Aktie unter der Lupe
Swisscom trotzt dem negativen Börsentrend

Mit Aktien von Telekommunikations-Firmen haben Anleger seit Jahresbeginn Kursverluste von bis zu 90 % erlitten. Die Titel der Swisscom glänzen dagegen im gleichen Zeitraum mit Kursgewinnen von 10 %. Die meisten Analysten erwarten auch für die Zukunft eine positive Entwicklung.

ZÜRICH. Die Hiobsbotschaften in der Telekombranche reißen nicht ab. Besonders gefährdet ist die niederländische KPN, die unter ihrer Schuldenlast zusammen zu brechen droht. Aber auch die Deutsche Telekom, France Télécom und andere haben durch ihre hohen Schulden stark an Flexibilität eingebüßt.

Wie ein weißer Rabe nimmt sich in diesem Umfeld die Swisscom AG aus. Zwar haben auch die Schweizer Exmonopolisten Mobilfunk-Beteiligungen an neu gegründeten Unternehmen in Malaysia und Indien erworben. Diese wurden aber rechtzeitig wieder abgestoßen. Die UMTS-Lizenz im Heimmarkt Schweiz kostete Swisscom nur 50 Mill. Schweizer Franken.

Debitel als wichtiges Auslandsstandbein

Außerdem setzen die Schweizer auf Kooperationen statt auf überteuerte Zukäufe. So arbeitet der deutsche Mobilfunk-Service-Provider Debitel, die wichtigste Swisscom - Tochter im Ausland, mit den UMTS-Besitzern Telekom, Vodafone und der KPN-Tochter E-Plus zusammen. Wichtigster Kooperationspartner der Swisscom ist Vodafone. Diese Partnerschaft sichert den Schweizern günstige Einkaufmöglichkeiten. Zudem füllte Swisscom durch den Verkauf von 25 % der Aktien der Mobilfunktochter Swisscom Mobile AG an Vodafone die eigene Kasse. Statt Milliardenschulden wie die Konkurrenz hatte Swisscom zur Jahresmitte eine Nettoliquidität von 1 Mrd. sfr. Zudem stehen noch Zahlungen über rund 2,2 Mrd. sfr von Vodafone aus.

Die Swisscom-Aktien werden von den Analysten überwiegend positiv beurteilt. Sven Bucher, zuständiger Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, rät, Swisscom-Aktien weiter "überzugewichten". Das heißt, er erwartet eine überdurchschnittlich gute Kursentwicklung. Bucher kann sich vorstellen, dass Swisscom auch in Osteuropa nach Zukäufen Ausschau hält. Etwas zurückhaltender gegenüber den Swisscom-Aktien ist Jochen Reichert von der Bank Vontobel: Die Schweizer Vermögensverwaltungsbank empfiehlt, die Aktien auf dem gegenwärtigen Kursniveau zu halten (entspricht einer durchschnittlichen Bewertung).

Bank Vontobel sieht kaum Rückschlagpotenzial

Die Bank Vontobel unterstreicht, dass die Swisscom-Titel gegenwärtig das geringste Rückschlagspotenzial aller Telekom-Aktien bergen. Reichert kann sich jedoch vorstellen, dass Swisscom-Aktien in absehbarer Zeit unter Druck geraten könnten, wenn keine Akquisitionen getätigt werden. Denn wegen des hohen Sättigungsgrades biete der Schweizer Markt nur beschränktes Wachstumspotenzial. Würden jedoch Akquisitionen unter Zeitdruck getätigt, dann wachse die Gefahr von Fehlern, warnt Reichert.

Swisscom-Präsident Markus Rauh und Konzernchef Jens Alder suchen derzeit strategische Akquisitionsziele. Allerdings lehnt es die Swisscom-Führung ab, an der laufenden Konsolidierung der Telekommunikationsbranche in Europa teilzunehmen. Das verhindert schon das Gesetz, wonach der Schweizer Staat die Swisscom-Mehrheit halten muss.

Zukaufen möchten die Schweizer in zwei Bereichen: Im Datengeschäft und bei Mobilfunk-Anbietern, vorzugsweise in den europäischen Nachbarländern. Sollten Zukäufe nicht zu Stande kommen, würde Swisscom auch darüber nachdenken, überschüssige Liquidität in Form einer Sonderdividende oder durch Aktienrückkäufe an die eigenen Aktionäre zurück zu geben.

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