Aktie unter der Lupe
Wedeco ist kein Wert für Zocker

Langfristig halten Analysten die Aussichten für den Düsseldorfer Wasserreiniger Wedeco für vielversprechend. Kurzfristige Gewinne dürften sich Neueinsteiger nicht versprechen, schließlich habe der Wert bereits im vergangenen Jahr deutlich zugelegt und vieles sei im Kurs enthalten, sagen die Experten.

FRANKFURT/M. Sauberes Wasser ist so kostbar wie das tägliche Brot. Schließlich bildet es die Grundlage für nahezu alle Lebensmittel. Da die Chemikalie Chlor Wasser zwar reinigt, aber gleichzeitig auch belastet, wird der Ruf nach nichtchemischen Verfahren zur Wasseraufbereitung immer lauter. Dieser fand bei dem Düsseldorfer Unternehmen Wedeco Gehör, das sich mittlerweile bei der Wasserreinigung mit ultravioletten Strahlen zum Weltmarktführer hochgearbeitet hat.

Zwar wird die im MDax notierte Aktie des Unternehmens nach Ansicht von Analysten in diesem Jahr nicht mehr so stark zulegen können wie im vergangenen, als sie sich um mehr als 350 % Prozent verbesserte. Inzwischen dürften die von Experten als gut bewerteten Perspektiven im Wedeco-Kurs enthalten sein. Langfristig bleiben aber viele Analysten für den Wert positiv gestimmt: Nach Angaben des Finanzresearchanbieters Bloomberg gibt es für die Aktie doppelt so viele Kaufempfehlungen wie neutrale Stimmen.

"Wedeco ist ein Papier zum Kaufen und dann zum zehn Jahre liegen lassen - also nichts für Zocker", sagt Analyst André Leue vom Bankhaus Sal. Oppenheim. In den kommenden neun Monaten sieht er die Aktie bei 42 bis 43; im Oktober vergangenen Jahres hatte der Wert aber bei 48,50 sein 52-Wochenhoch gesehen. Langfristig dürfte Wedeco aber zum Erfolg verdammt sein, da sauberes Wasser auch in Zukunft Thema bleibe. Die Analysten des Bankhauses Lampe weisen darauf hin, dass der Kurs nach unten abgesichert sei, denn viele institutionelle Adressen griffen bei fallenden Kursen immer wieder zu.

Wasserreinigung durch Bestrahlung stinkt nicht

Der große Vorteil von Wedeco sei die Technik, Wasser mit ultravioletten Strahlen zu reinigen. "Das stinkt nicht, ist umweltfreundlich, effizienter und auch günstiger als andere Verfahren", erklärte Analyst Theo Kitz von Merck Finck & Co. Für die UV-Reinigung pro Kubikmeter Wasser zahlen Kunden zwischen fünf und zehn Pfennige. Zum Vergleich: Die Reinigung mit Chlor kostet acht bis zwölf Pfennige, andere Verfahren sogar bis zu 1, 60 Mark. Außer bei Trinkwasser wenden die Düsseldorfer ihre Methode auch bei Abwassern und industriellen Prozesswassern an. Zu den Kunden gehören die Nahrungs- und Genussmittelindustrie und Unternehmen der Pharma- und Halbleiterindustrie. Hauptmitbewerber von Wedeco ist die kanadische Trojan mit 47 Mill. Umsatz, die Abwasser aufbereitet.

Bislang war Wedeco mit 150 000 Anlagen verstärkt in Europa und den USA vertreten, nächstes Ziel ist der asiatische Markt: In Seoul will Wedeco einen Hersteller von UV-Geräten zur Wasserdesinfektion übernehmen. In Korea sollen in den kommenden fünf Jahren 150 Abwasseranlagen mit UV-Reinigungslampen gebaut werden.

Analyst Leue gefällt an der Expansionsstrategie der Düsseldorfer besonders gut, dass sie mit eigenen Produktionsstätten vor Ort flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden, meist kommunale Abwasserbehörden, reagieren können. Damit hätten sie eine gute Ausgangsposition im Vergleich zu ihren Wettbewerbern. Außerdem zeichne sich das Unternehmen durch eine sehr profitable Arbeitsweise aus. Es wolle allein aus sich heraus jährlich um 30 % wachsen, was zusammen mit weiteren Akquisitionen zusätzlichen Unternehmenswert schaffe.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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