Aktie unter der Lupe
Unsicherheit lastet auf der Bayer-Aktie

Den meisten Bayer-Aktionären steckt der Lipobay-Schock vermutlich noch in den Gliedern. Rund ein Fünftel seines Wertes hat der Leverkusener Konzern an der Börse eingebüßt, nachdem er am vergangenen Mittwoch überraschend sein wachstumsstärkstes Medikament vom Markt nehmen musste.

FRANKFURT/M. Das Schlimmste haben die Anteilseigner inzwischen wohl überstanden. Große Hoffnungen auf eine rasche Erholung sollten sie sich nach Ansicht der meisten Experten aber nicht machen. Man werde sich wohl erst einmal an das neue Kursniveau gewöhnen müssen, so der Tenor aus dem Analystenlager. Gestern notierte die Bayer-Aktie bis zum späten Nachmittag bei 36,20 (+0,3 %).

Auf dem Papier lastet derzeit nicht nur der unmittelbare Umsatz- und Ertragsausfall durch den Rückzug von Lipobay, sondern auch die schwache Chemiekonjunktur. Zusätzliche Unsicherheit resultiert aus der offenen Frage, in welchem Umfang dem Konzern nun Klagen von geschädigten Patienten drohen. "Diese Klagen werden die Aktie vorerst noch überschatten", warnt Andreas Theisen von WestLB Panmure. Auch der nach wie vor geplante Kauf der Aventis-Agrosparte könnte nach Ansicht mancher Experten noch negative Wirkung entfalten.

Überwiegend halten professionele Beobachter den Kursverfall für berechtigt. "Trotz des starken Kursrückgangs sehen wir keinerlei Kurspotenzial, solange es keine positiven Nachrichten aus den Märkten, in denen Bayer operiert, oder im Hinblick auf eine Veränderung der Konzernstruktur gibt", heißt es etwa bei der Bank Julius Bär.

Andererseits scheint der Kurs nach unten inzwischen halbwegs abgesichert. Zwar wird der Konzern derzeit noch in etwa mit dem Zwanzigfachen der revidierten Gewinnschätzungen für 2001 gehandelt. Gemessen an der Größe seiner vier Geschäftsfelder wirkt das aber kaum überteuert. Immerhin hatten viele Analysten den Gesamtwert der Bayer-Sparten vor dem Lipobay-Debakel noch bei mehr als 50 Euro je Aktie angesiedelt.

Nach dem Wegfall des Lipobay-Geschäfts wird die Gesundheitssparte des Konzerns zwar kaum noch Wachstum verzeichnen, sie dürfte aber noch 9,5 bis 10 Mrd. Umsatz verbuchen. Wenn man berücksichtigt, dass andere ertragsschwache Pharmasparten - so etwa die Aktivitäten von Dupont und BASF - für deutlich mehr als das Doppelte ihres Umsatzes den Besitzer wechselten, erscheint ein Wert von 18 bis 20 Mrd. , wie ihn manche Analysten für die Bayer-Gesundheitssparte unterstellen, nicht überzogen. Bei einem aktuellen Börsenwert von rund 26 Mrd. verblieben so gesehen nur noch sechs Milliarden für die übrigen Arbeitsgebiete. Dabei handelt es sich immerhin um 15 Mrd. Kunststoff- und Chemieumsatz sowie um das 3,5 Mrd. starke Agrogeschäft inklusive der hochprofitablen Sparte Tiergesundheit. Nach einem Rückzug aus dem Gesundheitsbereich könnte sich die Bayer-Aktie also leicht als billiger Chemietitel entpuppen. Nur mag an derart radikale Schritte noch niemand so recht glauben.

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