Aktie unter der Lupe
Terroranschläge machen Lufthansa-Ergebnisprognose hinfällig

Die Anschläge in den USA spitzen die Krise der Luftfahrtgesellschaften weiter zu. Die Lufthansa wird nach Einschätzung von Experten ihre aktuelle Gewinnprognose nicht mehr halten können. Analysten erwarten wegen der Terrorserie katastrophale Auswirkungen auf die Gewinne der Fluglinien.

FRANKFURT/M. Nach der Serie von verheerenden Terroranschlägen in den USA hat die Aktie der Deutschen Lufthansa die schwersten Verluste unter den deutschen Standardwerten verbuchen müssen. Am Tag des Unglücks stürzten die Papiere zeitweise um bis zu 25 % ab und fielen in den folgenden Tagen weiter auf den tiefsten Stand seit 1997. "Bei einem solchen Ereignis ist das fast normal", zeigte Lufthansa-Chef Jürgen Weber Verständnis für die Reaktion der Börsen. "Aber der Kurs wird auch wieder in die Höhe gehen." Doch Händler und Investoren haben vorerst den Glauben an den einstigen Börsenliebling verloren. Zu groß sind die finanziellen Belastungen, die der Airline durch die Krise entstehen. Kaum ein Luftfahrt-Experte der Banken glaubt mehr daran, dass die Lufthansa ihre aktuelle Gewinnprognose noch halten kann.

Die Airline hatte vor den Terroranschlägen in den USA noch einen operativen Gewinn zwischen 700 und 750 Mill. Euro in Aussicht gestellt - unter der Voraussetzung, das wirtschaftliche Umfeld im vierten Quartal werde sich erholen. Davon kann nun aber keine Rede mehr sein. "Es wird zu einem dramatischen Einbruch des Nordatlantikgeschäfts kommen", sagte ein deutscher Luftfahrt-Analyst. Experten des Investmenthauses Schroder Salomon Smith Barney erwarten nach den Anschlägen ebenfalls katastrophale Effekte auf die Profitabilität der europäischen Fluglinien. Die Analysten rechnen damit, dass die Nachfrage nach Flugreisen in den kommenden Monaten um bis zu 20 % einbrechen könnte. Das werde im Verbund mit steigenden Kerosinpreisen und der wachsenden Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession zu Verlusten bei den meisten europäischen Fluglinien führen, hieß es. Sie stuften gestern den ganzen europäischen Flugsektor zurück und reduzierten auch ihr Kursziel für die Deutsche Lufthansa auf 17,50 Euro von zuvor 22 Euro.

Kein Banker kann derzeit ernsthaft einen Kauf empfehlen

Das läge zwar weit über dem aktuellen Kurs, doch kein Banker kann derzeit ernsthaft eine Kaufempfehlung in diesem Sektor aussprechen. "Viel hängt davon ab, ob die Krise wirklich zu einem Dauerzustand wird. Es ist zu früh, wirtschaftliche Einbußen schon jetzt abschätzen zu können", sagte ein Branchenanalyst. Klar ist, dass die Airlines bis auf weiteres mit massiven Umbuchungen und Stornierungen rechnen müssen, wie Jürgen Pieper, Luftfahrt-Experte des Bankhauses Metzler, erläuterte. Belastend würde sich auch ein erwarteter Anstieg der Ölpreise auswirken, obwohl die Lufthansa ihren Treibstoffbedarf stark durch Sicherungsgeschäfte abgedeckt habe.

Auch die Lufthansa selbst sah sich am Tag zwei nach den verheerenden Terrorakten in den USA nicht in der Lage, die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe abzuschätzen. Das Ausmaß sei noch nicht zu beziffern, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Wegen der Sperrung des Luftraums über den USA und Kanada musste die Fluggesellschaft bis gestern insgesamt knapp 80 Flüge vor allem nach Nordamerika streichen. Die Anschläge von New York und Washington bedeuten nach den Worten von Lufthansa-Chef Weber für die gesamte Luftfahrtbranche deutliche Einschnitte. Noch mag der Airline-Chef angesichts des Attentats seinen Blick aber nicht auf Zahlen richten: "Kosten sind derzeit die kleinsten Sorgen. Es gibt wichtigere Dinge."

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