AKTIE UNTER DER LUPE
Süssliche Töne bei der Duftaktie Givaudan SA

Der Riechstoff- und Aromenkonzerns Givaudan SA hat den schwachen Börsenstart allmählich verdaut. Die Bank Julius Bär korrigiert ihre Einschätzung von "Halten" auf "Kaufen".

ZÜRICH. "Duft und Geschmack" würden künftig an der Börse gehandelt - so formulierte es der Schweizer Aromen- und Riechstoff-Hersteller Givaudan anlässlich seines Börsengangs am 8. Juni dieses Jahres.

Givaudan - neben dem US-Konzern International Flavours and Fragances (IFF) mit einem Marktanteil von 15 % einer der beiden Weltmarktführer der Branche - startete seine Börsenkarriere allerdings mit einem Handicap: Die Givaudan-Aktien wurden als Sonderdividende an die Aktionäre und Genussscheininhaber des Basler Pharmakonzerns Roche ausgeschüttet. Das Aktionariat setzte sich zum weitaus größten Teil aus Investoren zusammen, die an Pharmatiteln interessiert waren - und nicht an Duftaktien. Henri B. Meier, Roche-Finanzchef und Verwaltungsratspräsident des Riechstoff- und Aromenkonzerns, hatte den holprigen Börsenstart deshalb schon vorhergesehen: Insbesondere institutionelle Investoren trennten sich kurz nach dem Börsengang von ihren Givaudan-Aktien.

Börsenkarriere bisher unter keinem guten Stern

Der Bereinigungsphase folgte unmittelbar die Börsenbaisse, so dass die kurze Börsenkarriere der Givaudan-Aktien bisher unter keinem guten Stern stand. Die Aufnahme in den 29 Aktien umfassenden Schweizer Blue-Chip-Index SMI war dem im Genfer Vorort Vernier ansässigen Aroma- und Duftstoffproduzenten indes von Anfang an sicher und erfolgte direkt zu Beginn der Börsennotierung. Heute liegt die Marktkapitalisierung bei rund 3,6 Mrd. sfr.

Für fast alle Schweizer Banken galten die Duft-Titel bisher nur als "Halteposition". Nachdem der Kurs seit dem Allzeithoch von 539 sfr. um über 100 sfr. sackte, änderten einige Banken jetzt jedoch ihre Meinung und stuften die Aktie hoch. In ihrer jüngsten Studie kommt Analystin Anja Schreiber von der Bank Julius Bär zu dem Ergebnis, dass Givaudan-Aktien nun kaufenswert seien. Als Kursziel nennt sie 480 sfr. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau werden die Aktien (Basis 2001) lediglich mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 11 bewertet, heißt es in der Studie.

Die globale Führungsposition des Konzerns sowohl bei Riechstoffen wie bei Aromen ist nach Meinung von Anja Schreiber eine der Stärken von Givaudan. Die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten seien ausgezeichnet und sicherten dem Konzern zudem einen Wettbewerbsvorsprung. Zu den weiteren Stärken zählt die Analystin die gute Produktionsbasis. Dadurch arbeite der Konzern auch mit einer günstigen Kostenbasis. Givaudan ist in allen wichtigen Marktregionen vertreten. Dies gilt insbesondere für Europa und Asien. Dort sind die Wachstumsraten besonders stark. Zu den Kunden zählen die Hersteller von Konsumgütern, Getränken und Nahrungsmitteln sowie vor allem die Produzenten von Luxusparfums.

Die hohe Eigenkapitalquote von gut 70 % sichert dem Konzern nach Meinung der Analystin außerdem die notwendige Flexibilität, um zugreifen zu können, wenn sich die Chance einer Akquisition bietet. Die Riechstoff- und Aromenbranche wächst bis 2004 um jährlich 3 bis 4 % - vergleichbar dem Wachstum der Spezialchemie. Mit 14 bis 18 % liege die Betriebsgewinnmarge aber leicht über der Vergleichsbranche. Die Bank Julius Bär erwartet, dass es Givaudan gelingt, das Marktwachstum zu übertreffen und die Gewinnmargen auszuweiten. Für das laufende Jahr prognostiziert das Institut einen Gewinn pro Aktie von 31 sfr, der im kommenden Jahr auf 39 sfr und 2002 dann auf 41 sfr steigen dürfte.

Analystenurteile zwischen "Halten" und "Kaufen"

Nach 2,33 (Vj. 2,23) Mrd. sfr, in diesem Jahr wird ein Anstieg des Konzernumsatzes in den beiden kommenden Jahren auf 2,42 Mrd. sfr und 2,52 Mrd. sfr erwartet.

Auch die Privatbank Pictet & Cie. schätzt die Chancen für die Givaudan-Aktie positiv ein, während andere Schweizer Bankentrotz des ermäßigten Kursniveaus weiterhin zurückhaltend sind. Credit Suisse First Boston (CSFB) und die Bank Vontobel plädieren nur für "Halten". Die Züricher Privatbank Vontobel rechnet in den beiden kommenden Jahren zwar auch mit leicht steigenden Erträgen, doch sind die Erwartungen für den Gewinn pro Aktie von 30,60 sfr in diesem Jahr, 32,90 sfr im kommenden und 35,80 sfr in 2002 bescheidener. Die Investmentbank CSFB, Tochter der Credit Suisse Group, ist mit der entsprechenden Zahlenreihe 36,58 sfr, 39,49 sfr und 41,86 sfr zuversichtlicher. Trotzdem lautet ihr Urteil auch nur "Halten".

Givaudan-Aktien sind weit gestreut. Größere Pakete dürften heute nur noch bei der Roche-Gründerfamilie (rund 10 %) und bei der BZ Gruppe des Bankiers Martin Ebner (3 %) liegen.

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