Aktie unter der Lupe
Übernahmeofferte für Buderus erwartet

Jetzt, wo der Sommer vorbei ist, zieht man sich warm an und bringt bei Bedarf die Heizung in Schuss. Gut für das Geschäft der Buderus AG, Europas zweitgrößtem Heizungsbauer aus Wetzlar. Doch dort zieht man sich noch aus einem anderen Grund warm an: Die Stuttgarter Robert Bosch GmbH hat ein Auge auf das Unternehmen geworfen.

DÜSSELDORF. Beide Firmen hatten über eine Kooperation verhandelt, doch bekannte sich Buderus zu seiner Unabhängigkeit und verschmähte den werbenden Bräutigam. Ärgerlich für den Bosch-Konzern, der die Braut gerne unter dem eigenen Dach sähe. Jetzt wird spekuliert, Bosch plane eine feindliche Übernahme. Solche Gerüchte beflügelten den Aktienkurs von Buderus: Die im MDax notierten Titel legten seit Mitte September kräftig zu.

Analysten sind sich einig: Ein Übernahmeangebot von Bosch wird wohl kommen, deshalb bleibt die Aktie attraktiv. "Ich glaube nicht, dass sich Bosch und Buderus friedlich einigen", sagt Erhard Schmitt von Helaba Trust, eine Tochter der Landesbank Hessen- Thüringen. Greift Bosch an, will Buderus sich wehren.

Da die Wetzlarer schon einmal Übernahmeziel waren, sind sie geübt. Der Baukonzern und Buderus-Großaktionär Bilfinger und Berger AG wollte ebenfalls kooperieren, doch auch diese Verhandlungen blieben erfolglos. Analyst Schmitt sieht Buderus gut gerüstet. In einem schrumpfenden Markt habe das Unternehmen Umsätze und Marktanteile hinzu gewonnen. Und: "Die Margen sind nicht gesunken", betont Schmitt.

Bosch würde von einer Übernahme profitieren

Zur Abwehr einer Übernahme ist das gut, denn solides Wachstum wird an der Börse mit höheren Kursen honoriert. "Das heißt, eine Übernahme wird für den Konkurrenten teurer und eventuell unattraktiv", folgert Schmitt. Er sieht den fairen Wert der Buderus-Aktie bei 28 bis 30 Euro - also knapp über dem aktuellen Kurs. Commerzbank-Analyst Cengiz Sen greift mit 31 bis 35 Euro noch ein Stückchen höher, indem er die Standbeine Guss, Edelstahl und Heizung einzeln vor ihrem Branchenhintergrund betrachtet.

Von einer Übernahme würde Bosch profitieren, meint Commerzbank-Experte Sen. Deshalb rechnet er mit einem Kaufangebot. Die in Deutschland unrentable Boschsparte Junkers würde durch die Buderus-Heizungen aufgewertet.

Verwässerung der eigenen Marke

Für Buderus wäre eine Verbindung indes eine Verwässerung der eigenen Marke. "Deshalb werden die Wetzlarer nicht zustimmen, solange der Preis nicht stimmt", sagt Analyst Sen, "für die Aktionäre wäre eine Übernahme unter Preis nicht sinnvoll." Für Bosch spielen nach Ansicht Sens auch die Bremsscheiben von Buderus eine wichtige Rolle. "Dieser neue Bereich bei Buderus passt gut in die Automobilsparte von Bosch."

Fazit für den Kleinanleger: "Der Investor braucht nur abwarten bis ein Angebot kommt", sagt Sen. Macht Bosch kein Angebot, dann dürfte der Kurs höchstens bis auf 20 bis 22 Euro abrutschen. Kommt es aber doch, dann wird Bosch noch einen Aufschlag zahlen müssen.

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