Aktie unter der Lupe
Yukos hat seine Hausaufgaben gemacht

Gute Nachrichten für den Ölkonzern Yukos: Erstmals hat das Unternehmen den russischen Branchenprimus Lukoil in der Förderung überholt. Analysten raten zum Kauf, auch wenn der stark schwankende Rohölpreis und die knappen Exportkapazitäten durchaus Gefahrenpotenzial bergen.

MOSKAU. Das Marktumfeld für den russischen Ölkonzern Yukos ist verheerend: Einerseits bringt der Irak-Krieg eine beträchtliche Unsicherheit über dem Erdöl-Weltmarktpreis mit sich. Andererseits ist "Russland ein hoch korruptes Land, in dem Mafia, zweifelhafte Politiker und Oligarchen herrschen und das Anrufen von Gerichten sinnlos ist. Diese Meinung herrscht noch heute über Russland", sagt Peter Wallis von der Marktforschungsgruppe SRU. Das "Land, wo nur Bären und die Mafia leben", bringt die Zeitung "Iswestija" die verquere Ansicht über das Riesenreich im Ausland auf den Punkt.

In Moskau sitzende Analysten und Fondsmanager kommen indes zu einem ganz anderen Ergebnis: "Yukos-Aktien sind auf dem jetzigen Niveau ein klarer Kauf", sagt Florian Fenner von der Vereinten Finanzgruppe (UFG). Mattias Westman von Prosperity Capital meint: "Russische Ölpapiere sind sehr attraktiv, gerade für institutionelle Investoren nach ihrem jüngsten tiefen Fall." Dabei sticht Yukos heraus: Dem Konzern ist es jetzt erstmals gelungen, in der Förderung den russischen Branchenprimus Lukoil zu überholen. Und Yukos bleibt ehrgeizig. Mit geplanten 82 Mill. t sollen auch auf das Gesamtjahr gerechnet die angepeilten 75 Mill. t von Lukoil übertroffen werden. Bereits im Vorjahr hatte Yukos die Produktion um 19,3 % auf 70 Mill. t gesteigert.

Zudem komme der Ölriese laut Fenner auf eine Dividendenrendite von 3 % bei erwarteten 3,8 Mrd. $ Reingewinn in diesem Jahr. Yukos habe zudem eine hohe Exportquote, so dass die Firma weniger zu den auf 5 $ pro Fass abgesackten Inlandspreisen absetzen müsse. Somit war in den ersten neun Monaten der Reingewinn zwar von 2,5 auf 2,2 Mrd. $ gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum gefallen - weniger als bei der Konkurrenz.

Das einzige Problem ist laut Branchenexperten das Erreichen der Exportkapazitäten beim staatlichen russischen Pipeline-Monopolisten Transneft. Dadurch können Yukos und andere russische Anbieter nicht immer die geplante Öl-Menge tatsächlich auch ausführen. Zudem steckt der Wunsch der Moskauer nach einer Pipeline von Sibirien zum riesigen Absatzmarkt China vorerst im politischen Permafrost fest. Die Analysten von RusEnergy halten Yukos dennoch für die interessanteste russische Firma für Investments. Es folgen die Ölkonzerne Sibneft (der in diesem Jahr mit einer Rekorddividende lockt) und Lukoil: "Yukos und Sibneft sind die transparentesten russischen Öl-Unternehmen" und hätten durch hohe Modernisierungs-Investitionen die Förderkosten auf 2 $ pro Barrel (159 Liter) gedrückt, so die Analysten. Andere russische Konkurrenten kommen laut UFG auf 3 $ oder mehr.

Mitte März hatte der zu gut 50 % durch Ölwerte ermittelte russische RTS-Index um 9 % nachgegeben - aus Angst vor einem drastischen Absacken des Ölpreises, wie Dmitrij Fedossow, Portfolio-Manager des Russland-Arms des Deutschen Investment-Trust meint. Große Gefahren durch den Irak-Krieg sehen Analysten für russische Ölkonzerne derzeit aber nicht: Es werde Jahre dauern, die irakische Ölförderung wieder auszubauen und koste Milliarden, meint Paul Collison, Emerging Market-Öl- und Gasstratege bei Brunswick UBS Warburg: "Da ist die russische Ölindustrie schon viel weiter. Und wenn billiges irakisches Öl bald in größeren Mengen den Markt fluten sollte, dann werden als erstes teure Produktionsstandorte unter Druck geraten wie die Nordsee, Alaska oder Chinas Festland." So passt es ins Bild, dass sich kürzlich BP beim drittgrößten russischen Ölkonzern TNK für 6,75 Mrd. $ eingekauft hat und Exxon Mobil-CEO Lee Raymond auf der Suche nach einem strategischen russischen Partner ist: "Russland hat sich als politisch und wirtschaftlich stabiles Land entwickelt, was der Irak erst noch werden muss, bevor Milliarden dorthin fließen."

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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