AKTIE UNTER DER LUPE
Telefónica hofft auf Mobilfunksparte

Die Aktie der spanischen Telefongesellschaft Telefónica verliert an Boden. Am Mittwoch hofft der Konzern wenigstens auf einen erfolgreichen Börsenstart der Mobilfunk-Tochter Telefónica Móviles. Der Emissionspreis wurde mit 11 Euro in der Nähe der unteren Preisspanne festgesetzt.

Die spanische Telefongesellschaft Telefónica zollt beim 3,8 Mrd. Euro schweren Börsengang ihrer Mobilfunksparte Telefónica Móviles dem rauen Börsenklima Tribut. Nachdem das Emissionsvolumen bereits von 30 % auf knapp 9 % zurückgestutzt wurde, wurde jetzt auch der Ausgabepreis mit 11 Euro am unteren Ende der anvisierten Preisspanne (10,8 bis 13,25 Euro) festgelegt. Damit will der Konzern offenbar Spielraum für eine ansprechende Kursentwicklung am heutigen ersten Handelstag schaffen.

Ob dies gelingt, ist allerdings nicht sicher. Siegfried Milbradt, Direktor bei der spanischen Hypovereinsbanktochter BI Capital etwa hat "ein etwas mulmiges Gefühl." Viele institutionelle Anleger betrachteten die Platzierung skeptisch, nachdem die Regeln für die Aufnahme in den spanischen Ibex- Index geändert wurden. Danach werde Móviles wegen des geringen Streubesitzes nur mit etwas über 1 % in den Ibex einfließen, wenn überhaupt. Telefónica berichtet dagegen von regem Interesse an der Móviles-Aktie. Die Privatanleger-Tranche sei fast 13mal, diejenige für spanische Fonds mehr als 8mal überzeichnet.

Ein Erfolgserlebnis in Form von Zeichnungsgewinnen für ihre Aktionäre hätte die gesamten Telefónica-Gruppe nötig. Denn die Kursentwicklung der Telefónica-Familie ist zuletzt äußerst schwach. So hat sich der Wert der börsennotierten Internet-Tochter Terra Lycos innerhalb von zwei Monaten halbiert. Auch die Muttergesellschaft musste Federn lassen. Von ihrem Maximum von 33 Euro im März ist die Aktie auf unter 20 Euro abgesackt. Angesichts der Flaute kündigte Konzernchef Cesar Alierta letzte Woche an, dass die ursprünglich geplanten Börsengänge weiterer Konzernfilialen wie etwa der Mediensparte auf Eis gelegt werden.

UMTS belastet alle Telekomriesen

Freilich unterscheidet sich Telefónica nicht von den anderen europäischen Telekomriesen, deren Kurse gleichfalls auf Talfahrt sind. Ebenso wie die Konkurrenz investieren die Spanier massiv in die neuen Mobilfunkgeneration UMTS. Außer in Spanien hat Telefónica bereits in Deutschland, Italien und Österreich den Zuschlag erhalten, Frankreich und Polen sollen folgen. 16 bis 20 Mrd. Euro, so schätzen Analysten, muss Telefónica für Lizenzen und Netzaufbau hinblättern.

Von den Branchenkollegen unterscheidet sich Telefónica aber dadurch, dass Europa für den Konzern weitgehend Neuland ist. Bisher konzentrierte sich Telefónica auf Lateinamerika. Einige Analysten hegen Zweifel, ob Telefónica gut daran tut, die lukrative Nische Lateinamerika aufzugeben und sich dem harten Wettbewerb in Europa zu stellen. BI-Mann Milbradt ist anderer Meinung. Telefónica könne sich nicht auf Lateinamerika beschränken, weil diese Region als emerging market neben vielen Chancen auch Risiken in sich berge. "Mit dem Engagement in Europa kann Telefónica eventuelle Rückschläge jenseits des Atlantiks auffangen". Grundsätzlich sei Telefónica wegen des starken Lateinamerika-Geschäfts sogar besser positioniert als viele Rivalen. Daher könnte die Aktie im Falle einer generellen Kurserholung der Telekombranche besonders gut abschneiden.

Am Dienstag geriet die Aktie aber noch einmal unter Druck. Gegen Mittag büßte der Titel fast 4 % auf 19,30 Euro ein und gehörte damit zu den größten Verlieren im Euro-Stoxx. Den Grund sieht Neil Ferris, Aktienhändler bei Societe Generale in Madrid, darin, dass sich Anleger von Telefónica-Aktien trennen, um Platz im Depot für Móviles zu schaffen.

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