Aktie unter der Lupe
Wachstumsdelle schmerzt Merck & Co

Derartige Enttäuschungen waren die Aktionäre von Merck & Co einfach nicht gewöhnt: Als das Management des amerikanischen Pharmakonzerns am Dienstag ankündigte, dass der Gewinn im kommenden Jahr lediglich stagnieren werde, reagierte die Börse geradezu schockiert. Denn Analysten hatten bislang für 2002 noch ein Gewinnplus von 8 % unterstellt. Die Aktie des drittgrößten Pharmaherstellers musste postwendend eine Flut von Herabstufungen über sich ergehen lassen und hat seither fast 14 % an Wert verloren.

FRANKFURT/M. Die Probleme des Pharmariesen wurzeln in einer Kombination aus steigenden Forschungskosten und wachsendem Konkurrenzdruck. Weil mehrere umsatzstarke Produkte in naher Zukunft den Patentschutz verlieren oder bereits verloren haben, muss Merck & Co in Teilen des Sortiments mit deutlichen Umsatz-Einbußen rechnen.

Der US-Konzern ist mit diesen Problemen weder alleine in der Branche noch kommen die Herausforderungen völlig überraschend. Aber sie treffen ein Unternehmen, das über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg fast wie ein Uhrwerk expandierte und seine Aktionäre mit besonders stetigem Gewinnwachstum verwöhnte. Noch vor knapp einem Jahr sah vieles danach aus, als könnte Merck & Co auch die nun bevorstehenden Patentabläufe ohne Delle in der Performance meistern. Vor allem der zunächst stürmische Markterfolg des neuen Rheuma- und Schmerzmedikaments Vioxx hievte die Merck-Aktie Ende 2000 auf ein Allzeit-Hoch von rund 96 Dollar. Doch inzwischen haben sich die Perspektiven für Vioxx eingetrübt.

Für Skepsis sorgten unter anderem Berichte über mögliche Nebenwirkungen sowie die Zurückhaltung einiger Krankenkassen in der Erstattung. Und auch andere Wachstumsträger wie der Cholesterinsenker Zocor, das Bluthochdruckmittel Cozaar oder das Asthmamedikament Singulair bringen offenbar nicht genug Wachstum, um die für 2002 erwarteten Umsatzeinbußen bei Altprodukten mehr als auszugleichen. Bereits zur Jahresmitte musste Merck & Co die Gewinnerwartungen für 2001 auf 3,12 bis 3,18 $ je Aktie herunterschrauben. Das Management des Konzerns spricht nun von einer Übergangsperiode, kündigt aber bereits für 2003 wieder zweistelliges Wachstum beim Gewinn je Aktie an. Die Rückkehr zum alten Wachstumstrend sollen 11 Neuentwicklungen ebnen, die Merck & Co bis 2006 auf den auf den Markt bringen will. Auch hofft man die Sicherheitsbedenken bei Vioxx durch neue Studien auszuräumen.

Die Börse ist bisher nicht bereit, Vorschusslorbeeren für die Prognosen des Vorstands zu vergeben. Allerdings mehren sich die Stimmen, die die Aktie inzwischen auf einem abgesicherten Niveau sehen. Dafür spricht nicht zuletzt das inzwischen relativ niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 bezogen auf den für 2001 erwarteten Gewinn. Der einstige Branchenprimus wird damit um gut ein Drittel günstiger bewertet als seine großen Konkurrenten, für die der Markt im Durchschnitt rund das 28fache des Gewinns bezahlt.

Selbst Wettbewerber wie Bristol-Myers oder Bayer, die vor ähnlichen Problemen stehen, sind heute teurer als Merck & Co. Vor diesem Hintergrund bietet das aktuelle Kursniveau durchaus Spielraum nach oben. Zudem haben Gerüchte um eine Fusion mit dem Partner Schering-Plough mit dem jüngsten Debakel neue Nahrung erhalten. Das Merck-Management hat Mergerplänen zwar abermals eine Absage erteilt. Sollten die Verantwortlichen ihre Meinung noch ändern, wäre es auch nicht das erste Mal in der Pharmabranche.

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