Aktie unter der Lupe
Thiel sorgt für Kopfzerbrechen

Das Image eines Lieblingskindes der Börsianer, das der achtgrößte Wert im Nemax 50 lange Zeit inne hatte, ist die Thiel-Aktie schon seit Anfang Februar los. Seit dieser Zeit ist der ihr Kurs um knapp 50 % eingebrochen.

FRANKFURT/M. Was die Führungsmannschaft der Luxemburgischen Thiel Logistik vom aktuellen Kursniveau ihrer Aktie hält, hat sie in den letzten Tagen eindringlich bewiesen: Erst kaufte Vorstandschef Günter Thiel 100.000 Stücke über die Börse. Dann meldeten drei neue Verwaltungsratsmitglieder des Anbieter von Logistikdienstleistungen und Business Services, je 50.000 Papiere erworben zu haben.

Kurzzeitig sah es so aus, als ob sie damit ein gutes Geschäft gemacht hätten. Günter Thiel kaufte in der vergangenen Woche zu 13,50 Euro, zwei Tage später notierte die Aktie schon bei 15,50 Euro. Nach mehreren Tagen im Minus ist die Aktie allerdings gestern wieder bei 13,70 Euro angelangt.

Das Image eines Lieblingskindes der Börsianer, das der achtgrößte Wert im Nemax 50 lange Zeit inne hatte, ist die Thiel-Aktie schon seit Anfang Februar los. Seit dieser Zeit ist der ihr Kurs um knapp 50 % eingebrochen. Als Grund dafür nennen Börsianer eine relativ überraschende Kapitalerhöhung, die dem Unternehmen zwar 120 Mill. Euro einbrachte, die nach deren Ansicht aber zu billig am Markt platziert wurde. 5 750 000 Aktien wurden zu je 17,70 Euro an institutionelle Anlegern ausgegeben, einem Preis, der zu diesem Zeitpunkt weit unter dem Börsenkurs lag und dadurch den Aktienkurs drückte. Zudem gab es immer wieder Gerüchte, wonach sich ein namhafter US-Fonds im großen Stil von seinen Beständen trennen würde. Das war nach Händleraussagen auch gestern wieder der Fall, als die Thiel-Aktie um etwa 8 % fiel.

Dieses heftige Auf und Ab des Kurses zeigt den Zwiespalt, in dem sich das Papier derzeit befindet. Einerseits ist der Großteil der Analysten von ihm überzeugt. Alle namhaften Banken haben den Wert im Blick und bescheinigen ihm zumeist überdurchschnittliche Wachstumsaussichten. "Kaufen" hieß es gerade erst in aktuellen Studien von UBS Warburg, der Hypo-Vereinsbank, der BHF Bank und von M.M. Warburg. Zum "Übergewichten" raten Casper Lund von Morgan Stanley und Mario Christl von Helaba Trust. Operativ sei Thiel weiterhin auf einem guten Wege, so Christl. Er hält den jüngsten Kursverfall für übertrieben und beharrt deshalb auf seinem Kursziel von 23 Euro.

Andererseits gibt es zwei Faktoren, die der Aktie das Leben schwer machen. Zum einen rätseln einige Analysten immer noch über die Gründe der möglichen Kapitalerhöhung. Raimon Kaufeld von der DZ Bank rät seither beispielsweise zum "Reduzieren" der Aktie. Zudem hat der im Februar bekannt gewordene kurzzeitige finanzielle Engpass beim Wettbewerber D.Logistics die Anleger auch bei den einst uneingeschränkt beliebten Logistik-Werten vorsichtig werden lassen. Einige Marktteilnehmer verbinden mit dem plötzlichen Kapitalbedarf von Thiel eine möglicherweise drohende finanziellen Schieflage.

Günter Thiel selbst weist solche Vorwürfe weit von sich. "Wir besorgen uns erst das Geld und dann neue Großaufträge, nicht umgekehrt", sagt der Chef von weltweit 9 000 Mitarbeitern. Schließlich gelte es, Aufträge in einer gewissen Dimension auch finanziell stemmen zu können. Thiel: In den drei Unternehmensbereichen Kontraktlogistik, Mehrwertdienste und Health Care sei man in konkreten Verhandlungen. Dabei gehe es um Auftragsvolumina, die den Umsatz von 1999 (115,7 Mill. Euro) darstellten, aber voraussichtlich erst ab dem 4. Quartal 2002 zu Umsätzen führen würden.

Die Rede ist gerüchteweise von einem möglichen Auftrag der Bundeswehr, die angeblich ihren kompletten Bekleidungsbereich auslagern will. Günter Thiel selbst will solche Dinge nicht kommentieren: "Es gibt bisher keinen Letter of Intent".

Zuletzt am Markt aufkeimende Bedenken in Zusammenhang mit dem Anfang des Jahres übernommenen Logistik-Dienstleister Birkart Globistics weist Thiel ebenfalls zurück. "Birkart ist derzeit noch ein Rohdiamant. In den nächsten 12 Monaten werden wir ihn aber zu einem Edelstein schleifen."

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