AKTIE UNTER DER LUPE
UMTS-Niederlage reißt Telia-Aktie abwärts

Der Kurs von Telia stürzte ab, nachdem der schwedische Telekommunikationskonzern im Rennen um die heimischen UMTS-Lizenzen leer ausging. Ohne ein eigenes Mobilfunknetz der nächsten Generation hat Telia nach Aussage von Analysten schlechte Chancen. Die Commerzbank rät zum Verkauf der Aktie.

DÜSSELDORF. Als bislang einziger Telekom-Konzern steht die schwedische Telia AB im eigenen Land ohne UMTS-Lizenz da. Daraufhin sackte der Kurs um rund 18 % auf ein neues Allzeittief unter 50 schwedischen Kronen. Am Nachmittag erholte sich der Kurs leicht.

Seit dem Börsengang des Ex-Monopolisten im Juni verlor die Aktie über 40 %. UBS Warburg reduzierte gestern das Anlageurteil auf "Halten", die Commerzbank rät zum Verkauf der Telia-Titel. Das Kursziel der Commerzbanker liegt mit 50 skr nur knapp über dem Rekordtief.

Falls Telia auf dem Heimatmarkt keine Mobilfunkdienste der dritten Generation anbietet, katapultiert sich das Unternehmen selbst ins Abseits, urteilen Analysten. Der UMTS-Standard, der mobilen Datentransfer und Videokonferenzen ermöglicht, soll in wenigen Jahren die heutigen Handynetze ablösen.

Börsengang stand nicht unter gutem Stern

"Es ist unklar, wie Telia es schaffen will, UMTS-Dienste anzubieten," sagt Doug Wight von der Commerzbank. Nach Wights Einschätzung stehen dem Konzern nur noch zwei Wege offen, nachdem Telia im Wettbewerb um die vier schwedischen UMTS-Lizenzen leer ausging: Entweder kooperiert der Konzern mit einem Lizenzgewinner oder kauft ihm Kapazität ab. Zu den Lizenzgewinnern zählen der schwedische Mobilfunkbetreiber Tele2, die Vodafone-Tochter Europolitan, ein Konsortium von Hutchinson Whampoa und die zu France Télécom gehörende Orange Sverige.

Kauft Telia einem der vier Gewinner Kapazität ab, so wäre der Konzern nur ein so genannter "virtueller Betreiber" ohne eigenes Netz und damit nach Meinung von Analysten in einer schlechten Wettbewerbsposition. Eine andere Chance hat Telia aber kaum. Als attraktiver würden Analysten zwar die Übernahme eines Lizenzgewinners beurteilen. Doch dies gilt wegen der hohen Kosten und wettbewerbsrechtlicher Hürden als unwahrscheinlich.

In Schweden wurden die UMTS-Lizenzen nicht wie in Deutschland oder Großbritannien versteigert, sondern nach einem so genannten Schönheitswettbewerb vergeben. Das Angebot von Telia war aus Sicht der schwedischen Post - und Telebehörde PTS mangelhaft. Dreimal mehr Basisstationen hätte der Konzern gebraucht, um die Voraussetzungen zu erfüllen. Das Ergebnis hat die Analysten überrascht: "Es war eigentlich schwer für Telia, keine UMTS-Lizenz zu bekommen," sagt Doug Wight von der Commerzbank.

Nun will Telia vor Gericht gegen die PTS-Behörde klagen, um doch noch eine Lizenz zu erhalten. Dem räumen Analysten allerdings geringe Chancen ein: "Es war ein klar ausgeschriebener Wettbewerb. Warum sollte die Entscheidung umgestoßen werden?" sagt Wight.

Der Börsengang von Telia stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Nach einem kurzfristigem Anstieg befindet sich der Kurs praktisch nur noch im Sturzflug.

Managementproblem belastet

Zu schaffen macht dem gebeutelten Mobilfunkbetreiber außerdem ein Managementproblem: Im Oktober kündigte Telia-Chef Jan-Aake Kark aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt an. Ein neuer Chef ist noch nicht gefunden, im Moment leitet Karks ehemalige Stellvertreterin Marianne Nivert die Geschäfte.

Wie rasch sich Telia von dem UMTS-Schock erholen wird ist fraglich. Die Commerzbank bewertet die Strategie der Schweden inzwischen als "nachhaltig beschädigt".



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%