Aktie unter der Lupe
Unsicherheit lastet auf der FMC-Aktie

Der jüngste Kursverlust geht nach Analystenansicht weit über die tatsächlich drohenden Belastungen hinaus. Gleichwohl gilt das "Sentiment" für die FMC-Aktie als angekratzt.

FRANKFURT/M. Unsicherheit und Rechtsstreitigkeiten sind Gift für die Kursentwicklung. Diese Erfahrung mussten in den vergangenen Wochen und Monaten auch die Aktionäre der Fresenius Medical Care AG (FMC) machen. Die Aktie des Dialyse-Spezialisten, die lange Zeit als sicherer Wachstumswert galt, neigt bereits seit gut eineinhalb Jahren zu Schwächeanfällen. Und vor wenigen Tagen enttäuschte FMC mit einer leicht nach unten revidierten Gewinnprognose sowie einem Quartalsergebnis, das die Erwartungen des Marktes verfehlte. Ursache waren Abschreibungen auf Forderungen und erhöhte Kosten für Rechtsstreitigkeiten mit amerikanischen Versicherungen.

Die Analysten der Banken scheinen sich im Urteil über die jüngsten Kursreaktionen weitgehend einig zu sein: Gemessen an den tatsächlich drohenden Belastungen war der Kursrückgang von 10 % wohl deutlich übertrieben. Und die fundamentale Entwicklung von FMC gilt als intakt. Die Zahl der Dialyse-Patienten wird nach Schätzung von Experten weiterhin um jährlich etwa 6 % wachsen. In diesem Umfeld werden für FMC als den führenden Betreiber von entsprechenden Kliniken in aller Regel zweistellige Wachstumsraten unterstellt.

Dennoch hat das "Sentiment" gegenüber der FMC-Aktie gelitten, wie Oliver Kaemmerer von der Bank Julius Bär einräumt. Die allgemeine Unsicherheit im Hinblick auf die anhängigen Klagen, ist er sich mit vielen Kollegen einig, wird den Wert vorerst wohl in einem wechselhaften Fahrwasser halten. "Das Unternehmen ist langfristig weiterhin gut positioniert. Aber es wird schwer werden, neue Höchstkurse zu erreichen, bevor Klarheit in die Auseinandersetzungen kommt", so Holger Blum von der Deutschen Bank, die FMC als Marketperformer mit einem Kursziel von 80 Euro bewertet.

Die Probleme, die bei FMC derzeit die Stimmung verderben, sind im Prinzip seit längerem bekannt. Sie resultieren zum einen indirekt aus dem Konkurs des US-Konzerns Grace, der vor wenigen Monaten unter Schadensersatzansprüchen wegen Asbestbelastungen zusammengebrochen ist. Gläubiger von Grace werfen FMC nun vor, im Jahr 1996 zu wenig für die Übernahme der damaligen Grace-Tochter National Medical Care (NMC) gezahlt zu haben. FMC hält die Ansprüche für völlig unbegründet, kalkuliert dessen ungeachtet aber Verfahrenskosten von mehreren Millionen Dollar pro Quartal ein.

Zum anderen geht es um Vorgänge bei NMC in den Jahren vor 1996. Schon damals führte NMC einen Streit mit der US-Regierung um die Abrechnung umstrittener Serviceleistungen, der schließlich vor zwei Jahren gegen Zahlung von brutto rund 600 Mill. $ beigelegt wurde. Auf dem Rücken dieses Vergleichs machen seither auch mehrere private Versicherungen Forderungen gegen FMC geltend und halten Zahlungen für laufende Leistungen zurück. Dies wiederum zwang FMC zu Wertberichtigungen, die das jüngste Quartalsergebnis mit 10 Mill. $ belasteten. Selbst wenn diese Ansprüche nicht völlig abgewendet werden können, dürften sie bei weitem nicht den Umfang wie im Streit mit der Regierung, dem so genannten OIG-Verfahren, erreichen. Die Analysten von Credit Suisse First Boston zum Beispiel verweisen darauf, dass NMC seinerzeit lediglich 20% seiner Leistungen für privat Versicherte erbracht hat. Selbst im ungünstigsten Fall dürfte ein zweiter Vergleich maximal 150 Mill. $ erfordern. Das wiederum wäre bei weitem weniger als der Wertverlust von etwa 1 Mrd. $, den der Konzern durch den Kursrückgang Anfang November erlitt.

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