Aktie unter der Lupe
Suez setzt wieder ganz auf Wasser

Die beiden traditionsreichen französischen Versorger Suez und Vivendi führen weltweit bei der Versorgung mit und Entsorgung von Wasser. Beide sind auf sehr unterschiedliche Weise im Mediengeschäft aktiv. Dies ist gerade im Begriff sich zu ändern. Deswegen lohnt sich für Anleger ein Blick auf beide Aktien.

abo PARIS. Die beiden französischen Versorger Suez S.A. und Vivendi Environnement S.A. (VE) kehren offensichtlich zu ihrem historischen Kerngeschäft zurück. Sie könnten Pariser Analysten zufolge den Konglomeratsabschlag abschütteln, mit dem sie von Großinvestoren für ihre Verbindungen vor allem zum Medien- und Kommunikationsgeschäft abgestraft werden.

Suez, dessen Herzstück die ehrwürdige Wassergesellschaft Lyonnaise des Eaux ist, hat die Investmentbank Lazard Frères mit dem Verkauf ihrer erfolgreichen Kabelsparte Noos beauftragt. Dies wird als ein erster Schritt in diese Richtung gewertet, der auch Konsequenzen für die TV-Engagements der Gruppe haben könnte.

Neben dem Geschäft mit Wasser sind es die energieerzeugenden Töchter Tractebel und Electrabel mit denen Vorstandschef Gérard Mestrallet seine Gruppe als sichere Festung in den gegenwärtigen Wirren der Weltkonjunktur präsentieren kann: "Seit 1997 sind wir im Durchschnitt um 25 % jährlich gewachsen." Und mit Ausnahme des Kommunikations- und Mediengeschäfts erzielt die von der Börse mit knapp 33 Mrd. Euro bewertete und sich überwiegend in Streubesitz befindliche Gruppe zweistellige Renditen.

Die Gruppe ist mit 33 Mrd. Euro recht hoch verschuldet. Dem stehen 20 Mrd. Euro Eigenmittel sowie langfristig gesicherte Einnahmen gegenüber, so dass die Verschuldungsquote von 1,65 unter Analysten aufmerksam verfolgt, aber von Branchenbeobachtern wie Natexis Banques Populaires als unkritisch akzeptiert wird. "Der Verschuldungsgrad spiegelt den erhöhten Bedarf für die Finanzierung des Wachstums wieder", meinen auch die Versorger-Analysten der Société Générale (SG).

Allerdings bewegt sich die Suez-Aktie mit derzeit über 34 Euro schon nahe am von der SG gesteckten Kursziel von 35 Euro und untermauert damit die Empfehlung "Halten". Große Investoren könnten daher in Kürze Gewinnmitnahmen erwägen.

Auch bei VE, die 1998 ihren Traditionsnamen Générale des Eaux verlor, stehen Weichenstellungen an. In französischen Finanzkreisen verdichten sich die Hinweise darauf, dass Vorstandschef Henri Proglio abgelöst werden könnte. Ein Nachfolger steht angeblich mit Eric Lecoys bereit. Er ist die rechte Hand von Jean-Marie Messier, Vorstandschef des Mehrheitseigners Vivendi Universal S.A.

Anderen Gerüchte zufolge will Messier VE mit der Bau- und Betreibergruppe Vinci S.A. zusammenbringen, die bis 1999 eine Tochter des Vivendikonzerns war. Vinci selbst wird allerdings nur halb so hoch bewertet wie VE.

Die Märkte nehmen die Nachrichten über die an der Börse mit 12 Mrd. Euro bewertete VE einstweilen nicht als Hinweis auf eine Wende zum Besseren. Vielmehr werten sie die von den oben genannten Firmen nicht kommentierten Meldungen eher als Eingeständnis der Schwierigkeiten bei VE. Denn Messier hatte VE sämtliche Schulden, die für den Ausbau der Vivendi-Mediensparte angefallen waren, aufgedrückt. Diese belaufen sich auf rund 15 Mrd. Euro insgesamt, das 1,7-fache der Eigenmittel. Laut Dresdner Kleinwort Wasserstein wird dadurch die Gewinnentwicklung des Unternehmens gebremst. Hinzu kommt, dass die Akquisitionspläne der gesamten Gruppe unter Kapitalmangel leiden. Damit sind auch die Wachstumsmöglichkeiten von VE eingeschränkt. Positiver bewerten Analysten daher eine dritte Perspektive, die Vivendi-Universal Vorstandschef kürzlich aufzeigte: Messier schließt inzwischen eine Ausgliederung von VE nicht länger aus. Auch wenn sich der medienlastige Mutterkonzern, der zur Zeit 63 % des Kapitals an der Versorgertochter hält, nur schrittweise zurückziehen würde, hat VE seit dieser Äußerung erstmals Aussicht auf Unabhängigkeit und darauf, das Interesse von Privatanlegern für eine dann reine Versorgeraktie zu wecken.

Denn "VE bräuchte wohl eine Kapitalerhöhung, um eine größere Akquisition zu tätigen", meinte ein Analyst bei UBS.

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