Aktie unter der Lupe
Wal-Mart trotzt der Krise

Der Billig-Anbieter Wal-Mart kann sich trotz der Wirtschaftsflaute in den Vereinigten Staaten behaupten.Viele Analysten sehen in den Niedrigpreisen eine Stärke in jenen Zeiten, in denen bei den meisten Verbrauchern das Geld nicht so locker sitzt. Dennoch: Völlig immun ist auch der Riese nicht.

NEW YORK. Das neueste Produkt von Wal-Mart passt nicht in einen Einkaufswagen: In seinen Sam's Club Filialen will der Einzelhandelsriese aus dem beschaulichen Städtchen Bentonville im US-Bundesstaat Arkansas demnächst Fertighäuser verkaufen. Ansonsten sind die Produkte der Kette, die in den letzten Jahren auch auf anderen Kontinenten Fuß gefasst hat, kleiner und vor allem erschwinglicher. Mit seiner Niedrigpreisstrategie ist Wal-Mart und seine Aktie vor allem in Zeiten der schwachen Konjunktur attraktiv.

Jeffrey Feiner, Analyst der Investmentbank Lehman Brothers, weist darauf hin, dass das Unternehmen sich bereits in den Konsumflauten 1990/1991 und 1994/1995 gegenüber seinen Konkurrenten gut behauptet hat. "Wir glauben, dass Wal-Mart seine Marktposition im Jahr 2001 und in der Zukunft weiter ausbauen kann", sagt Feiner über die Aussichten für den Einzelhändler. Er begründet seinen Optimismus mit der aggressiven Expansion auf dem amerikanischen Heimatmarkt, den Preisnachlässen und dem Eintritt in das Lebensmittelgeschäft. Insgesamt wird Wal-Mart in diesem Jahr insgesamt 9 Mrd.$ investieren, deutlich mehr als seine Konkurrenten.

Wal-Mart hat in den vergangenen Jahren neben den traditionellen SB-Warenhäuser verstärkt Läden aufgemacht, die auch Lebensmittel im Angebot haben, so genannte Supercenter. Das Konzept der Kombination aus Supermarkt und Warenhaus läuft sehr gut. Die Zahl der Supercenter stieg in 13 Jahren auf fast 1 000. Im nächsten Jahr sollen bis zu 180 neue oder umgewandelte Zentren hinzukommen.

Doch das internationale Bild ist gemischt. "In Mexiko, Großbritannien und Kanada läuft das Geschäft exzellent", sagt Linda Kristiansen, Analystin der Investmentbank UBS Warburg. "In Deutschland dagegen verliert Wal-Mart Geld", sagt sie. Sie rechnet auch im kommenden Jahr mit Verlusten in Deutschland. Sie glaubt jedoch nicht, dass sich die Kette aus dem deutschen Markt zurückziehen wird.

"In den USA kann Wal-Mart seinen Marktanteil derzeit in einem schrumpfenden Markt vergrößern", bemerkt Kristiansen. Aber man könne nicht sagen, dass der Einzelhändler wirklich von der Wirtschaftskrise profitiert. Positiv bemerkt Kristiansen, dass Wal-Mart der einzige Einzelhändler ist, der bisher von den Steuerrückzahlungen der Bush-Regierung profitiert. Nach Angaben Wal-Marts haben die Kunden zwischen 25 und 30% ihrer Schecks bei dem Einzelhändler ausgegeben. Eine Enttäuschung war die Internettochter des Einzelhändlers. Nach dem großen Medienrummel zu Beginn, hat Wal-Mart.com einen bescheidenen Start hingelegt. Daher wird Wal-Mart die Online-Tochter Wal-Mart.com wieder in das Mutterhaus integrieren und neu strukturieren. "Das Angebot war zu breit", begründet Kristiansen unter anderem den Misserfolg des Internetangebots.

Wie weitere fünf Analysten rät sie dazu, die Aktie zu halten. Elf Analysten raten nach Umfragen des Finanzinformationsdienstleisters Thomson/First Call zum Kauf, und sieben sogar stark zum Kauf, dazu gehört auch Jeffrey Feiner.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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