Aktie unter der Lupe
Thyssen-Krupp im Wechselbad der Gefühle

Die häßliche Bescherung kam gut eine Woche vor Weihnachten. Übernahme-Gerüchte schreckten das Management der Thyssen-Krupp AG in Düsseldorf unsanft aus den Weihnachtsträumen. Die Frankfurter WCM Beteiligungs- und Immobilien AG mit ihrem Großaktionär Karl Ehlerding wolle ein Paket von bis zu 25 % erwerben, wurde kolportiert.

DÜSSELDORF. WCM ist bekannt dafür, aufgekaufte Unternehmen zu filetieren und zu verkaufen. "Konglomerate unterstützen wir nicht. Wir wollen die Erträge durch Kauf und Verkauf von industriellen Einheiten optimieren", skizzierte WCM-Vorstandsvorsitzender Roland Flach einmal die Unternehmens-Philosophie.

Indizien für einen Übernahmeversuch wurden schnell gefunden. In den letzten Wochen hatte die Thyssen-Krupp-Aktie, die seit Anfang 2000 von ihrem Höhepunkt von 33 Euro auf unter 10 Euro gefallen war, immer wieder große Sprünge nach vorn gemacht - um dann wieder ebenso deutlich zurückgefallen. WCM dementierte, blieb jedoch kryptisch. Flach fügte immer wieder an: "Was weiß ich, wie die Welt in ein paar Wochen aussieht."

Die Mehrheit der Analysten glaubt aber nicht an einen massiven Auftritt von WCM. Das sei "hochgradig unrealistisch", sagte Klaus Soer von der Deutschen Bank. Dafür gibt es gute Gründe. Zum einen will die WCM neue Übernahmen nicht mehr mit eigenen Aktien finanzieren, um das Ehlerding-Paket bei WCM von 49 % nicht weiter zu verwässern. Damit wird der Brocken Thyssen-Krupp mit einer Börsenkapitalisierung von fast 9 Mrd. Euro kaum finanzierbar.

Altaktionäre können den Antrag blockieren

Zum zweiten steht die Aktionärsstruktur des Düsseldorfer Konglomerats mit seinen vier Säulen Stahl, Automotive, Maschinenbau- und verarbeitung sowie Handel und Dienstleistung dagegen. Für eine Filetierung des Konzerns wäre eine Satzungsänderung notwendig und dafür wiederum eine Zustimmungsrate von 75 %. Fast 40 % des Thyssen-Krupp-Kapitals sind jedoch in festen Händen.

Allein die homogene Gruppe der Altaktionäre - Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung (knapp 18 %), die Fritz Stiftung-Thyssen (knapp 5 %) und der Staat Iran (7,7 %) - kann den Antrag blockieren. Dass sie an einem Strang zieht, dafür sorgt Berthold Beitz, der Testamentverwalter der Krupps und Vorsitzender des Stiftungskuratoriums.

Analysten sind sich uneins

Schließlich müsste WCM mit der hohen Verschuldung des Konzerns kalkulieren. Sie stieg in den letzten Jahren bis auf 8,5 Mrd. Euro und wurde zuletzt bis auf 6,5 Mrd. Euro langsam abgebaut.

Wegen dieser komplizierten Gemengelage sind sich die Analysten in der Bewertung der Anteilsscheine von Thyssen-Krupp ziemlich uneins. Die Bewertungen reichen von Gewinne mitnehmen (Bankhaus Leu, Aktienservice Research) über Halten (Deutsche Bank, Dresdner Kleinwort Wasser, Sal. Oppenheim, Bankgesellschaft Berlin, Stadtsparkasse Köln) bis Kaufen (UBS Warburg). Die meisten Analysten plädieren für "Halten". Klaus Soer hat sein Kursziel mittlerweile von 13 auf 20 Euro angehoben. Aktuell notiert das Papier bei etwa 16,50 Euro -- wie Anfang 1999.

Im November hatte Thyssen-Krupp die 20-prozentige Kürzung der Dividende von 0,75 auf 0,60 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2000/01 veröffentlicht. Dazu kam eine gedrückte Prognose für das erste Quartal. Ein Verlust wurde nicht ausgeschlossen, zudem kündigte der Vorstand Kurzarbeit in der Sparte Stahl an.

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