Aktie unter Druck
Lipobay schwächt Bayer-Gewinn weiter

Das Desaster mit dem Cholesterinsenker Lipobay/Baycol belastet den Gewinn des Bayer-Konzerns in diesem Jahr stärker als bislang angenommen. Die Bayer AG gab am Donnerstag in Leverkusen bekannt, dass es dieses Medikament nun auch in Japan zurückzieht.

dpa LEVERKUSEN. Dies belaste das operative Ergebnis in diesem Jahr um bis zu 150 Mill. ? (293 Mio DM). Zusammengenommen mit der bisherigen Schätzung werde der weltweite Rückzug von Lipobay/Baycol das operative Ergebnis von Bayer in den fortlaufenden Geschäften um bis zu 800 Mill. ? oder gut 1,5 Mrd. DM schmälern.

Die weitere Gewinnbelastung brachte die Bayer-Aktie am Donnerstag erneut unter Druck. Sie verbilligte sich um fast 2,5 % auf gut 34 ? und war damit Schlusslicht im Deutschen Aktienindex DAX. Unter dessen wurden in den USA weitere Sammelklagen gegen Bayer im Zusammenhang mit dem zurückgezogenen Cholesterinsenker eingereicht. US-Anwälte betonten, dass Baycol teilweise zu gefährlichen Muskelerkrankungen und zu Todesfällen geführt habe. Weltweit werden mehr als 50 Todesfälle in Zusammenhang mit Lipobay/Baycol gebracht. Bayer sieht die Klagen als unbegründet an und will sich dagegen zur Wehr setzen.

Clement stellt sich hinter Bayer

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) stärkte Bayer am Donnerstag erneut den Rücken. "Bayer hat sich mit dem Rückzug des Medikamentes vorbildlich verhalten", sagte Clement in Dortmund. "Ich bin mir nicht sicher, dass andere Unternehmen im Interesse der Patienten genauso gehandelt hätten wie Bayer", sagte der Regierungschef. Die derzeitige Situation werde von Konkurrenten ausgenutzt, um die Wettbewerbsposition der Bayer AG zu schwächen.

Die Entscheidung, das Medikament nun auch in Japan zurückzuziehen, sei im Interesse der Patientensicherheit erfolgt, unterstrich Bayer in einer Mitteilung. Die japanische Gesundheitsbehörde habe mitgeteilt, dass der Wirkstoff Gemfibrozil bald in Japan zugelassen werde. Insbesondere eine gleichzeitige Einnahme von Lipobay/Baycol mit Gemfibrozil könne in seltenen Fälle zu Muskelschwäche führen. Japan wurde zunächst vom weltweiten Rückzug des Cholesterinsenkers ausgenommen, da Gemfibrozil dort bisher noch nicht erhältlich ist.

Der Verkauf eines Agfa-Aktienpaketes durch die Bayer AG ist nach Ansicht von Finanzmarktbeobachtern weiter in die Ferne gerückt. Die Agfa-Gevaert N.V. erwartet für das Gesamtjahr 2001 einen Rückgang beim operativen Ergebnis (ohne Kosten für den Konzernumbau) von 35 %, hieß es am Donnerstag. Im März verschob Bayer den Verkauf seiner Restbeteiligung von 30 % an diesem Unternehmen bis auf Weiteres. Als Gründe wurden die Schwäche der Aktienmärkte und ein vorübergehender Rückgang im Agfa-Geschäft genannt. Die Agfa-Aktie liegt derzeit mit knapp 15 ? deutlich unter dem Ausgabepreis von 22 ?.

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