Aktie unter der Lupe
Südzucker liefert Gewinne in sauren Zeiten

Stabile Erträge, eine gute Positionierung und eventuell ein Rekordgewinn: Südzucker hat im aktuellen Umfeld eigentlich alles, was dem Investor auf der Suche nach Substanz die Anlage versüßt. Für etwas Unsicherheit sorgt lediglich die Frage, ob 2006 das Monopol auf Zucker fallen könnte.

DÜSSELDORF. Schokolade, Kuchen, ja sogar manches herzhafte Gericht wäre ohne Zucker nichts. Sein hoher Stellenwert in unserer Nahrung zeigt sich allein daran, dass jeder durchschnittlich 34 Kilogramm im Jahr verzehrt. Die Idee, sein Geld daher in die Zuckeraktie Südzucker zu stecken, erscheint daher so manchem Anleger als durchaus raffiniert.

"Der Zuckerverbrauch ist nicht abhängig von IT-Ausgaben oder davon, wie oft Leute in Flugzeuge steigen," erklärt Götz Albert, Leiter der Aktienanalyse bei Independent Research. Südzucker gehört damit wie der gesamte Lebensmittelbereich zu den defensiven Werten - bietet sich für Depots also gerade in stürmischen Börsenzeiten als Fels in der Brandung an.

Zudem erwartet das im MDax gelistete Unternehmen in diesem Jahr trotz eines sinkenden Zuckerrübenpreises ein operatives Ergebnis in Rekordhöhe. Als Zielmarke hat der Vorstand das deutliche Überschreiten der 500-Millionen-Euro-Marke angesetzt. Für Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe ist dies ein Zeichen, dass man im Unternehmen beginnt, Früchte aus der Konzentration auf das Kerngeschäft zu ernten: So hat sich Südzucker beispielsweise mit dem Verkauf seiner Eiskremsparte Schöller und der Übernahme des französischen Konkurrenten Saint Louis Sucre (SLS) strategisch neu ausgerichtet. "Das wird sich deutlich in den Ertragszahlen widerspiegeln," erwartet der Analyst, "strategisch ist Südzucker gut aufgestellt".

Doch selbst bei der Südzucker-Aktie gibt es auch Schattenseiten: Die Zuckermarktordnung reguliert den europäischen Markt sehr stark. Deshalb gebe es zwar keine großen Risikosprünge zu erwarten, doch müsse sich der Anleger des Monopols bewusst sein, erklärt Analyst Volker Hergert von der Bankgesellschaft Berlin: "Südzucker ist eines der letzten Unternehmen, die in Deutschland hübsche Monopolrenditen erwirtschaften." Eine Marktordnung regelt genau, wer wie viel Zucker auf den Markt rieseln lassen darf. "Am Ende bezahlen das natürlich die Verbraucher mit einem überhöhten Zuckerpreis". Dem Unternehmen aber sichert das vorerst Gewinne, weil zum einen der Preis "garantiert" ist, zum anderen außereuropäische Wettbewerber vom Markt ferngehalten werden.

Die Frage bleibt aber, was passiert, wenn das Monopol fällt. Genau das wird 2006 das nächste Mal diskutiert, und dies schwebt wie ein Damokles-Schwert über dem Kurs. "Sonst wäre Südzucker längst mehr als 20 Euro wert," so Hergert.

Allzu negativ stimmt das Datum 2006 den Analysten jedoch nicht, denn seiner Ansicht nach gibt es gute Gründe, die Zuckermarktordnung trotz ihres protektionistischen Charakters beizubehalten: In Europa wird Zucker nämlich aus Zuckerrüben gewonnen, international aber aus dem billigerem Zuckerrohr. Bei einer Marktöffnung würde daher beispielsweise brasilianischer Rohrzucker die heimische Zuckerrübe verdrängen. Die Zuckerrübenbauern hierzulande wären arbeitslos - Brasilien bekäme so indirekte Entwicklungshilfe. "Die Zuckerbauern hier würden sicher Sturm dagegen laufen," schätzt Hergert, sodass die politische Durchsetzbarkeit eher unwahrscheinlich ist.

Ein weiterer Grund für Optimismus ist, dass der Zuckermarkt ohne Subventionen von der EU auskommt - das gesamte Monopol also "haushaltsneutral" ist. Zu guter Letzt sind die Zuckerpreise zwar höher als unter freiem Wettbewerb, dennoch ergäben sich nach Meinung der Analysten kaum große Sparpotenziale für den privaten Haushalt. "Dazu wird dann doch zu wenig Zucker verbraucht," sagt Hergert. Und die großen Unternehmen mit hohem Zuckerbedarf, wie zum Beispiel Coca-Cola, schätzt er so ein, dass sie ihre Preisvorteile wohl kaum an den Konsumenten weitergeben. "Das Monopol ist odnungspolitisch unbedenklich."

Dennoch: Fällt die Ordnung müsste der Anleger mit einem Abschlag um die 20 % bei der Aktie rechnen. Bleibt sie aber, kann man davon ausgehen, dass der Kurs erst einmal einen Sprung macht. Hergert: "So war das bei den letzten Verhandlungen auch."

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