Aktie unter der Lupe
Zukaufpläne von Eon verstimmen Analysten

Die Gunst der Aktionäre scheint derzeit nicht auf E.ons Seite zu stehen: Der Aktienkurs des aus der Fusion von Viag und Veba hervorgegangenen Energieversorgers befindet sich seit Ende vergangenen Jahres auf einem Abwärtstrend. Wurde das Papier Anfang Dezember 2000 noch mit 65 Euro bewertet, notiert die Aktie aktuell bei gut 55 Euro, was einem Kursrückgang um 15 % entspricht.

DÜSSELDORF. Aus Sicht der Fundamentaldaten erscheint diese Entwicklung paradox. Ausgestattet mit ausreichend Liquidität, befindet sich das Unternehmen derzeit auf Expansionskurs: Ende der vergangenen Woche unterbreitete Eon dem schwedischen Energieversorger Sydkraft ein Übernahmeangebot. Zudem befinden sich die Düsseldorfer in Kaufverhandlungen mit der britischen Powergen.

Übernahmeangebot an Sydkraft zu hoch

Genau in dieser Akquisitionsstrategie liegt jedoch nach Analystenmeinung die Begründung für die schlechte Kursentwicklung. "Die Märkte sind unzufrieden mit den Expansionsbestrebungen von Eon", sagt Andreas Thielen, Analyst bei Crédit Lyonnais, gegenüber dem Handelsblatt. So sei das Übernahmeangebot an Sydkraft aus Sicht der Märkte viel zu hoch gewesen. Ähnliche Befürchtungen äußert Thielen auch in Bezug auf den erwarteten Kauf von Powergen. Zudem stößt die Auswahl der Übernahmekandidaten auf Kritik. "Die Gespräche mit Powergen werden vom Markt negativ beurteilt", erklärt Stephan Wulf, Analyst bei M.M. Warburg Investment. Powergen sei für Eon nur zweite Wahl, da sich relativ geringe Synergieeffekte aus einer solchen Übernahme ergeben würden. Zudem gebe es in Europa interessantere Märkte als den britischen. "Meiner Meinung nach passen Unternehmen wie die belgische Electrabel oder die spanische Iberdrola besser zu Eon", sagt Wulf. Iberdrola war bei Eon schon einmal im Gespräch gewesen. Nachdem nun RWE sein Desinteresse an dem spanischen Unternehmen bekundet hat, sollte sich die Übernahmefrage für E.on erneut stellen, meint Wulf. "Ich sehe augenblicklich kein anderes Unternehmen, das für Iberdrola in Frage kommt."

Klaus Repges, Analyst bei der WestLB Panmure, ist jedoch auch von dieser Option nicht überzeugt. "Ob nun Powergen oder Iberdrola - Eon setzt bei seinen derzeitigen Übernahmen allein auf Marktwachstum im Strombereich". Dabei habe E.on insbesondere in Bezug auf Wasser- und Gasversorgung strategische Nachteile gegenüber der Konkurrenz. "Für mich würde daher eine Übernahme von Unternehmen wie der Ruhrgas AG deutlich mehr Sinn machen".

Einig hingegen sind sich alle Analysten darin, dass Eon im Strombereich seine kritische Größe erreicht hat. Neue Übernahmen seien daher nicht mehr unter existenziellen Gesichtspunkten zu sehen, sondern müssten anderen ökonomischen Kriterien wie Synergie genügen.

gfristiges Kursziel zwischen 60 und 72 Euro

Trotz der augenblicklich negativen Kursperformance der Eon-Aktie rechnen alle Analysten langfristig mit einem deutlichen Kursaufschwung. "Wir sehen derzeit eine Ankauffunktion für defensive Werte, zu denen die Versorger eindeutig gehören", sagt Andreas Thielen von Credit Lyonnais. "Die Aktie ist derzeit klar unterbewertet". Über das Ausmaß der Kurssteigerungen gibt es hingegen unterschiedliche Meinungen. Während Merrill Lynch nach Angaben von Analystin Lynn Reinhardt das Kursziel in sechs bis zwölf Monaten bei 60 Euro sieht, rechnet die WestLB mit 65 Euro binnen Jahresfrist. Deutlich optimistischer zeigt sich M.M.Warburg Investment: Stephan Wulf rechnet in einem 6-Monats-Zeitraum mit einem Kursziel von 72 Euro.

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