Aktie unter der Lupe
Wedeco-Titel sind Analysten zu teuer

"Nicht jeder Mensch braucht unbedingt Mobiltelefone, aber jeder Mensch braucht Wasser", sagt Stephan Gscheidlen, Analyst bei der Baden Bank. -Württembergischen Die jüngsten Bestrebungen des Versorgers RWE, seine Wassersparte auszubauen, zeigen: Das Geschäft mit der Ressource gilt als Markt mit großer Zukunft. Sauberes Wasser wird immer knapper. Einer Studie von Deutsche Bank Research zufolge haben weltweit etwa 2 Mrd. Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und weniger als zehn Prozent der Abwässer werden geklärt.

HB FRANKFURT/M. Davon profitiert Wedeco. Das Düsseldorfer Unternehmen baut Maschinen, die Wasser mit Hilfe von ultravioletten Strahlen entkeimen und ist auf diesem Gebiet inzwischen Weltmarktführer. Experten sagen dem Markt für UV-Desinfektion ein Wachstum von 360 Mill. Euro auf 1,15 Mrd. Euro im Jahr 2005 voraus. Zudem hat Wedeco in den vergangenen Jahren stets gute Zahlen vorgelegt. Auch mit den Halbjahreszahlen für 2001 übertraf der Konzern die Prognosen der Analysten: Der Umsatz legte um 63% auf 34,3 Mill. Euro zu, das Ergebnis nach Steuern um ebenfalls 63 % auf 3,1 Mill. Euro. Solche Zahlen bleiben auch dem Kapitalmarkt nicht verborgen: Seit dem Börsengang im Oktober 1999 gewann das Papier rund 400 % an Wert. Nach einer Schwächephase im März 2001 hat die Wedeco-Aktie wieder um über 60 % zugelegt und steht nun bei rund 35 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis des erwarteten Gewinns für 2002 beträgt 38,5.

"Wedeco ist ein sehr wertvolles Unternehmen, die Aktie ist aber nach wie vor teuer", sagt Gscheidlen. Der Wasserreiniger habe eine starke Marktstellung, sei gegenüber konjunkturellen Einflüssen relativ unabhängig und sehr wachstumsstark - diese positiven Faktoren seien jedoch bereits im Kursniveau enthalten. Daher fällt Gscheidlens Votum für das Papier neutral aus. Auch für Reinhard Reichert von Independent Research ist die Bewertung der Wedeco-Aktie "im gegenwärtigen Marktumfeld etwas zu hoch". Es sei zu befürchten, dass hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse von der Börse abgestraft würden. "Auf Grund des Zukunftsthemas Wasser ist die Wedeco-Aktie für langfristig orientierte Anleger aber durchaus zu empfehlen", sagt er.

Auch Burkhard Weiss von Commerzbank Securities lobt das Unternehmen in den höchsten Tönen: "Ich finde Wedecos Story super", sagt er. Die Wassersäuberung mit UV-Licht werde sich gegen die Chlorreinigung durchsetzen, da sie "langfristig die effizienteste und auch günstigste Methode" sei. Zudem schaffe die Liberalisierung der europäischen Wassermärkte großes Potenzial für Neukundengeschäft. Dennoch hat Weiss die Aktie wegen ihrer hohen Bewertung im Juli auf "halten" heruntergestuft. "Wenn der Gesamtmarkt stark anzieht, kann die Aktie aber auf 45 Euro steigen", sagt er. Kurstreibend könnte sich auch, wie oft spekuliert, eine Übernahme Wedecos durch einen großen Versorger auswirken. Doch Weiss hält dies für unrealistisch: "Wedeco passt überhaupt nicht zum Kerngeschäft der Versorger. Das macht keinen Sinn."

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