Aktie unter der Lupe
United Internet setzt seinen Umbau fort

Mit dem angekündigten Teilverkauf ihrer verlustreichen Mehrheitsbeteiligung Adlink an das US-Unternehmen Doubleclick schlägt die United Internet AG zwei Fliegen mit einer Klappe.

FRANKFURT/M. Zum einen verringert das im Nemax 50 vertretene Unternehmen aus Montabaur seine nicht unbeträchtliche Verschuldung. Nach Steuern dürfte sich der im kommenden Geschäftsjahr zu verbuchende Veräußerungsgewinn auf gut 25 Mill. Euro belaufen. Zur Zeit ist das Unternehmen nach eigenen Angaben mit gut 85 Mill. Euro verschuldet.

Um die Liquiditätssituation zu verbessern, hat das Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar 2001 zudem Gewinnabführungsverträge mit den profitablen Tochtergesellschaften 1&1 AG, GMX AG sowie Twenty4help geschlossen. Vorstand Ralph Dommermuth rechnet deshalb mit zusätzlichen Erträgen von gut 23 Mill. Euro. Ein weiterer positiver Effekt aus dem Adlink-Geschäft ist, dass United Internet die in den kommenden Quartalen noch zu befürchtenden Verluste des Online-Werbevermarkters nicht mehr in der eigenen Bilanz ausweisen muss.

Im gestrigen Rummel um ihre Tochtergesellschaft Adlink drohten die Neun-Monats-Zahlen der Holdinggesellschaft unterzugehen. Nach Unternehmensangaben belief sich der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im dritten Quartal auf 4,7 Mill. Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die einst an 17 zumeist hoch defizitären Internetfirmen beteiligte Gesellschaft noch einen Verlust von 1,1 Mill. Euro verbucht. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge von gut 47 auf 51 Mill. Euro. Analysten hatten mit einem etwas höheren Umsatz, aber auch einem deutlich geringerem Gewinn gerechnet.

Eine schwere Belastung für das Ergebnis stellen die Sonderabschreibungen auf die defizitären Minderheitsbeteiligungen dar, die mit Ausnahme der ebenfalls börsennotierten Jobpilot AG auf Null abgewertet wurden. Das Unternehmen bezifferte diese Sonderbelastung auf 21,2 Mill. Euro. Dommermuth zufolge soll dieser Schlusstrich den konsequenten Umbau des Konzerns unterstreichen, der sich inzwischen auch offiziell von dem in der Euphorie des Jahres 2000 propagierten Netzwerk-Gedanken verabschiedet hat. Der Verlust vor Steuern (Ebt) habe sich dadurch von knapp 11 Mill. Euro im Vorjahresquartal auf 25,8 Mill. Euro erhöht.

Analyst: Umsatzentwicklung nicht befriedigend

Auch wenn die Nachrichten gestern am Aktienmarkt gut ankamen, bleiben die Analysten zurückhaltend. Rainer Raschdorf, der das Unternehmen für die DZ Bank analysiert, ist vor allem mit der Umsatzentwicklung nicht zufrieden. Insbesondere das Callcenter-Geschäft der Twenty4help AG habe unter der einsetzenden Rezession gelitten. Das Unternehmen verzeichnete im 3. Quartal lediglich einen Umsatzanstieg von einer Mill. Euro auf 17 Mill. Euro. Trotz des insbesondere für Adlink positiv zu wertenden Doubleclick-Geschäfts bleibt Raschdorf deshalb für United Internet bei seinem bisherigen Anlageurteil "Reduzieren".

Auch SES Research-Analyst Klaus Linde, der die Netzwerk-Idee des Unternehmens seit langem kritisiert, will seine Investmentempfehlung für die Aktie nicht verändern. Der Teilverkauf löse nur einen Teil des Verschuldungsproblems der Gesellschaft. Wegen der profitablen Töchter 1&1 und Twenty4help sieht er die Aktie immerhin als "Marketperformer".

Im laufenden Jahr hat sich United Internet von den drei Minderheitsbeteiligungen Netzpiloten, Livingnet und Cobion durch Verkauf getrennt. Der Autobörse Car4you, dem Finanzportal Gatrixx, dem Online-Versicherer Inson und dem Immobilienportal Immonline wurde der Geldhahn zugedreht, was Firmenpleiten zufolge hatte.

Um die Synergien zwischen den drei zum Kerngeschäft gezählten Gesellschaften zu verbessern, plant das Unternehmen jetzt die von den Führungsriegen gehaltenen Anteile an 1&1, GMX und Twenty4help einzuziehen. Hierfür sollen 5,2 Mill. neue Papiere der Muttergesellschaft an die Mitglieder des Managements ausgegeben werden. "Auf diese Weise wird es auch für die Einzelgesellschaften künftig wichtiger, wie das Ergebnis unter dem Strich ausfällt", sagte Dommermuth.

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