Aktie unter der Lupe
Von Übernahmen will Wella nichts wissen

Die Wella AG hat in einer vorgezogenen Veröffentlichung der Quartalszahlen bewiesen, dass der Konzern die ehrgeizigen Ziele für das Jahr 2002 erreichen kann. Mit die Wella-Aktie geht es seitdem bergauf.

DÜSSELDORF. Morgen veröffentlicht der Haarpflege- und Kosmetikspezialist Wella seine Ergebnisse für das dritte Quartal. Bereits am 17. Oktober hatte das Unternehmen vorzeitig die Umsatzzahlen für die vergangenen drei Monate präsentiert. Am Markt wurde gemutmaßt, dass diese vorzeitige Veröffentlichung im Zusammenhang mit Gerüchten um eine Kaufofferte des Düsseldorfer Konsumgüterkonzerns Henkel stehen könnte. Wella hätte sich noch einmal von seiner besten Seite zeigen wollen, um so das Angebot von Henkel in die Höhe zu treiben.

Offiziell hieß es, dass Unternehmen hätte versucht, durch die vorgezogene Präsentation Gerüchte über Probleme in der Parfümsparte aus der Welt zu schaffen. Was auch mit deutlichen Kursgewinnen belohnt wurde, denn die Wella-Aktie verteuerte sich als Reaktion auf die überraschend guten Zahlen von rund 40 Euro auf über 50 Euro und hat sich seitdem auf dem hohen Niveau gehalten.

"Nach den Halbjahreszahlen gab es Zweifel, ob Wella die ambitionierten Ziele für das Gesamtjahr erreichen würde", sagt Daniela Dörr, Analystin beim Bankhaus Metzler. Für die morgige Präsentation der gesamten Ergebnisse des dritten Quartals rechnet Dörr nicht mit Überraschungen. "Aber Wella muss dann zeigen, dass nicht nur die Umsätze sondern auch das operative Ergebnis den ehrgeizigen Zielen gerecht wird", fügt die Metzler-Analystin hinzu - sie empfiehlt das Wella-Papier zum Kauf.

Michael Otto, Analyst bei der Helaba Trust erwartet, dass sowohl das Nachsteuer- als auch das Vorsteuerergebnis der ersten neun Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent zurückgehen wird: "Das liegt aber hauptsächlich an Belastungen aus dem zweiten Quartal, denn das dritte Quartal lief ja recht ordentlich." Am erfolgreichsten entwickelte sich der Bereich Friseurgeschäft. Die Sparte Duft und Kosmetik hatte in der ersten Jahreshälfte etwas schwächer abgeschnitten, weil hier eine Umstellung bei der Neueinführung von Düften stattgefunden hatte. "Neue Düfte werden jetzt im Herbst präsentiert, um so vom Weihnachtsgeschäft stärker zu profitieren", erklärt Analyst Otto, der dies für eine gute Strategie hält. Zwar lautet Ottos Empfehlung für die Wella-Aktie zurzeit "neutral", aber er sieht für die kommenden sechs Monate noch Kurspotenzial für das Papier des Konsumgüterkonzerns.

Mit Spannung wird zurzeit noch das Finanzergebnis erwartet. Hier könnten zum einen negative Effekte aus Währungsverlusten das Ergebnis beeinflussen. Zum anderen ist das Finanzergebnis abhängig von der schwachen Kursentwicklung eines Pensionsfonds, an dem Wella beteiligt ist. Zum Jahresende will sich der Konzern aber von dem Pensionsfonds völlig trennen, was im kommenden Jahr positiv auf das Ergebnis wirken wird.

Neue Informationen über eine Übernahme des Kosmetikspezialisten durch den Wettbewerber Henkel erwarten die Analysten nicht. Ein Kaufinteresse halten viele Experten für wahrscheinlich - ein Verkaufsinteresse von Seiten des Familienunternehmens Wella sei dagegen fraglich. Im Juli war der Kurs des Wella-Papiers stark eingebrochen, als Steuerforderungen einer südamerikanischen Zulieferfirma auf das Darmstädter Unternehmen abgewälzt werden sollten. Ob Wella die hohen Kurse von bis zu 70 Euro, zu denen die Aktie vorher gehandelt wurde, wieder erreichen wird, hängt in erster Linie davon ab, ob der Kosmetikkonzern die Steuerforderungen des Zulieferers abgewiesen kann.

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