Aktie unter der Lupe
Thalès erschließt sich den US-Rüstungsmarkt

"Kaufen, wenn die Kanonen donnern", lautet ein alter Börsengrundsatz. Noch ist unklar, ob es zu einem größeren Waffengang im mittleren Osten kommen wird. Doch wittern die Anleger seit den Terrorattacken auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington wieder Morgenluft für die lange geschmähten Rüstungswerte. Einer der führenden europäischen Vertreter dieser Gattung wird seit vergangenem Jahr unter neuem Namen gehandelt: Aus Thomson CSF wurde Thalès.

HB PARIS. Das früher ganz in Staatshand befindliche Unternehmen spielt inzwischen eine solide Rolle im Leitindex Cac 40 der Pariser Börse. Es ist mit 70 000 bis 120 000 pro Tag gehandelten Aktien ein Wert mit für Privatanleger akzeptabler Liquidität. Dagegen gilt die Aktie in Deutschland als sehr markteng.

Thomson-CSF arbeitete überwiegend für Frankreichs Verteidigung und Aeronautik und exportierte entlang der Achsen der französischen Außenpolitik. Vorstandschef Denis Ranque hat mit Thalès einen neuen Anfang gemacht: Er verstärkte den Konzern mit der britischen Racal und visiert die angelsächsischen Rüstungsmärkte an. Damit sollte der Malus entfallen, den unter anderem der Merrill-Lynch-Analyst Charles Armitage der Gruppe noch zuschreibt: "Das Unternehmen hat keinen wirklichen Zugang zum US-Verteidigungsbudget", meint er und ringt sich nur zu einer neutralen Einstufung der Aktie durch.

Doch da hat er wohl bei der Luftfahrtschau in Le Bourget nicht aufgepasst. Thalès hat mit dem US-Rüstungsriesen Raytheon das Joint Venture TRS gegründet. "In den USA werden wir Amerikaner sein, in Europa Europäer", freuten sich Ranque und sein Kollege bei Raytheon, Daniel Burnham. Beide blicken zudem über den US-Markt hinaus auch auf Kunden in der Dritten Welt, die bei ihrer Beschaffung von Rüstungs- und Kommunikationgütern zwischen Europa und Amerika die Waage halten wollen. Das gilt vor allem für die arabische Welt. So setzt auch Société-Générale Analyst Philippe Mouthon auf eine zweistellig steigende Umsatzentwicklung in diesem Jahr. Dabei werden die operativen Erträge im Rüstungsgeschäft besonders stark steigen. Dieses stellt mit rund 60 % der Konzernerlöse die größte Sparte dar. Mouthon sieht ihre Marge im laufenden Jahr bei 8,1 (Vorjahr: 6,8) %.

Auch die anderen Sparten tragen zum Erfolg des Unternehmens bei. So setzte sich die Aeronautik-Sparte in einer Ausschreibung für die Neuausrüstung der vier größten Flughäfen in China und der Luftraumkontrolle in weiten Regionen des Landes durch.

Die Kommunikations-Sparte wird durch das am Dienstag bekannt gegebene Joint Venture Kalimna mit IBM Global Services nachhaltig gestärkt. Sie leidet allerdings unter der schlechten Konjunktur im Telefonsektor - hier wird das Unternehmen wohl 2001 Abstriche machen müssen. Die US-Bank Lehman Brothers sieht allerdings auch für dieses Geschäft wieder positive Signale. Nach ihrer Meinung ist Thalès derzeit mit 6,7 Mrd. Euro derart niedrig bewertet, dass eine Übernahme möglich wäre. Auch vom ökonomischen Kanonendonner könnten die Anleger also profitieren.

Es gibt aber auch ein Gegenszenario: Der große Technikkonzern Alcatel, mit einem Fünftel der Aktien nach dem Staat zweitgrößter Aktionär, braucht Geld. Ein Verkauf dieses Paketes könnte den Thalès-Kurs ins Rutschen bringen.

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