Aktie unter der Lupe
Vivendi will künftig intern wachsen

Kaum ein Konzern hat sich in wenigen Jahren so radikal gewandelt wie Vivendi Universal. Vorstandschef Jean-Marie Messier plant aber nach dem jüngsten Zukauf zunächst keine weiteren Übernahmen. Er will künftig auf internes Wachstum setzen und erfüllt damit eine Forderung vieler Analysten.

6.6.2001 PARIS/DÜSSELDORF. Jean-Marie Messier, Chef des französischen Mediengiganten Vivendi Universal S.A. weiß, was Analysten hören wollen. Nein, nach der Übernahme des amerikanischen Schulbuchverlags Houghton Mifflin für 2,2 Mrd. $ habe er keine Pläne für weitere Zukäufe, erklärte er kürzlich in New York. "Wenn Sie von uns in den kommenden Monaten eine Akquisition erwarten würden, wären sie enttäuscht", sagte Messier.

Das beruhigte Investoren und Aktienstrategen, die fürchten, dass sich der französische Traditionskonzern mit seinen zahlreichen Übernahmen finanziell überhebt. Allein sechs Finanzhäuser bekräftigten gestern ihre Kaufempfehlungen für Vivendi-Universal-Aktien, wie die Agentur Bloomberg meldet. Insgesamt sind 31 von 44 Anlageurteilen positiv. Damit liegt die Aktie in der Gunst der Experten im vorderen Mittelfeld. Allerdings beurteilt das Pariser Wertpapierhaus Paresco Futures den Kaufpreis für den US-Verlag als überzogen.

Die Vivendi-Aktie konnte seit Jahresbeginn leicht zulegen. In französischen Börsenkreisen wird die Verwandlung des Wasserversorgers zur Mediengruppe aber immer noch mit galligen Bemerkungen versehen. "Ein Medienkonzern, dem das Wasser bis zum Hals steht", lautet das vom schlechten Wetter getrübte Urteil eines Aktienexperten.

Um die schwerste Bürde des Konzerns - den an die Versorgertochter Vivendi Environnement abgeschobenenen Schuldenberg - ist es jedoch ruhig geworden. Die mittlerweile börsennotierte Ausgliederung enthält die über hundert Jahre alten Kernaktivitäten des Vivendi-Vorläufers Générale des Eaux. Indessen kommt der Konzern offenbar voran bei der Herkulesaufgabe, die Fusion mit der kanadischen Seagram-Universal-Gruppe zu bewältigen. Eine kartellrechtliche Auflage aus dem Zusammenschluss sorgte am Wochenende erneut für Schlagzeilen: Vivendi muss seine Beteiligung am britischen Bezahlfernsehsender BSkyB verkaufen. Der Konzern dementierte Berichte, wonach die Anteile über den Markt abgestoßen werden sollen.

Vizzavi als mobiles Web-Portal

Kaum Aufsehen erregte dagegen die bereits erwartete Vergabe einer UMTS-Mobilfunklizenz an Vivendis Mobilfunkbeteiligung. Analysten kritisieren, im Telekombereich sei Vivendi nur in Frankreich gut aufgestellt. Das behindere die internationale Verbreitung des mobilen Web-Portals Vizzavi, das Vivendi derzeit mit dem Mobilfunkriesen Vodafone aufbaut.

Seine ehrgeizigen Ziele wird der Konzern nur erreichen, wenn er seine Aktivitäten sinnvoll verknüpft. Filme, Musiktitel und Texte sollen künftig über die verschiedensten Kanäle die Kunden erreichen. Vivendis Internetgeschäft, das bisher nur gut ein Zehntelprozent vom Konzernumsatz einbringt, soll dabei zur zentralen Vertriebsschiene werden. Doch einstweilen kommt die Vernetzung nur langsam voran. Darüber kann auch der Zukäufe der Musikvertriebs-Website MP3.com nicht hinweg täuschen. "Ganz allgemein ist der Erfolg des Internet-Vetriebs von Musik noch keineswegs gesichert", meint das Medien-Analystenteam der Société Générale.

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