Aktie unter der Lupe
Telekomkonzern Matav lockt mit Profiten

In- und ausländische Analysten, darunter die Mitarbeiter der Budapester Concorde Securities Rt, zählen die Aktien des führenden ungarischen Telekomanbieters Matav Rt zu den wichtigsten Titeln in ganz Mitteleuropa.

BUDAPEST. Das Unternehmen ist eines der profitabelsten in der Region, wie die Zahlen für das erste Quartal 2002 zeigen. Danach stiegen der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,4 % auf 578 Mill. Euro und der Nettoertrag um 50,1 % auf 81,7 Mill. Euro.

Schon im Vorjahr hatte die Matav im Gegensatz zu ihrer Mutter Deutsche Telekom, die knapp 60 % der Anteile hält, mächtig Geld verdient. Dabei ist ihr wichtigster Trumpf das Mobilfunknetz Westel, das mit 2,7 Mill. Abonnenten über einen Marktanteil von 50,6 % verfügt. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde für den Telekomsektor beträgt die Zahl der Handynutzer in Ungarn inzwischen 5,5 Millionen. Tendenz steigend. Matav-Präsident Elek Straub rechnet mit einer weiteren Million Kunden für Westel in den kommenden 18 Monaten.

Generell ist Matav für die seit Jahresbeginn in Ungarn laufende Liberalisierung des Telekomsektors und für den Markt moderner Informationstechnologien gut gerüstet. Durch gezielte Maßnahmen wurden der Personalbestand und die Kosten im Festnetzbereich gesenkt, wo kaum noch Expansionsmöglichkeiten bestehen. Mit Axelero besitzt Matav außerdem den wichtigsten Internet-Service-Provider des Landes. Durch die Nutzung modernster Technologien, flexible Preisgestaltung, die Einführung neuer Produkte und die Modernisierung des Kundenservice soll die Spitzenposition gehalten werden.

Der Analyst Andor Daroczi von Concorde Securities traut der Matav-Aktie zum Jahresende einen Kurs von 1 250 Forint (1 Euro entspricht etwa 241 Forint) zu. Bei aktuellen Kursen um 890 Forint wäre dies eine Kursanstieg um gut 40 %. Seine Kaufempfehlung begründet Daroczi mit der Ertragsstärke von Matav, der relativ geringen Schuldenbelastung und den enormen Perspektiven des Marktes in Ungarn.

"Vergleichbare Telekomgesellschaften in Mitteleuropa wie die polnische TPSA und die tschechische Cesky Telekom arbeiten weitaus kostenintensiver", sagt Daroczi. Risiken sieht er nur beim Erwerb modernster Technologielizenzen wie etwa UMTS. Aber das gelte für andere Anbieter auch. Und der recht schlechte Ruf der Deutschen Telekom habe allenfalls in der Vergangenheit die Tochter Matav leicht beeinflusst. Für die Zukunft sei das nicht mehr zu erwarten.

Synergien durch Integration

Matav-Chef Elek Straub setzt auf eine weitere Integration seiner Gesellschaft in die internationale Familie der Deutschen Telekom. Dem Handelsblatt sagte er: "Für uns bedeutet das Synergien in allen Aspekten des Geschäfts. Wir können Technologien, die in Deutschland schon verbreitet sind, und auch Marketingerfahrungen sowie Produkte und Services übernehmen. Eine stärkere Integration wird unsere Effektivität weiter steigern und die Kosten noch niedriger gestalten."

Gerade der Telekomsektor zeigt, dass Ungarn für westliche Unternehmen als Sprungbrett für ganz Südosteuropa gilt. Im Zuge des für 2004 geplanten Beitritts des Landes zur Europäischen Union wird sich diese Attraktivität noch erhöhen. So ist die Matav seit 2001 mehrheitlich an der mazedonischen MakTel beteiligt, die erheblich zum Gesamtgewinn beiträgt, auch wenn das Ergebnis im ersten Quartal 2002 etwas nachgelassen hat. Hier liegt die strategische Bedeutung der Matav für die Deutsche Telekom.

Budapester Analysten erwarten weitere Akquisitionen und Beteiligungen der Matav in Südosteuropa. Das könnte z.B. für die serbische Mobtel gelten. Straubs Kundschafter sind in der ganzen Region unterwegs. Er und seine Vorstandskollegen gehen dabei aber kein größeres Risiko ein. Dies zeigt der Beschluss, nicht an der Privatisierung der bulgarischen Telekom BTC teilzunehmen. Daroczi begrüßt dies. Angesichts des großen technologischen Nachholbedarfs der BTC und daraus resultierender enormer Investitionskosten seien die Gewinnerwartungen auf Jahre hinaus dürftig.

Dass Straub ein führendes Unternehmen repräsentiert, wird auch deutlich, wenn die Leitung der Budapester Börse am 17./18. Juni zu einer Road-show nach London und New York aufbricht. Straub wird dort zu den Rednern gehören.

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