Aktie unter der Lupe
Trickkiste von Philips ist fast leer

Noch in diesem Monat will Gerard Kleisterlee, der Anfang Mai angetretene neue Chef von Philips Electronics N.V., über die Zukunft der Mobilfunktochter PCC entscheiden. Ein Lösung bei der Problemsparte reicht aber laut Analysten nicht als Befreiungsschlag für den Elektronik-Konzern.

HB BRÜSSEL. Harte Einschnitte und düstere Aussichten sind schon fast traditionelles Beiwerk eines Vorstandswechsels bei Philips. Der neue Konzernchef Gerard Kleisterlee muss aber auch neue Rezepte zur Ergebnisverbesserung entwickeln.

So will der Amsterdamer Elektronikkonzern bald bekannt geben, wie er strukturell schwache Bereiche bei Bauelementen und Verbraucherelektronik aufmöbeln will. Beides soll die Ergebnislage verbessern und der Aktie neuen Schwung verleihen. Beides wird zunächst aber auch Geld kosten.

Beim Restrukturierungsaufwand wird Kleisterlee seinen Vorgänger Cor Boonstra bald übertrumpfen: Boonstra hatte bei seinem Antritt eine Rückstellung von 455 Mill. ? gebildet. Kleisterlee begann mit 350 Mill. ? - doch diese Summe reicht laut Finanzvorstand Jan Hommen nicht. Ein negatives Betriebsergebnis vor Sonderposten im zweiten Quartal ist absehbar.

Schließung ist die beste Option

Bei einer Schließung der Mobilfunktochter PCC erwartet Analyst Frits de Vries von Rabo Securities Kosten von 500 Mill. ?. Andere Analysten tippen auf bis zu 700 Mill. ?. Die Schließung sei vielleicht die beste Option, den letzten "Bluter" des Konzerns los zu werden, meint de Vries. Eine Auslagerung oder ein Verkauf würden auch mehrere Millionen Euro kosten. Steven Vrolijk von ING Barings erwartet, dass PCC dicht gemacht wird.

Im ersten Quartal schrieb PCC einen Verlust von 118 Mill. ?. Hinzu kam laut Finanzchef Hommen ein "unerwartet schnell entsetzlich schlechter Markt", insbesondere für Halbleiter. So setzte sich bei Philips das jahrelange Auf und Ab von Ergebnis und Aktienkurs fort: Die Aktie verlor seit dem Dezemberhoch von 57,25 ? bis März rund die Hälfte an Wert. Bei 28 ? schien dann der Boden erreicht.Seit Ende April zog die Aktie wieder kräftig an und notierte zuletzt über 34 ?.

Unterschiedliche Analystenmeinungen

Analysten schätzen die Aktie unterschiedlich ein: De Vries von Rabo hält sie für unterbewertet bei einem Kursziel von 40 ?. Auch ABN Amro empfiehlt den Kauf. Vrolijk von ING dagegen rät ebenso wie Delta Lloyd zum Halten bei einem Kursziel von 38 ?.

Nach Jahren drastischer Sanierungen fallen bei Philips weitere Sparmaßnahmen zunehmend schwer. Ex-Chef Boonstra hat das eins unübersichtliche Konglomerat in nur vier Jahren von 13 auf sieben Sparten gestutzt. Daher steht Philips laut Analysten besser da als je. Doch die Zauberkiste - Stellenstreichungen und Verkäufe - ist fast leer. Neue Rezepte sind gefragt.

Kostensenkungen nur bei Verbraucherelektonik möglich

Nötig und möglich seien Kostensenkungen nur bei Verbraucherelektronik und den Setup-Boxen zum Empfang digitalen Fernsehens, sind sich die Analysten de Vries und Vrolijk einig. "Philips sitzt insbesondere bei Audio noch zu stark im Billig-Segment", erklärte de Vries. Die Niederländer müssten sich wie der japanische Hersteller Sony mehr auf schnell wachsende digitale Produkte oder große Volumen konzentrieren. Was vor Jahren bei Fernsehern gelungen sei, sei auch bei Audio machbar.

Die größte Herausforderung sehen Analysten in Kleisterlees Ziel, aus Philips ein Wachstumsunternehmen zu machen. De Vries meint, Wachstum sei aus eigener Kraft erreichbar. Wichtige Sparten würden langfristig sowieso stark zulegen. Die Raten betrügen bei Halbleitern 15-20 %, bei Bauelementen 20 % und bei Medizinischen Systemen 8-10 %.

Dagegen sagt Analyst Vrolijk, eine Beschleunigung sei wohl nur durch Akquisitionen bei Halbleitern und Bauelementen möglich. Damit steige aber das Risiko für die Anleger, weil Philips noch konjunkturempfindlicher werde.

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