AKTIE UNTER DER LUPE
Vossloh gilt als attraktive Anlage

Selbst die Anfrage der Deutschen Bahn nach nachträglichen Rabatten, die jüngst vom Kartellamt zurückgepfiffen wurde, konnte den Kurs des Schienenherstellers nicht nachhaltig beeinflussen. Und das, obwohl die Bahn ein Großkunde des Konzerns aus dem Sauerland ist und von ihr folglich ein guter Anteil des Umsatzes abhängt.

DÜSSELDORF. Nach wie vor aber sehen Analysten in dem Wert eine attraktive - und zudem robuste - Anlage: Immerhin erwirtschaftet das Unternehmen, im Gegensatz zu vielen gebeutelten Börsenwerten, stabile Margen und nachhaltig hohe Renditen. "Vossloh ist international aufgestellt", sagt Jens Jung von Independent Research und empfiehlt, die Aktie im Depot überzugewichten. Das Vorgehen der Bahn sei zwar ungewöhnlich gewesen, "meiner Meinung nach ist es aber im Geschäftsgebaren normal und nicht neu, dass über einen Jahresendrabatt verhandelt wird". Der "Vorfall" beeinflusst daher das Urteil des Analysten nicht. Vossloh hätte zum einen ohnehin kaum Ertragseinbußen daraus zu erwarten, zum anderen habe das Kartellamt ja rechtzeitig eingegriffen.

Das Besondere bei einer Aktie wie Vossloh ist ihr Markt: Der Konzern ist einer der großen Zulieferer der Deutschen Bundesbahn. Traditionell gibt es auf dem Markt für Schienen, Zugtechnik und Diesellokomotiven eine kleine Zahl von Anbietern und ebenso nur eine begrenzte Nachfrage. "Üblicherweise hat man auf der einen Seite die großen Staatsbahnen und auf der anderen Seite einige wenige Unternehmen", beschreibt Analyst Hermann Reith von ING Financial Market die Situation. Allerdings kann man diesem Umfeld auch positives abgewinnen, denn "diese Nischenmärkte sind klein und haben große Markteintrittsbarrieren", sagt der Experte - die Wahrscheinlichkeit, dass viele Wettbewerber auf den Plan treten, ist also gering. Vossloh kann sich daher der Bahn auch mit einer gewichtigen Portion Selbstvertrauen entgegen stellen. Denn letztlich hat auch ein Unternehmen wie die Bahn keine große Auswahl unter ihren Zulieferern und daher nur begrenzte Macht, ihnen die Preise zu diktieren.

Attraktivität verleiht der Aktie allerdings noch eine ganz andere Tatsache, meint Analyst Roland Koenen vom Bankhaus Lampe: "Die Phantasie für Vossloh kommt aus dem Osten", sagt er. Weitsichtig habe Vossloh bereits seine Fühler nach Polen ausgestreckt: Der Konzern hat sich an der dortigen Staatsbahn Skoma beteiligt und dadurch seine Position gesichert - in Zeiten, da Polen selbst die Weichen für einen Beitritt zur Europäischen Union stellt, ein sehr kluger Schachzug. "Im Fall der Erweiterung ist dort viel Infrastrukturaufbau zu leisten, deshalb ist die Übernahme gut." Kommt nun der endgültige Startschuss für die Erweiterung, so fließen neben den Mitteln aus dem polnischem Staatsbudget auch noch EU-Mittel für die Schienen-Anbindung Polens an den Rest der EU, und das lässt die Kasse bei Vossloh klingeln.

Eine weitere Übernahme hat Vossloh in diesem Jahr geholfen, seine Unternehmensstruktur für künftige Bedürfnisse auszurichten: Die Sauerländer haben ihre Beteiligung im Markt für Lichttechnik verkauft und gleichzeitig Cogifer übernommen. Letzteres ist ein französisches Unternehmen, das auf Hochtechnologie im Schienenverkehr spezialisiert ist und beispielsweise den Hochgeschwindigkeitszug TGV produziert.

Vossloh bleibt also in der Spur. Wichtig auch sind auch die Perspektiven der gesamten Branche: "Der Markt verspricht ein moderates, aber stetiges Wachstum" sagt Analyst Hermann Reith. Und das ist heute schon viel.

Quelle: Handelsblatt

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