Aktie unter der Lupe
Unklare Bewertung von Mobilcom

Viele Analysten stochern derzeit im Nebel, wenn sie die Aktie des Büdelsdorfer Telekommunikationsanbieters Mobilcom sinnvoll bewerten wollen. "Solange das Geschäft mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS nicht angelaufen ist, weiß keiner genau, wo Mobilcom hinsteuert", sagt Nils Machemehl, Analyst bei der Hamburger Vereins und Westbank. -

HAMBURG. Mobilcom will voraussichtlich Mitte 2002 mit UMTS starten. Erst dann wird zeigen, ob das von den Büdelsdorfer eingeschlagene Geschäftsmodell tragfähig ist. Wenn nicht, dürfte der Mobilfunkanbieter wegen ausbleibender Umsätze die hohen Zinskosten und Abschreibungen für die Netz- und Lizenzinvestitionen nicht bedienen und damit ins Aus schlingern.

Solange diese Unsicherheit bleibt, wird Mobilcom von den meisten Analysten als Start-up-Unternehmen bewertet und deren Aktien auf "Halten" eingestuft. Dies drückt sich weitgehend in der Kursentwicklung aus. So hat sich die Notierung seit Anfang des Jahres mehr als halbiert. Erst in den vergangenen Tagen konnte der Wert leicht von 13 auf 15 Euro zulegen.

Ob der Mobilcom-Vorstandsvorsitzende Gerhard Schmid mit der Präsentation des Halbjahres-Ergebnisses am Donnerstag der Notierung weiter Auftrieb verleihen kann, wird in Börsenkreisen bezweifelt. Denn Kleinaktionäre sowie institutionelle Anleger können das vorgelegte Zahlenwerk kaum richtig bewerten.

Meinungen der Experten gehen auseinander

Dies belegen die abweichenden Ertragseinschätzungen von 14 Analysten für das 1. Halbjahr 2001, die sie im Vorfeld der morgigen Pressekonferenz anonymisiert an die Gesellschaft geschickt haben. Danach schwanken die Analysten-Prognosen beim Ergebnis je Aktie zwischen minus 0,50 Euro bis minus 10,90 Euro. Entsprechend differiert auch der Jahresfehlbetrag vor Anteilen Dritter. Er bewegt sich zwischen 30 bis 330 Mill. Euro. Das Minus im Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) wird hingegen zwischen 30 und 180 Mill. Euro beziffert. Nur beim Umsatz liegen die Analysten fast auf einer Linie: Hier rechnen die Experten für die ersten sechs Monate des Jahres 2001 mit 1,46 bis 1,54 Mrd. Euro.

Dass die Meinungen der Aktienexperten abweichen, liegt vor allem an bilanziellen Bewertungsansätzen. Danach berücksichtigen einige Analysten bei ihren Berechnungen bereits die Abschreibungen und die Zinskosten aus dem UMTS-Geschäft, andere hingegen nicht. Doch Zinsen und Abschreibungen belasten deutlich das Konzernergebnis.

IAS-Wahlrechte werden genutzt

Mobilcom macht bislang von seinem Bilanzierungswahlrecht nach IAS Gebrauch: Danach will der Telekommunikationsanbieter die Kosten für das UMTS-Geschäft erst aktivieren, wenn hieraus die ersten Umsätze erzielt werden. Damit bleibt das Ergebnis für die Anleger optisch ansprechend: So errechnet die Düsseldorfer West-LB für das 1. Halbjahr 2001 ein Ergebnis je Aktie von minus 1,12 Euro, wobei sie die UMTS-Kosten bilanziell außer Acht lässt. Werden dagegen Zinsaufwand sowie Abschreibungskosten berücksichtigt, ermittelt das Institut ein Ergebnis je Aktie von minus 5,05 Euro.

Noch mehr Verunsicherung für eine Ertragsprognose droht dem Anleger, falls Mobilcom weitere IAS-Wahlrechte ausnutzen sollte. Dafür gibt es in Börsenkreisen bereits Anzeichen. Danach will die Gesellschaft offenbar die aus dem UMTS-Geschäft anfallenden Verlustvorträge aktivieren. Damit würde der Fehlbetrag im 1. Halbjahr 2002 optisch niedriger ausfallen als einige Analysten erwarten.

Der Grund: Die Mobilcom verbucht die Verlustvorträge quasi als Forderungen gegenüber dem Finanzamt, wodurch sich das Ergebnis verbessert. Angesichts der vielfachen Bilanzierungsmöglichkeiten hat West-LB-Analyst Peter Wirtz die aktuellen Ertragszahlen kaum im Visier. Er schielt vielmehr auf die Entwicklung des Mobilfunkbereichs. "Von der Investorenseite wird derzeit verlangt, dass sich vor allem die Ergebnisse im Mobilfunkbereich weiter verbessern", meint Wirtz. Er hofft, dass sich in dieser Sparte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im 2. Quartal auf plus 30 Mill. Euro erhöht. Im 1. Quartal erwirtschaftete Mobilcom hingegen 4 Mill. Euro. Sollten die Büdelsdorfer im 2. Quartal keine deutliche Ertragsverbesserung erzielen, werde die West-LB ihre bisherige Einstufung von Mobilcom als "outperformer" korrigieren.

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