Aktie unter der Lupe
Zukunftspläne des Unicredito überzeugen

Die Börse reckt den Daumen nach oben, noch bevor der Unicredito Italiano heute die Details einer umfassenden Umstrukturierung bekannt gegeben hat. Um rund 3 % stieg die Aktie der nach Marktkapitalisierung größten italienischen Bankengruppe am Montag. Am Wochenende hatte das Institut mitgeteilt, Abschied vom föderalen Modell zu nehmen, in dem die zum Konzern gehörigen Häuser ein hohes Maß an Eigenständigkeit genießen.

HB MAILAND. Statt dessen wird der Unicredito bis Ende nächsten Jahres in eine vollintegrierte Bank mit den drei Sparten Firmenkunden, Massengeschäft (Retail) und vermögende Privatkunden (Private Banking) umgebaut. Auf diese Weise wird das Haus wesentlich leichter mit seinen europäischen Konkurrenten vergleichbar sein.

Der Plan, der von der Unternehmensberatung McKinsey erarbeitet und vom Vorstandschef Alessandro Profumo durchgeboxt worden ist, soll das hochprofitable Institut noch effizienter machen: bis 2004 soll der Nettogewinn um 15 % steigen, das Konzernergebnis bei 3 Mrd. ? liegen. Außerdem will Unicredito seine im europäischen Vergleich bereits brillantes Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen (cost-income ratio) von heute 51 % auf dann 44 % senken. Die jährlichen Synergien beziffert das Institut in 2004 auf 720 Mill. ?. Besonders beachtlich ist, dass sie nur zu 35 % eine Folge von Sparmaßnahmen und Rationalisierungen sein werden. Fast zwei Drittel des Betrages sollen über eine Steigerung des Geschäftsvolumens zusammenkommen.

"Äußerst aggressiv und sehr ehrgeizig"

Als "äußerst aggressiv und sehr ehrgeizig" bezeichnet Manuela Meroni von Metzler Capital Markets in Mailand diese Ziele. Dennoch glaubt die Analystin an deren Erreichbarkeit. Das Management sei sehr glaubwürdig. Die meist sehr hoch gesteckten Ziele seien in der Vergangenheit stets erreicht worden. Auch Vincenza Collucci, Analystin der Société Générale, begrüßt die künftige Spartenorganisation. Sie weist aber darauf hin, dass durch den Umbau kurzfristig Belastungen auf den Unicredito zukommen könnten. "Die Restrukturierung dürfte im kommenden Jahr einen erheblichen Aufwand verursachen. Daher glaube ich, dass 2002 eher ein Jahr des Überganges sein wird." Kurzfristig könnte die Ertragskraft der Bank also geschwächt werden.

Als überraschend niedrig bezeichneten Finanzkreise das Umtauschverhältnis zwischen dem Unicredito und der zur Gruppe gehörigen Rolo Banca. Die Retail-Bank aus Bologna soll wie die anderen sieben Banken des Verbundes mit der Konzernmutter verschmolzen werden. Marktteilnehmer hatten spekuliert, für jedes Rolo-Papier würden deutlich über vier Unicredito-Aktien bezahlt. Fixiert wurde aber nur ein Verhältnis von 3,8. "Für Rolo-Aktionäre ist das natürlich keine gute Nachricht", sagt Sergio Ciaramella von Eptasim.

Durch die Fusionen der bislang nur per Beteiligung gehaltenen Institute wird die Marktkapitalisierung des Unicredito um rund 5 Mrd. ? steigen. Dadurch wird die Bank fitter für grenzüberschreitende Deals. Die meisten Brokerhäuser überarbeiten derzeit ihre Empfehlungen. Das Gros von ihnen dürfte sie nach oben korrigieren.

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