AKTIE UNTER DER LUPE
Xstrata strebt in die erste Liga der Rohstoffwerte

Der Rohstoffkonzern Xstrata versucht mit aller Macht, zu den Branchenriesen wie Anglo American aufzuschließen. Mit einer Milliarden-Übernahme in Australien kommt Xstrata seinem Ziel nun ein Stück näher. Analysten würdigen zwar das Potenzial der Aktie, halten sich mit Kaufempfehlungen aber noch zurück.

KAPSTADT. Mick Davis steht ungern im zweiten Glied. Weil ihm der Topjob verwehrt blieb, verließ er den südafrikanischen Stromversorger Eskom und das Johannesburger Bergbauhaus Gencor, aus dem der Branchenriese BHP Billiton entstand. Im dritten Anlauf hat Davis den Sprung an die Spitze schließlich geschafft: Seit Oktober 2001 leitet Davis die in der Schweiz ansässige, in London notierte und vorwiegend in Südafrika tätige Rohstoffgruppe Xstrata. Und auch mit Xstrata will der 43-Jährige ins erste Glied aufrücken und dem Spitzentrio aus Anglo American, Rio Tinto und BHP Billiton Paroli bieten.

Dass er aufschließen kann, hat Davis gerade erst durch die nun fast schon besiegelte Übernahme des australischen Bergbaukonzerns MIM demonstriert. Zum einen verdoppelt sich durch den drei Mrd. Dollar teuren Zukauf die Größe von Xstrata; zum anderen verringert sich die Abhängigkeit des Konzerns von der bislang klar dominanten Kohle - und auch die einseitige Ausrichtung auf Südafrika. Statt 37 % wird die Kaprepublik künftig nur noch knapp 20 % zum Betriebsgewinn beisteuern. Zwar ist Davis von der Rentabilität der Geschäfte in Südafrika überzeugt, doch sind die Aktionäre weniger optimistisch und bestrafen die höheren politischen Risiken am Kap mit einem Bewertungsabschlag. Für Unsicherheit sorgen vor allem die von der südafrikanischen Regierung erlassenen neuen Abgaben und Regeln im Minensektor: Erst im letzten Jahr hatte Pretoria eine so genannte Bergbau-Charta verabschiedet, die es den am Kap tätigen Rohstoffkonzernen zur Auflage macht, innerhalb von zehn Jahren 26 % ihrer Vermögenswerte in die Hände der schwarzen Bevölkerungsmehrheit zu überführen.

Mit der Übernahme, deren Billigung durch die MIM-Aktionäre am 8. Mai als sicher gilt, würde Xstrata künftig weltweit den dritten Rang als Kohle-Exporteur einnehmen. Interessant ist an den von MIM neu eingebrachten Produkten aber auch der Kupfersektor, der künftig 25 % des Umsatzes ausmacht. Obwohl Xstrata in der Rangliste der Kupferproduzenten einstweilen noch mit Rang neun vorlieb nehmen muss, bekäme das Unternehmen durch die Übernahme ein erstes Standbein in einer Industrie, der wegen der steigenden Nachfrage durch IT-Firmen gute Aussichten prophezeit werden. Das Zink-, Blei- und Silbergeschäft würde mit 22% umsatzmäßig an dritter Stelle liegen.

Gleichzeitig dürfte mit der bevorstehenden Übernahme der Druck auf den Aktienpreis von Xstrata sinken. Seit dem Börsengang im März letzten Jahres sind die Titel fast um die Hälfte gefallen und liegen zurzeit trotz einer leichten Erholung noch immer knapp ein Drittel unter dem Gesamtindex des internationalen Minensektors. Auch werden die Anteilseigner die von Beobachtern seit langem geforderte breitere Aufstellung des Unternehmens mit einer Kapitalerhöhung erkaufen - der zweiten seit dem Börsengang. Nachdem Xstrata bereits damals 1,7 Mrd. Pfund aufgenommen hatte, beabsichtigt die Rohstoffgruppe nun eine Bezugsrechtsemission in Höhe von 1,4 Mrd. Dollar.

Dennoch sind die meisten Analysten noch immer nicht ganz überzeugt: Merrill Lynch kritisiert zum Beispiel die enge Beziehung von Xstrata zum Schweizer Rohstoffhändler Glencore, der 40 % der Aktien hält. Nach Ansicht der US-Investmentbank wäre Xstrata besser beraten, eine eigene Verkaufsorganisation aufzuziehen, statt dem Schweizer Schwesterunternehmen jedes Jahr 30 Mill. Dollar pro Jahr für dessen Dienste zu überweisen.

Davis reagiert auf solche Kritik gelassen. Allerdings beabsichtigt er nach den vielen Zukäufen nun eine Phase der Konsolidierung. Sie soll es dem Unternehmen ermöglichen, seine inzwischen auf 45 % gestiegene Verschuldungsquote auf etwa 30 % zu reduzieren. Damit würde das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital etwa auf dem gleichen Niveau wie bei dem Rivalen Anglo American liegen. Um aber zu den Branchenriesen aufzuschließen, wird Dealmaker Davis kaum um weitere Zukäufe herumkommen. Neben dem Schuldenberg bremst ihn zurzeit aber auch die schwache Weltkonjunktur. Die meisten Analysten sind deshalb auch der Ansicht, dass Xstrata bei allem Potenzial wohl noch einige Zeit im Schatten der mächtigen Konkurrenz verharren wird.

Quelle: Handelsblatt

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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