AKTIE UNTER DER LUPE: Zurich steht am Scheideweg

AKTIE UNTER DER LUPE
Zurich steht am Scheideweg

Die schlechte Nachricht ist: Am Donnerstag wird der Schweizer Versicherer Zurich Financial Services wahrscheinlich tiefrote Zahlen vorlegen. Die gute Nachricht ist: Der Markt hat sich bereits darauf eingestellt. Wichtig für die Kursentwicklung ist, ob der neue Chef den Versicherer flott bekommt. Immerhin sind die Reserven vergleichsweise hoch.

DÜSSELDORF. Aus der Versicherungswirtschaft kommen derzeit überwiegend schlechte Nachrichten. Da wird am Donnerstag der Schweizer Versicherer Zurich Financial Services keine Ausnahme machen: Analysten stellen sich darauf ein, dass der neue Zurich-Chef James Schiro eine knallrote Bilanz vorlegen wird. "Ob der Verlust nun 2,5 oder 3 Mrd. Dollar beträgt, ist fast schon egal", sagt Robin Mitra, Analyst der Züricher Kantonalbank.

Die Mega-Verluste dürften damit also schon im Kurs der Aktie enthalten sein. Für Investoren und Analysten ist daher die Frage bedeutend: Bekommt der seit Mai 2002 amtierende neue Konzernchef Schiro den Versicherer wieder flott? Er muss die Trümmer beseitigen, die sein Amtsvorgänger Rolf Hüppi mit einem exzessiven Wachstumskurs hinterlassen hatte. "Schiro muss vor allem das Vertrauen wieder herstellen, dass sein Vorgänger mit einer Reihe von Gewinnwarnungen zerstört hatte", sagt Analyst Mitra. Noch zeigt sich die Experten-Zunft skeptisch: Von 36 bei Bloomberg erfassten Analsten-Urteilen zur Zurich-Aktie lauten die Hälfte der Urteile nur "Halten". Von der Bilanzvorstellung erhoffen sich die Analysten mehr Klarheit.

Nachdem Ex-Zurich-Chef Huppi in den 90er Jahren ins Asset Management eingestiegen war, stutzt der neue Mann an der Spitze den Konzern wieder zu einem normalen Versicherungskonzern zurück. Die Fondsgesellschaft Scudder hatte noch Hüppi bereits wieder abgegeben, Schiro setzt die Trennung von Randgeschäft fort und verkaufte auch die Bank Rued, Blass & Cie an die Deutsche Bank für geschätzte 135 Mill. Euro. Alle Konzernteile, die nicht einen operativen Ertrag von zwölf Prozent auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften, stehen auf dem Prüfstand.

Nach Milliarden-Abschreibungen sammelte der neue Chef Schiro nach Amtsantritt rund 2,5 Mrd. Dollar bei den Anlegern per Kapitalerhöhung ein, um die gebeutelte Kapitalausstattung des Konzerns auszubessern. Versicherer müssen ihre Prämieneinnahmen mit Eigenkapital unterlegen; Kapitalknappheit bedeutet also eine Wachstumsbremse.

Schiro hat sich zudem selbst unter Druck gesetzt: Rund 1 Mrd. Dollar will er in diesem Jahr durch Einsparungen, höhere Prämien und bessere Risikozeichnungspolitik erwirtschaften. "Nach den Ankündigungen muss Schiro nun Belege liefern", fordert Analyst Mitra. Er fragt sich, wie viel von dem frisch eingesammelten Eigenkapital noch übrig ist.

Was Experten zudem sorgt ist, dass der Zurich-Konzern rund 40 Prozent seiner Prämien in den USA erwirtschaftet. In den letzten Tagen haben die großen US-Wettbewerber wie AIG und Travelers noch einmal ihre Rückstellung für Asbest-Schäden um Milliarden-Beträge erhöht. "Das zeigt, dass man vor bösen Überraschungen nie gefeit ist", sagt Heinrich Wiemer, Analyst von Sal. Oppenheim.

"Die Reserve-Situation ist bei der Zurich-Gruppe besser als im Marktschnitt", sagt Volker Kudszus, Analyst der WestLB Panmure. Er verweist auf die so genannte "survival ratio", das ist das Verhältnis aus den technischen Reserven zum durchschnittlichen Schadenaufwand der vergangenen drei Jahre: Hier weist der Zurich-Konzern einen Wert von 24 auf, Wettbewerber lägen bei Werten zwischen 10 und 15. "Der Zurich-Konzern hat also noch etwas Luft bei den Reserven", argumentiert Kudszus, der die Aktie kürzlich auf "buy" hochgestuft hat.

Gegenüber den großen europäischen Wettbewerbern wird die Zurich-Aktie derzeit mit Abschlag gehandelt. Sie weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzung für das Jahr 2003 von rund 7 auf, Axa und Allianz werden mit einem KGV von 10 gehandelt. "In diesem Abschlag drückt sich das mangelnde Vertrauen aus", meint Robin Mitra von der Züricher Kantonalbank. Am Donnerstag hat Zurich-Chef Schiro die Chance, dass der Abschlag verschwindet.

Quelle: Handelsblatt

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