Aktie unter der Lupe
VA Tech hat noch einige Probleme zu lösen

Wie ein Wanderprediger zog in den Wochen vor Weihnachten Erich Becker, Vorstandsvorsitzender der Linzer VA Technologie (VA Tech) AG durch die Lande. Seine knappe Botschaft: "Ja, wir haben Probleme in der Metallurgie. Aber die anderen 75 % des Geschäftsvolumens sind positiv. Der Energiebereich läuft sogar hervorragend."

WIEN. Becker sieht die in den Bereichen Metallurgietechnik, Energie und Infrastruktur tätige VA Tech nicht als Sanierungsfall. Der Metallurgie seien zwar weltweit die Märkte weggebrochen. In der Reaktion darauf werde die für Metallurgie zuständige Voestalpine Industrieanlagenbau (VAI) neu ausgerichtet. Statt auf Großanlagen in Eisen und Stahl konzentriert sie sich ab sofort auf Automatisierung und Service für Stahl- und Aluminiumindustrie. Außerdem müssen rund 700 der 4 200 VAI-Mitarbeiter bis Mitte des Jahres 2002 gehen.

In den ersten neun Monaten 2001 musste der metallurgische Anlagenbau bei einem Umsatz von 842 Mill. Euro schließlich einen operativen Verlust von 17,5 Mill. Euro hinnehmen. Bis Mitte des laufenden Jahres will die VA Tech das Ärgste aber überstanden haben. Eine Einschätzung, die Ralf Burchert von der Wiener Erste Bank teilt: "Im Unterschied zu ABB dürfte VA Tech die negativen Nachrichten hinter sich haben. Das zweite Quartal wird zeigen, ob die Restrukturierung wirklich so schnell geht."

Eine raschere Lösung, etwa ein Verkauf des Verlustbringers VAI, ist laut Becker nicht möglich. Die EU-Wettbewerbsbehörde würde einer Übernahme der Voestalpine Industrieanlagenbau mit einem Weltmarktanteil von 16 % durch einen der beiden europäischen Konkurrenten SMS-Demag und Danieli nicht zustimmen. Die italienische Danieli-Gruppe hatte dennoch ihr Interesse bekundet, zu Gesprächen ist es bislang nicht gekommen.

Erneuerbare Energien sollen Wachstumsmotor werden

Becker will das Problem VAI selber lösen: "Da müssen wir durch." Den nötigen Spielraum sollen die "sehr gut laufenden" Bereiche Energie und Infrastruktur bieten. So steuerte die hydraulische Energieerzeugung in den ersten neun Monaten 17 Mill. Euro zum Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 64 Mill. Euro bei, aus Energieübertragung und-verteilung kamen 25 Mill. Euro, von den Industrial Services 23 Mill. Euro.

Wachstumsmotor für den Konzern soll der Bereich erneuerbare Energien werden. Die Tochter VA Tech Hydro - Weltmarktanteil 18 % - sieht große Chancen in der Wasserkraft. Weltweit sind derzeit Anlagen mit 650 000 Megawatt installiert, weitere mit 135 000 Megawatt befinden sich im Bau. Dem gegenüber steht ein nicht entwickeltes Potenzial von 1,5 Mill. Megawatt, davon 30 % in China, wo die VA Tech gerade Verträge für den Bau von zwei Wasserkraftwerken unterschrieben hat.

Ein zweiter Wachstumsbereich ist das Geschäft mit der Hochspannung, zusammengefasst im Joint Venture VA Tech Schneider High Voltage. Daran besitzt VA Tech einen Anteil von 60 %. Dabei sind die Anforderungen regional unterschiedlich. In Westeuropa überwiegen nach der Liberalisierung eher Modernisierungs-, Automatisierungs- und Serviceaufträge, während die USA großen Nachholbedarf bei der Netzinfrastruktur haben.

Trotz der Krise in der Metallurgie, die das Jahresergebnis mit 50 Mill. Euro belasten dürfte, erwartet Becker für 2001 ein leicht höheres Ebit als die 93 Mill. Euro des Vorjahres. Dies ist aber nur möglich, weil die restlichen Anteile an der Schwester Voestalpine sowie einige nicht mehr zum Kernbereich zählenden Töchter verkauft wurden.

Trotz des Kursanstiegs von 30 % seit Mitte November halten Wiens Analysten einen Einstieg bei VA für verfrüht. Reinhard Ebenauer von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) stuft VA Tech als "neutral" ein, da 2002 noch "ein relativ schwieriges Jahr werde". Die Kursgewinne zu Jahresbeginn wären auf den Brancheneffekt Maschinenbau zurückzuführen. Während die Deutsche Bank ihre Bewertung "Market Performer" beibehält, ist Ralf Burchert vom Institut Erste Bank optimistischer. Er sieht zwar momentan kein großes Potenzial nach oben, das Risiko nach unten stuft er aber als gering ein. "Man sollte die Aktie im Auge behalten."

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