-Fluglinien haben deshalb vor Gewinneinbußen gewarnt.

Zudem ist die Unsicherheit groß, wie viel Lufthansa-Chef Jürgen Weber den streikenden Piloten künftig zahlen muss. Der Konzernlenker wandte sich schon vor Monaten gegen Begehrlichkeiten: Allein zum Substanzerhalt brauche die Lufthansa Gewinne in Höhe des vergangenen Jahres, dem zweitbesten der Firmengeschichte, betonte er.

Analysten nehmen Streik zum Anlass für Kommentare

Kurz vor dem Pilotenstreik verschob der Chef-Lufthanseat zudem die erwartete Entscheidung zum Kauf des künftigen Super-Airbusses A 380. "Kein verantwortungsbewusster Vorstand dieser Welt kann Milliardeninvestitionen für die Zukunft bei seinem Aufsichtsrat beantragen, wenn die Wettbewerbsfähigkeit durch Forderungen und Maßnahmen wie etwa durch die Vereinigung Cockpit in Frage gestellt wird", ärgerte sich Weber.

Trotz glänzender Bilanzzahlen - operativer Gewinn plus 44 %, Umsatz plus rund 20 % - hat Webers Klage einen wahren Kern. Erfüllt er die Gehaltsforderungen der Piloten, dann kostet dies nach Berechnungen von Dresdner Kleinwort Wasserstein 450 Mill. DM, ein Sechstel des operativen Vorjahresgewinns. Allerdings hätten sich die Piloten im vergangenen Jahr mit einem Bruchteil ihrer Ausgangsforderung betont Analyst Mike Powell.

Dennoch beschäftigt der Streik die Analysten: Allein am Dienstag haben dem Informationsdienst Bloomberg zufolge fünf Bankexperten einen Kurzkommentar oder eine neuen Studie zur Lufthansa veröffentlicht. Bislang bleiben die meisten Experten vorsichtig optimistisch. So bekräftigte Dresdner-Analyst Powell sein verhalten optimistisches Anlageurteil "Hinzufügen". Langfristig orientierte Investoren sollten auf dem aktuellen Kursniveau Positionen aufbauen, rät er.

Die Anleger machen sich mehr Sorgen. Darauf deutet jedenfalls der Aktienkurs hin, der seit Jahresanfang rund 20 % verlor. Der grundsätzlich positiv gestimmte Salomon-Analyst Gülpers rät Anlegern, bis zum nächsten Unternehmensbericht der Mitte April erscheint, abzuwarten.

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