AKTIE UNTER DER LUPE
Yahoo im freien Fall

Wie kein anderes Unternehmen symbolisierte Yahoo den Start in die "New Economy". Doch selbst bisherige Web-Euphoriker wie Analyst Henry Blodget wenden sich ab von dem einstigen Börsenstar.

tmo/Reuters/Bloomberg DÜSSELDORF. Früher, als alles besser war, galten Internet-Portale an der Börse als ganz heißer Tipp. Und der heißeste Tipp war Yahoo, das verrückte Webverzeichnis, das die verwirrende Infofülle des Internets in hübsche, kleine Rubriken verpackte.

Das war früher. Und heute? Die Börsenbilanz dieses Jahres klingt wie ein Horrorszenario für Anleger: über 80 % Verlust seit Jahresanfang, Kurs auf Zwei-Jahres-Tief, und kein Ende des Niedergangs in Sicht. Nach einem Minus von 15 % am Vortag fielen Yahoo-Aktien am Mittwoch im frühen New Yorker Handel weiter. Trotz des gesunkenen Kurses bleiben Investment-Profis pessimistisch. "Wir haben unsere Position weitgehend abgebaut und bevorzugen andere Titel", sagt Wassili Papas von Union Investment, der rund 15 Mrd. DM verwaltet. In den nächsten Monaten erwartet er keine überdurchschnittliche Entwicklung für Yahoo.

Die Zeiten sind schlecht für B2C-Werte (Business-to-Consumer), also für Internet-Firmen, die Geschäfte mit Endverbrauchern machen. Yahoo symbolisierte wie kein anderes Unternehmen diese einst umjubelte Branche. Doch kecke Werbesprüche ("Do you Yahoo?") und das Sponti-Image des Vorzeige-Gründers Jerry Yang ziehen bei den Anlegern nicht mehr. Dazu trägt bei, das inzwischen längst der nächste Trend den "Bi-tu-Si"-Boom abgelöst hat. "Ich würde derzeit eher auf optische Technologien und Infrastruktur-Anbieter setzen", sagt Fondsmanager Papas. Er favorisiere Betreiber von Fiberkabel-Datennetzen wie Nortel und Netzwerk-Spezialisten wie Cisco. Zwar sind auch deren Kurse abgerutscht. Aber viele Investoren hoffen, dass der Handel zwischen Unternehmen mehr Profit bringt als das mühsame Geschäft mit Endkunden.

Bisherige Optimisten äußern sich kritisch Auch die Star-Analysten der Wall Street - die ironischerweise erst durch ihren wilden Web-Optimismus berühmt wurden - wenden sich ab. So löste Kritik des Börsen-Gurus Henry Blodget von Merrill Lynch einen Teil des jüngsten Kurssturzes aus. Yahoo stehe "vor der schwierigsten Herausforderung in der Geschichte dieses jungen Unternehmens", formulierte Blodget. Die Ergebnisse für das erste Quartal sieht er "stark gefährdet".

In das gleiche Horn stößt Blodgets Kollegin Mary Meeker von Morgan Stanley. Sie wetteifert mit Blodget regelmäßig um den Titel des renommiertesten Web-Analysten des US-Magazins Institutional Investor. "Unter den Marktführern ist Yahoo am meisten gefährdet von Trends bei den Online-Werbeausgaben", argumentiert Meeker in einer Studie.

Starke Abhängigkeit von Werbe-Einnahmen Yahoo lebt zu 90 % von Werbeanzeigen auf seinen Internet-Seiten. Diese Einkünfte stehen unter Druck durch Zweifel an der Effektivität von Online-Werbung und durch die Finanzprobleme vieler junger Internet-Firmen, die bislang bei Yahoo Werbebanner schalteten. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zuletzt knapp 90, bezogen auf den Gewinn in diesem Jahr, ist die Aktie zudem immer noch nicht billig. Der Software-Riese Microsoft hat ein KGV von 38, beim Netzwerk-Spezialisten Lucent sind es 16 und beim Auto-Giganten General Motors gar nur 5,5. Zu allem Übel ist Yahoo derzeit auch noch in zwei Gerichtsverfahren verwickelt: In Frankreich soll der Internet-Dienst den Zugang zu rechtsradikalen Webseiten sperren. In Taiwan protestiert ein Internetunternehmen gegen einen angeblichen Urheberrecht-Verstoß.

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