Aktie unter der Lupe
Streit über Hormonprodukte drückt Schering-Aktie

Erst war es eine Diskussion um hausfremde Hormonpräparate, die den Schering-Kurs belastete. Dann fiel die Aktie wegen hauseigener Probleme mit Hormonprodukten. Bisher streiten sich die Analysten, ob dieser Ärger und das schwierige Geschäft in Krisenregionen dazu führen werden, dass die Berliner ihr Gewinnziel verfehlen.

BERLIN. Seit diesem Sommer purzelt der Kurs der Schering-Aktie, des weltgrößten Antibaby-Pillen-Produzenten. Der Grund: Fragen über den Sinn von Hormon-Ersatztherapien, ausgelöst von einer abgebrochenen Studie für ein Präparat des US-Pharmakonzerns Wyeth, bewegen die Gemüter an der Börse. So ist umstritten, ob bestimmte Hormonprodukte für ältere Frauen gesundheitsschädlich sind.

Zunächst wurde die Schering-Aktie, die seit Februar dieses Jahres über 57 Euro notiert hatte, von dem allgemeinen Abwärtsstrudel erfasst, der alle Produzenten von Hormonersatz-Therapien betraf. Die weitere Talfahrt verursachten dann Entscheidungen der US-Gesundheitsbehörde FDA, zwei Schering-Hormonpräparate auf dem US-Markt nicht zuzulassen. Seitdem ist unklar, wo das Hormonpflaster "Climara Pro" und das für die Hormonersatz-Therapie vorgesehene Produkt "Angeliq" verkauft werden können. Bisher ist auch offen, inwiefern die FDA den von Schering entwickelten Wirkstoff "Drospirenon" kritisiert, der in "Angeliq" enthalten ist. Im Hause Schering schließt man aus, dass damit auch die Antibaby-Pille "Yasmin" betroffen sein könnte, in der "Drospirenon" ebenfalls enthalten ist. Aber die Spekulationen blühen.

Die Analysten streiten sich, ob der Kurs zu niedrig ist; gestern fiel der Titel zeitweise auf 45,32 Euro. Viele Analysten sind immerhin der Meinung, die von der Hormon-Diskussion ausgelösten Zweifel an Scherings Zukunft seien übertrieben. Sie empfehlen das Papier weiter zum Kauf. Hierzu gehören HSBC, WestLB Panmure, die Bankgesellschaft Berlin und das Bankhaus Warburg. Ihrer Ansicht nach sind die Prügel an der Börse angesichts der Wirtschaftsperspektiven des Konzerns ungerecht. Für den Analysten Andreas Theisen von WestLB Panmure wäre die Aktie mit 56 Euro fair bewertet.

In der Tat machen die Präparate "Climara Pro" und "Angeliq" nach Konzernangaben mittelfristig nur 2 % des Umsatzes in den USA aus und ungefähr genauso viel in Europa. Die bisher verkauften Hormon-Ersatztherapien des Konzerns erwirtschaften nach Konzernangaben etwa 7 % des Umsatzes.

Auch sind die Perspektiven von anderen, für Umsatz und Gewinn bedeutenderen Produkten, bisher gut - etwa von Scherings umsatzstärksten Medikament gegen Multiple-Sklerose, Betaferon. Auch das Geschäft mit verschiedenen Antibaby-Pillen läuft gut.

Positiv ist auch, dass der Konzern bei seinen offiziellen Prognosen bleibt. Den starken Kursrückgang in den letzten Wochen sieht deswegen die WGZ-Bank zusammen mit den "bestätigten Zielen" als Grund, die Aktie weiter zum Kauf zu empfehlen.

So hält Schering an seinem mittelfristigen Ziel fest, den Umsatz von 4,8 Mrd. Euro im Jahr 2001 auf über 6 Mrd. Euro im Jahr 2005 zu erhöhen. Nach Aussagen von Finanzvorstand Klaus Pohle wird Schering auch für 2002 das erreichen, was er vor einem Jahr versprochen hat: Der Umsatz werde einstellig wachsen, das Nettoergebnis dagegen im niedrigen zweistelligen Bereich. Wohlweislich hatte Pohle dabei die Wechselkursschwankungen nicht mit einbezogen, die dem Unternehmen zu schaffen machen. Denn das Betriebsergebnis der ersten neuen Monate ist zwar um 10 % auf 544 Mill. Euro gestiegen - bereinigt um die Wechselkurs-Schwankungen waren es aber nur 5 %. Dabei sind die Schering-Geschäfte in Japan und in Lateinamerika besonders betroffen. Neben der Hormon-Diskussion sind für Commerzbank-Analysten die Währungs-Risiken ein Schwachpunkt. Aus diesen Gründen lautet ihr Kursziel 44 Euro.

Das sieht Finanzvorstand Klaus Pohle anders. Für ihn ist der Kurs, der seit fast zwei Jahren nicht mehr so niedrig war, ein Fressen für "Schnäppchenjäger". Kürzlich wies er darauf hin, dass Anleger, die Schering im letzten Jahrzehnt treu geblieben sind, zumindest vom Management gut belohnt wurden: Die Dividende für 2002 möchte der Vorstand auf 0,93 Euro erhöhen - im Jahr 1992 lag sie bei 0,22 Euro.

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