AKTIE UNTER DER LUPE
Wedeco hofft auf eine zweite Chance

Mit zwei Gewinnwarnungen und einer eigenwilligen Transaktion zwischen Vorstand und Unternehmen hat das Unternehmen Vertrauen verspielt. Nun sollen eingehaltene Ergebnisprognosen der Aktie wieder Auftrieb verleihen.

DÜSSELDORF. Zu 66 % besteht die Erde aus Wasser. Doch nur 2,5 % davon sind Süßwasser, 0,3 % dieser Vorräte sind trinkbar. Die Weltbevölkerung hat sich seit 1960 aber auf sechs Milliarden Menschen verdoppelt. Ein Drittel davon leidet unter akutem Wassermangel. Soweit die nackten Zahlen. Und die Chance von Wedeco. Das Düsseldorfer Unternehmen reinigt Wasser mit ultravioletter Strahlung und mit Ozon. UV-Licht zerstört die Mikroorganismen, Ozon killt die Schadstoffe.

Mit der umweltfreundlichen Art der Wasseraufbereitung setzte Wedeco im ersten Halbjahr 62 Mill. Euro um und damit 80 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 40 % auf 8,3 Mill. Euro. Bei den besonders margenstarken Aufträgen für die Industrie musste das Unternehmen jedoch Einbußen hinnehmen. "Das Nettoergebnis betrug deshalb nur noch bescheidene 2,4 Mill. Euro. Das Ergebnis pro Aktie sank um 7 Cent auf 0,23 Euro", berichtet Burkhard Weiss, Analyst bei Commerzbank Securities. "Um das Vertrauen der Märkte zurück zu gewinnen, muss Wedeco jetzt Farbe bekennen", fordert Weiss.

Viel wird demnach von den Zahlen des dritten und vierten Quartals abhängen. Zwar sind die Auftragsbücher prall gefüllt, so dass der für das Gesamtjahr anvisierte Umsatz von 140 Mill. Euro erreichbar sein sollte. "Dabei handelt es sich allerdings hauptsächlich um Abwasseraufträge und da sind die Margen dünn", warnt Sawazki. In der margenstarken Sparte Industrieprozesswasser drückt die Investitionszurückhaltung hingegen weiter aufs Geschäft. Burkhard Weiss sieht ein Nettoergebnis von 8,4 Mill. Euro dennoch als "realistisches Ziel", rät Anlegern aber auch, zunächst die Zahlen für das dritte Quartal abzuwarten.

Denn der Kurs der Aktie sieht trübe aus. Innerhalb eines Jahres ging es mit dem Papier über 60 % den Bach runter. Denn zwei Mal schon hat Wedeco in diesem Jahr die eigenen Prognosen nach unten korrigiert. Zudem liegt noch immer der Kauf der Ozonsparte von Vorstandschef Werner Kling schwer im Magen der Investoren. Inklusive Schulden zahlte Wedeco für das Ozongeschäft 50 Mill. Euro an den eigenen Chef, noch dazu in Cash. "Obwohl strategisch sinnvoll hat die Aktie wegen der eigenwilligen Transaktion ihren Charme als Everybodies Darling verloren", meint Sawazki.

Grundsätzlich ist die Wachstumsstory von Wedeco jedoch intakt, schließlich wächst der Weltmarkt weiter. Treibende Kraft ist vor allem der UV-Desinfektionsmarkt. 1997 noch bei rund 2,3 Mrd. Euro, werden für das Jahr 2005 bereits 3,8 Mrd. Euro prognostiziert. Wedeco ist mittlerweile weltweit mit 750 Mitarbeitern an 24 Standorten vertreten. Über 200 000 Anlagen ersetzen mehr als 160 000 Tonnen Chlor pro Jahr. Damit ist das Düsseldorfer Unternehmen bei UV- und Ozon-Systemen mit 20 % Weltmarktanteil die Nummer eins. Im Bereich UV-Licht wächst Wedeco mit 20 %, in der Ozonsparte nur mit 10 %. Für das Jahr 2005 strebt das Unternehmen einen Marktanteil von 30 % an.

"Ambitioniert", meint Burkhard Sawazki, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, denn die Konkurrenz schläft nicht. Wettbewerber wie Trojan Technologies (Kanada), Osmonics (USA) und US-Filter (USA) fischen im gleichen Markt nach Viren und Bakterien. Vor allem Trojan macht den Deutschen zu schaffen. "Trojan hat seine Qualitätsprobleme überwunden. Besonders im Bereich Abwasser sind die Kanadier stark", weiß Sawazki. Commerzbank-Analyst Weiß sieht Wedeco dennoch vorn. "Die Technologie der Düsseldorfer braucht einfach weniger Energie. So mancher Kunde zahlt lieber einen Aufpreis von 30 % für eine Wedeco-Anlage, und spart dann bei den Folgekosten", so Weiss.

Tobias Fahrenholz, Analyst der Berenberg-Bank, schätzt den Technologievorsprung Wedecos auf "mindestens ein Jahr". Auch weil das Unternehmen internationaler ist als die angloamerikanische Konkurrenz. Die Düsseldorfer erzielen 52 % ihrer Umsätze in Europa, 28 % in Nord- und Südamerika sowie knapp 20 % in Asien-Pazifik. Über die chinesische Tochter will Wedeco die mehr als 100 Abwasseranlagen des Yangtse-Flusses mit seinen UV-Licht-Systemen auszurüsten. Die Region um den Drei-Schluchten-Staudamm gilt als der Markt der Zukunft.

Die Aktie ist bei einem KGV für 2003 von 12 "wie ein Maschinenbauer bewertet". "Zu günstig" meint Weiss. Bis die Aktie aber ihre alten Höchststände bei über 45 Euro wiedersieht, dürfte noch viel schmutziges Wasser den Yangtsee hinunter fließen.

Quelle: Handelsblatt

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