Aktie unter der Lupe
Volle Kasse macht Realtech attraktiv

Gut 40 Prozent hat die Aktie des IT-Dienstleisters Realtech seit Anfang April zugelegt. Und noch immer ist der Cash-Bestand der Walldorfer fast doppelt so hoch wie der Börsenwert. Analysten sehen daher weiteres Kurspotenzial.

FRANKFURT/M. Bei deutschen IT-Dienstleistern aus dem SAP-Umfeld denken die meisten Anleger zuerst an IDS Scheer oder SAP SI. Kein Wunder, haben beide Werte doch den Sprung in den neuen TecDax-Index geschafft. Eher abseits der beiden Branchengrößen stehen dagegen kleinere Mitbewerber, die ebenfalls auf dem Kurszettel zu finden sind - wie zum Beispiel Realtech. Nahezu unbemerkt blieben die an sich erfreulichen Jahreszahlen, die das Unternehmen am 20. März präsentierte. Just an jenem Tag brach nämlich der Irak-Krieg aus. Entsprechend wenig Aufmerksamkeit fand die Bilanz bei Presse und Analysten.

Mittlerweile spielt der Irak-Krieg an der Börse nur noch eine untergeordnete Rolle, und urplötzlich ist das Papier des Walldorfer Unternehmens in das Blickfeld der Börsenöffentlichkeit gerückt. Gut 40 % legte der Wert in der ersten April-Hälfte zu. Gestern hielt der Aufwärtstrend an, und zum gestrigen Börsenstart lag das Papier fast 6 % im Plus.

Nach wie vor ist das Ansehen des IT-Dienstleisters mit Schwerpunkt Consulting und dem wesentlich kleineren Standbein Software bei Analysten hoch. WestLB-Analyst Torsten Schellscheidt, einer der beiden verbliebenen Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, stuft das Papier als "Outperformer" ein. Manuel Hoelzle von GBC German Business Concept rät zum Kauf. Grund dafür sind die Zahlen für das Jahr 2002. Realtech hat sein geplantes Ergebnis zwar deutlich verfehlt. Erfreulich stimmte jedoch, dass das Unternehmen trotz der Schwierigkeiten innerhalb der IT-Branche Umsatz und Ergebnis leicht steigerte. Das Jahresergebnis von 0,3 Mill. Euro war erstmals seit 1999 positiv.

Hinzu kommt die aktuell niedrige Bewertung der Aktie. Das Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Jahr liegt bei neun - ein Wert, der nur knapp oberhalb des KGV traditioneller Branchen liegt. Ein weiteres Plus ist die hohe Nettoliquidität des Unternehmens. Der Cash-Bestand je Aktie beträgt im Moment acht Euro. Das heißt: Bei einer sofortigen Unternehmensauflösung würde jeder Aktionär mehr ausbezahlt bekommen, als die Aktie derzeit an der Börse kostet.

Wichtig für die Anleger ist jedoch, wie sich die Geschäfte im laufenden Jahr entwickeln. Hier befindet sich Realtech in einer schwierigen Situation. Die Unternehmenskunden halten sich mit Investitionen zurück, bringen vielmehr ihre bestehenden Systeme auf den neuesten Stand. Die meisten Experten gehen sogar davon aus, dass die Unternehmen 2003 noch weniger in neue Hard- und Software investieren als im abgelaufenen Jahr.

Realtech selbst sieht sich dennoch gut positioniert in diesem Umfeld. Die Kernkompetenz liege darin, bestehende Systeme effektiver zu gestalten und Kosten zu drosseln. Das Unternehmen stößt dabei aber an Grenzen: Nach Ansicht von Analysten fehlt ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich Realtech am Markt behaupten kann. Und im Neugeschäft herrscht weiterhin starker Preisdruck.

Das Management hat sich zum Ziel gesetzt, für das laufende Jahr die Ebit-Marge von 3,25 % zu verbessern. Konkurrent Novasoft, vom Umsatz her nur wenig größer, schaffte im Vorjahr eine Ebit-Marge von über 9 %.

Akquisitionen sind 2003 bei Realtech nicht zu erwarten. Vielmehr schätzen Experten, dass das Unternehmen sein Netz an Partnerschaften weiter ausbauen wird. Die anderen Ziele sind bereits aus Vorjahren bekannt: Ganz oben auf der Agenda stehen der Auf- und Ausbau des weltweiten Vertriebs sowie ein verbesserter Zugang zu den IT-Entscheidern. Die Analysten werden nun bei Vorlage der nächsten Quartalszahlen sehr genau darauf schauen, inwieweit das Management diese selbst gesteckten Vorgaben erreicht - und der Kursanstieg damit auch auf solidem Fundament steht.

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