Aktie unter Druck
Der Post droht Streit um das Briefmonopol

Die Bundesregierung will das Briefmonopol der Post verlängern. Doch der Bundesrat stellt sich quer. Ein Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern könnte auch Pläne für einen zweiten Börsengang gefährden. Müller ringt mit Ländern um das Briefmonopol Kommentar: Kultivierte Langeweile

HB BONN/BERLIN. Wirtschftsminister Werner Müller ringt mit den Ländern um das Briefmonopol der Deutschen Post. Die von der Bundesregierung geplante Verlängerung des Monopols für Briefe unter 200 Gramm bis 2007 ist nach Informationen des Handelsblatts noch immer nicht unter Dach und Fach. Vielmehr zeichnet sich in der Länderkammer ein Grundsatzkonflikt über die Frage ab, ob die Monopol-Verlängerung der Zustimmung des Bundesrats bedarf oder nicht. Müller (parteilos) hält die Zustimmung für nicht erforderlich, die Mehrheit der Länder scheint der gegenteiligen Meinung zu sein.

Sollte der Bundesrat am Freitag kommender Woche dem Gesetzentwurf der Bundesregierung nicht zustimmen, droht ein langwieriger Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern. Eine weit reichende Verunsicherung der Postaktionäre wäre die Folge, denn das mehrheitlich bundeseigene Unternehmen (Anteil 69 %) erwirtschaftet den Löwenanteil seiner Gewinne noch immer im geschützten Briefgeschäft.

Bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2000 räumte Klaus Zumwinkel, Vorstandschef des gelben Logistikkonzerns aus Bonn, ein, dass die Post im vergangenen Jahr noch immer 74 % ihres Betriebsergebnisses im Monopolbereich erwirtschaftet hat. Dagegen trugen die Sparten Logistik und Express nur 7 % zum Betriebsergebnis bei. Stark zulegen konnten vor allem die Finanzdienstleistungen. Zumwinkel kündigte an, dass die nicht geschützten Bereiche bereits in drei bis vier Jahren 50 % des Konzerngewinns beisteuern sollen.

Der Vorstandschef nannte das abgelaufene Jahr ein "ganz besonderes Rekord-Geschäftsjahr". Die Post hatte den Umsatz auch auf Grund zahlreicher Übernahmen um 46 % auf 32,7 Mrd. Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis stieg um 158 % auf 2,4 Mrd. Euro. Diese Zahlen ließen jedoch die Börse kalt, die Post-Aktie lag bei 18 Euro zwischenzeitlich mehr als 6 % im Minus und war Tagesverlierer im Dax. Im November 2000 war die "Aktie gelb" zu 21 Euro ausgegeben worden.

Nach Ansicht von Analysten zeigten die Zahlen der Post "keinerlei Überraschung". Für Verunsicherung hätten vielmehr Berichte über einen geplanten zweiten Börsengang gesorgt, die den Kurs "psychologisch" belastet hätten, sagte Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke.

Mit einer Änderung des Postgesetzes will die Bundesregierung den Weg für den Verkauf weiterer Post-Aktien frei machen. Nach Angaben Klaus Zumwinkels ist der Termin für den zweiten Börsengang noch offen. Er würde es aber begrüßen, wenn der Bund 2002 oder 2003 Post-Aktien verkaufte. Ein Streit um die Verlängerung des Briefmonopols zwischen Bund und Ländern würde diesen Plan nach Ansicht von Beobachtern jedoch gefährden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%