Aktie unter der Lupe
Volkswagen fehlt die Kursphantasie

Das neue Tarifmodell der Volkswagen AG, bis zu 5 000 neue Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen, beeindruckt die Börsianer bisher wenig. Die Aktie hat seit Montag sogar leicht an Wert verloren. "Wenn VW ein neues Auto etwas günstiger baut als bisher, ist dies nicht so weltbewegend", sagt Analyst Alfred Schoengraf vom Bankhaus Delbrück. Er wertet den Tarifabschluss allenfalls als Imagegewinn für Europas größten Hersteller von Massenautos.

STUTTGART. Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank hat das Tarifmodell, das für den Bau eines Minivans auf der Plattform des Golf abgeschlossen wurde, durchgerechnet. VW selbst hat erklärt, dass sich mit dem Modell die Personalkosten um 20 % reduzieren lassen. Denninghoff geht davon aus, dass der Golf Minivan dadurch 3 % günstiger produziert werden kann. "VW-Chef Ferdinand Piech kommt zumindest bei diesem Modell seinem Ziel, 6,5 % Umsatzrendite zu erzielen, etwas näher", so Denninghoff. Im ersten Halbjahr 2001 lag die Rendite im Konzern bei 5,2 %.

Unter den deutschen Automobilwerten gilt die VW-Aktie derzeit als wenig attraktiv. Pia-Christina Schulze vom Bankhaus Merck Finck & Co räumt dem Papier bestenfalls eine Entwicklung analog zum Deutschen Aktienindex ein. Erik Burgold von der BHF-Bank hat die Aktie auf Halten eingestuft und ein Kursziel von 54 Euro im Blick. Denninghoff wiederum sieht dieses bereits bei 52 Euro erreicht - drei Euro über der aktuellen Notierung.

Anlass für diese Zurückhaltung sind die Risiken, die sich beim Wolfsburger Konzern abzeichnen. Große Sorgen bereitet nicht nur die weltweite Konjunktur, mit der alle Hersteller konfrontiert sind. Insbesondere wird befürchtet, dass die US-Konjunktur im zweiten Halbjahr stärker einbrechen könnte, was Umsatz und Ertrag auch bei VW belasten würden. Denninghoff sieht bei den Wolfsburgern jedoch noch ein weiteres Problem: "Abgesehen vom neuen Polo hat der Konzern eine Schwäche im Modellzyklus." Gleich mehrere Modellerneuerungen verzögerten sich.

Schoengraf befürchtet zudem, dass VW in den nächsten Jahren Marktanteile abgeben muss. Unter der Führung von Piech ist der Konzern seit 1993 nicht nur technologisch erneuert worden, auch der Marktanteil in Westeuropa kletterte von 12 auf 19 %. Doch die Wettbewerbssituation verändert sich derzeit. "Ford ist mit neuen Modellen gekommen, auch Peugeot/Citroen ist stark geworden, und bei Opel weht mit dem neuen Chef Carl Peter Forster ein frischer Wind", sagt Schoengraf. Sie könnten den Wolfsburgern Kunden wegnehmen.

Mittelfristig könnte die VW-Aktie vom anstehenden Chefwechsel profitieren. "Wenn der ehemalige BMW-Chef und heutige VW-Vorstand Bernd Pischetsrieder im April Piech beerben sollte, bringt das neue Ertragschancen für VW", urteilt Pia-Christina Schulze. Pischetsrieder könnte verstärkt BMW - Know-how bei VW einführen. Doch dafür, so ein Analyst, müsste der mögliche Aufsichtsratschef Piech Pischetsrieder freie Hand lassen.

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