Aktie unter der Lupe
UMTS-Partner könnten Kurs von Telefonica stützen

Die spanische Telefónica hat in den vergangenen Wochen kräftig an Wert verloren - wenn auch weniger als ihre Konkurrenten. Um sich den Einstieg in den deutschen Markt zu erleichtern, denkt der Konzern an Kooperationen. Der Zeitplan steht: Im nächsten Jahr sollen die ersten UMTS-Dienste angeboten werden.

MADRID. Kein Interview seit Amtsantritt im Juli 2000, wenig öffentliche Auftritte: César Alierta, Präsident des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica S.A., plant die Zukunft des Unternehmens im Stillen. Vergangene Woche jedoch setzte er zur Offensive an und reiste zur Kurspflege nach Brasilien. Vor Analysten präsentierte er gemeinsam mit Luis Lada, Präsident von Telefónica Móviles, Details zur Unternehmensstrategie. Beiden Werten, vor allem aber der Mobilfunksparte, bekam der Ausflug gut: Telefónica erhöhte sich an der Börse in Madrid zum Wochenschluss um 1,76 % auf 19,08. Telefónica Móviles legte 2,35 % auf 8,70 zu, hat damit aber immer noch über 20 % seit Anfang Januar verloren.



Spaniens größter Telekomkonzern und seine Tochtergesellschaft leiden wie die Konkurrenz darunter, dass auf die UMTS-Euphorie im vergangenen Jahr die Ernüchterung gefolgt ist. Statt blühender Phantasien sind nun Daten und Fakten gefragt - vor allem die Auskunft darüber, wie und wann mit der dritten Mobilfunkgeneration Geld zu verdienen ist. Alierta und Lada kündigten in Rio de Janeiro Kooperationen mit anderen UMTS-Lizenznehmern beim Netzaufbau an. Das betrifft die Länder Deutschland, Italien, Österreich und die Schweiz - Länder, in denen Telefónica eine UMTS-Lizenz erworben hat, aber keinerlei Infrastruktur oder Kunden besitzt. Auch an Roaming-Abkommen wird Telefónica zufolge gedacht. Zudem soll Telefónica Móviles mit deutschen Telekomkonzernen verhandeln, um den Datendienst GPRS bis Ende 2001 in Deutschland anbieten zu können. GPRS gilt als Vorstufe zum neuen Multimedia tauglichen UMTS-Standard. UMTS-Dienste will Telefónica in den oben genannten Ländern 2002 anbieten, in Spanien bereits in diesem Jahr.



Auch die Angaben zum Gewinn konkretisierte Alierta. Telefónica Móviles erwartet in den kommenden vier Jahren einen jährlichen Anstieg des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 13 und 17 %. Das UMTS-Geschäft soll ab 2006 rentabel sein. Eine Fusion unter Gleichen schloss Alierta definitiv aus, was allerdings keine Überraschung war: Ein Zusammenschluss zweier UMTS-Lizenzinhaber wäre doppelt investiertes und damit herausgeschmissenes Geld.



Analysten zweifeln an den spanischen Plänen

Alle Maßnahmen, die Kosten drücken, sind dagegen gut für den Aktienkurs: Sollten sich die Pläne einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit konkretisieren, ist daher von weiteren Kurssteigerungen auszugehen. Analysten bewerten eine Zusammenarbeit von UMTS-Betreibern generell als positiv. Für Telefónica könnten Kooperationen auf verteilten Märkten wie in Deutschland, wo darüber hinaus bereits 59 % der Menschen mobil telefonieren, entscheidend sein.



Analysten zweifeln bislang aber an den spanischen Plänen: Sowohl Theo Kitz von Merck Finck & Co. in München als auch Hans Huff von der Bankgesellschaft Berlin prophezeien den Spaniern angesichts einer fehlenden Kundenbasis einen schwierigen Einstieg in den deutschen Markt. Spanische Analysten werten das nicht unbedingt als Nachteil: Alle Anbieter stünden vor dem selben Problem, nämlich Kunden von UMTS zu überzeugen.



Im Allgemeinen genießen die Spanier einen guten Ruf bei den Analysten. Theo Kitz etwa hält es für "ziemlich gut, was die Spanier machen". Telefónicas Problem, von früheren Kurshöchstständen weit entfernt zu sein, trifft die gesamte Branche. Die Spanier hätten sogar weniger verloren. Telefónica gilt zudem als eines der gesündesten der Branche. Mit 26,9 Mrd. , etwa 30 % vom Börsenwert, ist die Verschuldung niedriger als die der Konkurrenz. Die Deutsche Telekom hat 60 Mrd. Schulden, bei nahezu gleichem Börsenwert. Ein Plus für Telefónica ist zudem die Marktführerschaft in vielen Ländern Lateinamerikas. Keiner der europäischen Wettbewerber kann den Spaniern diese Position streitig machen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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