Aktie unter der Lupe
Telecom Italia gewinnt Vertrauen zurück

Wie andere Telefonaktien sind auch die Papiere der Telecom Italia und der Mobilfunktochter TIM meilenweit vor ihren Höchstkursen entfernt. Angesichts befriedigender Zahlen und einer schlüssigen Strategie gelten die Papiere inzwischen aber wieder als attraktiv.

MAILAND. Telecom Italia (TI) war bei Investoren lange Zeit ein rotes Tuch. "Dieser Laden ist ein Synonym für mediterrane Unzuverlässigkeit", schimpfte vor Monaten ein britischer Fondsmanager, weil der damalige TI-Präsident Roberto Colaninno wieder einmal mit einer umstrittenen - weil für die Anleger teuren - Kapitalmaßnahme seine Schuldenprobleme hatte lösen wollen. Heute, nach der Übernahme des Konzerns durch den Reifenhersteller Pirelli und den Pulloverstricker Benetton sind weichere Töne angesagt: "Im Vergleich mit europäischen Konkurrenten, wie der Deutschen Telekom, sehe ich Telecom Italia in einer vorteilhaften Position", sagt Stefania Forti vom Brokerhaus Eptasim. Andere Experten sehen das ähnlich. So analysiert der Chef einer ausländischen Bank in Mailand: "Die neue Führungsspitze um Pirelli-Boss Marco Tronchetti Provera hat es in nur wenigen Monaten geschafft, das bislang verkrachte Verhältnis zu den Finanzmärkten zu kitten."

Was steckt dahinter? Zunächst einmal eine solide Bilanz. Zwar ist auch TI im letzten Jahr in die roten Zahlen gerutscht - mit rund 2 Mrd. Euro war der Verlust aber deutlich geringer als bei der Deutschen Telekom (-3,5 Mrd. Euro) und der France Télécom (-8,3 Mrd. Euro). Grund: Der Konzern ist bei den teuren UMTS-Auktionen in Deutschland und England außen vor geblieben. Zudem hat TI nicht ganz so wild im Ausland zugekauft. Folge: Mit einer Gesamtverschuldung von 38,4 Mrd. Euro steht TI besser da als die Deutsche Telekom (62,1 Mrd. Euro) und die France Télécom (60,7 Mrd. Euro).

Mit einem deutlich höheren operativen Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) und dem um rund ein Drittel gestiegenen Cash Flow hat TI 2001 den Erwartungen voll entsprochen. Etwas größer als gedacht sind hingegen die Sonderabschreibungen und Wertberichtigungen, vor allem auf ausländische Töchter und Beteiligungen, ausgefallen. "Jetzt müsste die Bilanz aber penibel geputzt sein. Ich sehe keine weiteren versteckten Risiken", sagt Marco Opipari, Chef der Aktienanalyse bei Metzler Capital Markets. Leichte Zweifel befallen ihn jedoch wegen der Planzahlen bis 2004. Sie sehen eine jährliche Steigerung des Ebitda um 5 bis 5,5 % vor. "Wollen sie das schaffen, müssen weitere 10 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Alles in allem erscheint mir das sehr ehrgeizig zu sein." Stefania Forti von Eptasim sieht das anders: "Ich glaube, dass die Effizienzsteigerungen möglich sind."

Neben dem Zahlenwerk gefällt den Börsianern der Strategiewechsel der neuen Führung. Während der als Finanzjongleur verschrieene Roberto Colaninno nach der feindlichen Übernahme des Konzerns durch Olivetti im Jahr 1999 mit den ganz großen Wölfen der Branche mit heulen wollte, gibt sich Pirelli und TI-Präsident Tronchetti Provera bescheidener. Die neue Leitlinie: Sparen, Effizienz gewinnen und Beteiligungen verkaufen. Künftig will sich das Unternehmen im Festnetz nur noch auf den Heimatmarkt konzentrieren und im Mobilfunk vor allem in Italien und Südamerika eine führende Rolle spielen. In einer Studie des Londoner Investmenthauses Actinvest heißt es dazu: "Diese Rationalisierungen werden dem Unternehmen neue Handlungsspielräume eröffnen."

Eine Schlüsselrolle für die künftige Gesundheit von TI spielt die 56%ige Mobilfunktochter TIM. Nach Vodafone ist sie der Branchenzweite in Europa. Die meisten Broker betonen aktuell stärker die Werthaltigkeit des Unternehmens und weniger das Wachstumspotenzial, weil der Heimatmarkt bereits stark gesättigt ist. TIM besitzt in Italien einen Marktanteil von rund 45% und generiert dort 82% seines Umsatzes. Angesichts einer in Europa einzigartigen Rentabilität ist die Aktie nach Ansicht des Wertpapierhandelshauses Caboto ein klarer Kauf. Kursziel: 6,25 Euro. Die selbe Meinung vertreten Credit Agricole Indosuez Cheuvreux (Outperform; Kursziel 6,3 Euro) und Rasfin (Kaufen; 6,9 Euro). Bei der Mutter TI geben sich die Analysten vorsichtiger. Für Metzler notiert das Papier bereits um seinen fairen Wert (9,5 Euro), daher gibt das Haus nur ein neutrales Urteil ab. Eptasim überarbeitet das Kursziel, bleibt aber vorsichtig positiv. Actinvest empfiehlt wegen des guten Industrieplans TI zum Kauf. Kursziel: 11,2 Euro.

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