Aktie unter der Lupe
United Labels steht unter verschärfter Beobachtung

Der Absturz war bitter und in diesen Form sogar von Pessimisten nicht erwartet: Um fast 50 % fiel die Aktie der Münsteraner United Labels AG am Donnerstag gleich zu Handelsbeginn. Bei 3,45 Euro markierte sie ihren bisherigen Tiefstand.

scc FRANKFURT/M. Der Anbieter von Merchandising-Artikeln, dessen Papiere kürzlich noch von den Analysten mit den Prädikaten "Kaufen", "Übergewichten" oder "Outperformer" versehen waren, stand urplötzlich auf der Abschussliste.

Der Grund: Das Unternehmen, das eine breite Produktpalette von der Simpsons-Tasse bis zur Micky-Maus-Socke anbietet, ist im dritten Quartal massiv in die roten Zahlen gerutscht, und auch der Umsatz entwickelte sich nicht wie gedacht. Einem Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 7,5 Mill. Euro stand ein Umsatz von lediglich 7 Mill. Euro gegenüber. Zudem kündigte Finanzvorstand Albrecht Hanusch für das Gesamtjahr einen Verlust von 9,2 Mill. Euro an bei einem Umsatz von 32 Mill. Euro.

Gründe hierfür sind die abwartende Nachfrage seit den Vorkommnissen des 11. September, eine preisaggressive Neukundengewinnung sowie hohe Kosten für Material, Entwicklung und Marketing. Hinzu kam ein Einmaleffekt: Die Lagerbestände des insolventen Wettbewerbers Sunburst mit einem geschätzten Warenwert von 5 Mill. Euro kamen zu Dumpingpreisen auf den Markt, was United Labels bei Großkunden das Geschäft versauerte.

Besserung gelobt das Unternehmen und leitete bereits vor Wochen einen drastischen Sparkurs ein. Als "einmaligen Ausrutscher in den letzten neun Jahren Firmengeschichte" bezeichnet United Labels-Chef Peter Boder die Verluste. Bisher wurden stets Gewinne geschrieben. Das soll auch im kommenden Jahr wieder so sein. Dann strebt das Unternehmen einen Gewinn von knapp 1,6 Mill. Euro bei einem Umsatz über 40 Mill. Euro an. "2001 ist das Jahr der Einmaleffekte", so Boder gestern bei der Präsentation der Zahlen in Frankfurt. Die Wende sei bereits eingeleitet.

Die Vertriebsmannschaft wurde erweitert, mit europaweit vertretenen Mitarbeitern versucht man künftig direkt beim Kunden vor Ort zu sein. Zudem habe man durch eine aggressive Preispolitik in diesem Jahr Großkunden wie Aldi und Lidl gewonnen, worauf sich im kommenden Jahr aufbauen lasse. Große Hoffnungen setzt man bei United Labels auch auf den Vertrieb an den stark frequentierten Tankstellen. In etwa 1 800 freien Tankstellen und 170 Tankstellen der Westfalen-Gruppe sollen ab dem kommenden Jahr United Labels-Artikel verkauft werden. Mit allen anderen großen Mineralöl-Konzernen ist man laut Vorstandschef Boder im Gespräch.

Ihre bisher eher optimistischen Einschätzungen halten die meisten Analysten natürlich seit gestern nicht mehr aufrecht. Die unabhängigen Experten von Independent Research, bisher bei einem freundlichen "übergewichten", stufte die Papiere auf "untergewichten". Für Weihnachtsgeschäft erwarten sie in diesem Jahr wegen einer allgemein spürbaren Zurückhaltung bei den Kunden kaum Impulse. Normalerweise mache United Labels 40 % seines Gesamtumsatzes in dieser Zeit. Auch könne der Tritt auf die Kostenbremse das angekündigte Wachstum behindern. Das Wohlwollen der Analysten will nun also neu erarbeitet werden. Im kommenden Jahr besteht die Chance dazu.

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