Aktie unter der Lupe
Unión Fenosa gilt als risikoreiche Aktie

Wer glaubt, Energieaktien könnten eine sichere Anlage sein, sollte nach Spanien blicken: Die Kurse vieler Versorger sind stärker gefallen als der Leitindex Ibex 35. Auch Unión Fenosa hat gelitten. Dem drittgrößten spanischen Energieversorger helfen selbst Gerüchte wenig, deutsche Konzerne seien an Fenosa-Anteilen interessiert.

MADRID. Wann immer Gerüchte über Veränderungen in der Aktionärsstruktur spanischer Energieunternehmen aufkommen, sind Namen deutscher Konzerne mit von der Partie. Der Grund: Das Interesse deutscher Unternehmen am spanischen Energiemarkt ist bekannt, die beiden Versorger Eon (Düsseldorf) und RWE (Essen) selbst haben wiederholt ihren Wunsch nach Beteiligungen geäußert. RWE hat sogar schon einen fehl geschlagenen Übernahmeversuch hinter sich - letztlich schaffte Energie Baden-Württemberg (EnBW) den Einstieg beim viertgrößten spanischen Versorger Hidrocantábrico S.A.

Jetzt geht es um das drittgrößte spanische Energieunternehmen, Unión Fenosa S.A. Größter Einzelaktionär ist mit 20,4 % Spaniens größte Bank Santander Central Hispano (SCH), die sich aber gerade auf Grund der wirtschaftlichen Probleme in Lateinamerika in großem Stil von Industriebeteiligungen trennt. Analysten gehen davon aus, dass das auch für Unión Fenosa gelten könnte. Interesse an den Aktien schreiben spanische Medien unter anderem RWE zu. Gerüchte, die sich aber bislang nicht bestätigen lassen. Zudem sorgen die rigiden Möglichkeiten für Stimmrechtsbeschränkungen auf dem spanischen Energiemarkt für Abschreckung - eine Einflussnahme, mit der Brüssel bald ein Ende machen will.

Der Entwicklung der Aktie haben die Gerüchte bislang kaum geholfen, allenfalls haben sie den Abwärtstrend leicht aufhalten können. Wer glaubt, Energieaktien könnten eine sichere Anlage sein, sollte nach Spanien blicken: Deren Kurs ist seit Januar um 39 % gefallen, mehr als der Leitindex Ibex 35. Branchenführer Endesa steht mit einem Minus von 42 % noch schlechter da, Iberdrola, die Nummer zwei in Spanien, liegt bei minus 14,5 %. An den 9. Oktober 2002 wird sich Unión Fenosa wohl lange erinnern: An diesem Tag sackte der Kurs 10,3 % ab und die Unternehmensführung sah sich zu der ungewöhnlichen Mitteilung an die spanische Börsenaufsicht veranlasst, es gebe "keine objektiven Gründe, die den Kursverfall rechtfertigen".

Zuvor waren bei einem US-Analysten Zweifel an der finanziellen Situation und an der Bilanzierung aufgekommen. Außergewöhnliche Einnahmen in 1999 sollen falsch verbucht worden sein, was spanischen Analysten zufolge längst bekannt gewesen sei. Aktuelle Probleme in Bezug auf die Rechnungslegung verneint David Cabeza vom Brokerhaus Renta 4. Mittlerweile sagen die Marktgerüchte, dass der herbe Kursverfall auf einen Spekulanten zurückzuführen sei. Die Börsenaufsicht untersucht den Fall.

Sorgen könnte noch die hohe Verschuldung bereiten. Vorstandschef Honorato López Isla will am 30. Oktober einen Plan vorlegen, wie das in Strom, Gas und Telekommunikation aktive Unternehmen bis 2007 die Verschuldung um 2,6 Mrd. Euro auf unter 6 Mrd. Euro drücken will. Durch den Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen, strikter Kostensenkung und einem Partner im Gasgeschäft soll das gelingen. Vom Telekom-Geschäft will sich Unión Fenosa nicht trennen. Zum Jahresende werden die Schulden nach Aussage von López Isla bei 8,2 Mrd. Euro liegen - an der Börse ist der Konzern nur halb soviel wert. Verglichen mit Endesa und Iberdrola hält Cabeza die Aktie von Unión Fenosa für risikoreicher. "Einen Wert sehen wir aber in allen drei Unternehmen", sagt er.

Die Aussichten für die Stromversorger auf der Iberischen Halbinsel sind im europäischen Vergleich nicht schlecht: Schätzungen zufolge legt der Energieverbrauch bis 2011 um jährlich 3,7 % zu. Zum Vergleich: Der Verband der Elektrizitätswirtschaft rechnet in Deutschland bis 2010 mit einer Steigerung von jährlich durchschnittlich knapp 1 %. Den Nettogewinn will López Isla jährlich um 15 bis 20 % steigern; das erste Halbjahr 2002 lag mit einem Plus von 20,6 % im Plan. Die wirtschaftlichen Unruhen in Argentinien und Brasilien sind für Unión Fenosa kein Problem, sofern diese nicht auf andere Länder in der Region übergreifen. Die Spanier sind vor allem in Kolumbien, Mexiko, Guatemala und Venezuela engagiert.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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