Aktie unter der Lupe
Ungarischer Magenbitter sorgt für Dividende

Die Aktien des ungarischen Likörherstellers Zwack Unicum Rt sind nichts für schnelle Schnäppchenjäger. Umso mehr kommen vorsichtige Anleger mit Sinn für kontinuierlich fließende Erträge auf ihre Kosten.

BUDAPEST. Seit Jahren zahlt Zwack mit durchschnittlich 75% vom Jahresgewinn die höchste Dividende aller in Budapest notierten Gesellschaften. Ein "sicherer Hafen" also in den unsicheren Zeiten an den Aktienmärkten.

Dabei steht der Name Zwack nicht nur für ein gutes Geschäft. Auch aus der ungarischen Geschichte, Kultur und Unternehmertradition ist er nicht wegzudenken. Schon bald nach der Gründung im Jahre 1840 brachte Zwack über 200 Liköre und Brandies auf den Markt. 1948 zwangen die Kommunisten die Familienbesitzer in die Emigration und verstaatlichten das Unternehmen, das fortan ohne Originalrezepte vor sich hin produzierte. Im Sommer 1989 gelang es dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Peter Zwack, das Unternehmen vom Staat zurückzukaufen und bald wieder Produkte der traditionellen Qualität auf den Markt zu bringen.

Peter Zwack sitzt auch für die ungarischen Liberalen (SZDSZ) im Parlament. Sein Spitzenprodukt ist der Magenbitter "Unicum", der mit Sicherheit in allen Getränkeregalen ungarischer Geschäfte und Supermärkte zu finden ist. Viele lieben ihn auch als Aperitiv. Der Name geht zurück auf den österreichischen Kaisers Joseph II, der ausrief "Das ist ein Unikum", nachdem ihm sein Leibarzt den Magenbitter zum probieren empfohlen hatte. Heute exportiert Zwack seine verschiedenen Produkte mit wachsendem Erfolg in über 30 Staaten rund um die Welt, insbesondere auch nach Deutschland.

Partner fördern den Export

Eine große Stütze für den Export sind die ausländischen Geschäftspartner. Zusammen mit Emil Underberg hält Peter Zwack 50 % des Firmenkapitals plus eine Aktie, weitere 26 % liegen beim internationalen Getränkehersteller Selviac BW, früher Guiness UDW. Andere in- und ausländische institutionelle Investoren verfügen über 9,96 % bzw. 6,41 % der Aktien. 7,51 % befinden sich in Streubesitz, 0,12 % halten die Zwack-Beschäftigten.

Laut Bericht an die Budapester Börse hat die Zwack Unicum Rt im ersten Halbjahr 2002 einen Bruttoumsatz von 11,27 Mrd. Forint erzielt, 7,4 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Exporterlöse stiegen auf 418 Mill. Forint (plus 6,1% gegenüber dem 1. Halbjahr 2001) Der Gewinn vor Steuern wuchs um 11% auf 1,031 Mrd. Forint.

Der Budapester Analyst Tamas Varkonyi von der ING meinte, die Zwack-Aktie biete sehr große Sicherheit, da das Unternehmen sowohl mit seinen Premiumprodukten wie Unicum, Vilmos und Hubertus als auch mit preiswerteren Getränken wie Backrum über einen sicheren hohen Umsatz verfüge. Und "guter Alkohol wird immer konsumiert", sagt Varkonyi. Zwack benötige zwar kurzfristige Kredite insbesondere wegen der fortgesetzten Versuche der Hypermärkte, die Ankaufpreise zu drücken, habe aber keine langfristigen Schulden.

Varkonyi, dem die sehr hohe Dividende gefällt, hält ein Kurspotenzial von etwa 1000 Forint bis zum Jahresende für möglich. Ungarische Zeitungen wie "Vilaggazdasag" und "Magyar Hirlap" zitierten ausländische Analysten unter anderem aus London, die zunehmend ungarische Titel zum Kauf anbieten. Auch Sylwia Szczepek vom DWS Europe Convergence Equities Fonds geht davon aus, dass osteuropäische Aktien noch populärer werden. Der Beitritt von Ländern wie Ungarn zu Eurozone werde zu Zinssenkungen führen, was die Anlagebereitschaft fördere.

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