Aktie unter der Lupe: Telmex-Aktie stehen schwere Zeiten bevor

Aktie unter der Lupe
Telmex-Aktie stehen schwere Zeiten bevor

Als der mexikanische Telekommunikationsgigant Teléfonos de México S.A. (Telmex) die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2002 vorlegte, waren die Analysten kaum überrascht. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr um 3,8 % auf 112,86 Milliarden Peso (10,85 Milliarden Dollar) zurück. Für 2002 wies das größte Telekomunternehmen in Lateinamerika einen Gewinn von 59,18 Milliarden Peso (5,6 Milliarden Dollar) aus, ein Minus von 6,4 % gegenüber dem Vorjahr. "Trotzdem verdient Telmex noch gut Geld", sagt Jean-Bernard Jardine, Chefanalyst der Investmentberater von NSC Asesores in Mexiko-Stadt.

MEXIKO-STADT. "Vor allem das schwache Wirtschaftswachstum in Mexiko hat die Unternehmenszahlen gedrückt", ergänzt Telekommunikationsanalyst Manuel Jiménez vom Investmenthaus Vector. Die mexikanische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr nur um ein Prozent gewachsen und damit deutlich unter der Regierungsprognose von 1,7 % geblieben. "Die Menschen haben schlicht weniger telefoniert", sagt Jímenez. Zudem verzichtet Telmex seit zwei Jahren auf eine Erhöhung der Basistarife und wird die Preise auch 2003 stabil halten. Ausgleichen konnte dies Telmex in der Vergangenheit zum Teil durch einen starken Zuwachs bei Neukunden. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete das Unternehmen mehr als eine Million Neuanschlüsse, was einen Zuwachs von 8 % bedeutet. Für dieses Jahr sagt die Investmentbank Merrill Lynch ein weiteres Anwachsen um 7 % auf insgesamt 15,45 Millionen Anschlüsse voraus.

Telmex erwirtschaftet den Löwenanteil seines Umsatzes mit Inlandsgesprächen. 46 % der Einnahmen erzielt der Gigant mit Ortsgesprächen, bei denen er Quasi-Monopolist ist. Bei Ferngesprächen erwehrt sich das Unternehmen seit dem Fall des Monopols Mitte der 90er-Jahre nationaler und internationaler Konkurrenz, wie zum Beispiel durch den US-Anbieter AT&T. Mit nationalen Ferngesprächen erzielt Telmex noch rund 25 % seiner Erlöse und mit Auslandstelefonaten rund 8 %. Weitere 14 % seiner Einnahmen macht das Unternehmen mit den Gebühren für Durchleitungen. Marktführer ist Telmex im Internet- und Mobilfunk in Mexiko. Die Telmex-Tochter Telcel ist das einzige Unternehmen, das für die Handys im ganzen Land Netzabdeckung bietet.

Ehemaliges Staatsunternehmen gilt als gesund

Das ehemalige Staatsunternehmen, das vor mehr als zehn Jahren privatisiert wurde, gilt bei Analysten als wirtschaftlich gesund. Die Investmentbanken JP Morgan und Merrill Lynch heben den großen Cash-Flow hervor. Vector lobt die geringe Verschuldung und die Strategie der Kostenreduzierung in den vergangenen Jahren.

Die Kursentwicklung sehen die Banker verhalten. JP Morgan hat die Aktie auf Neutral zurückgestuft sowie die Kursaussichten von 43 auf 33 Dollar reduziert. Den Schritt begründete die Bank mit dem vermutet schwachen Wachstum in Mexiko im Windschatten der flauen US-Konjunktur. Der Börsenkurs von Telmex hat in den vergangenen Monaten stark gelitten. Das Papier kostet derzeit gut 30 Dollar und notiert nur wenig über seinem 52-Wochen-Tief von 26,51 Dollar. Zu Bestzeiten war die Aktie gut 41 Dollar teuer.

Insgesamt bekräftigt Merrill Lynch seine Einschätzung Neutral für die Telmex-Aktie, während Vector optimistischer ist und zum Kauf rät. Entscheidend für die mittelfristige Entwicklung wird sein, ob das Unternehmen weiter in nennenswertem Umfang Neukunden gewinnen und sich als einziger Anbieter von Hochgeschwindigkeitsinternetanschlüssen durchsetzen kann. JP Morgan hält eine bessere Bewertung des Papiers nur für möglich, wenn sich die Wachstumsaussichten Mexikos aufhellen und mit ihnen die von Telmex.

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