Aktie verliert an Wert
Wechsel an Allianz-Spitze überrascht Analysten und Händler

Der neue Chef Michael Diekmann ist an den Kapitalmärkten noch wenig bekannt. Es wird aber kein grundsätzlicher Wechsel der Strategie erwartet.

nw/rtr FRANKFURT/M. Die Börse hat gestern unentschlossen reagiert. Kurz nach Bekanntgabe des Führungswechsels verlor die Aktie 1,5 %, erholte sich kurzzeitig und fiel dann weiter ins Minus. Händlern zufolge fiel es Marktteilnehmern schwer, den Nachfolger von Henning Schulte-Noelle als Allianz-Chef und die künftige Entwicklung des Konzerns einzuordnen.

In ersten Einschätzungen kommentierten Analysten den Wechsel unterschiedlich. "Der Zeitpunkt des Rücktritts kommt für mich überraschend. Ich war davon ausgegangen, dass Schulte-Noelle noch ein paar Jahre im Amt bleiben wird. Diekmann kenne ich noch nicht. Insofern muss man erst einmal mehr über ihn wissen, bevor ein Urteil möglich ist", sagte Ralf Dibbern, Analyst bei M.M. Warburg.

Marc Thiele, von Commerzbank Securities in London, sagte: "Diekmann als interner Kandidat und Allianz-Urgestein scheint auf den ersten Blick eine folgerichtige Lösung. Er ist zumindest unbelastet von der Dresdner-Übernahme und den Nachwehen." Der Kauf der Dresdner Bank 2001 hatte die Allianz stärker als erwartet belastet.

Analyst Arne Jokusch von Merck Finck sagte, der Rücktritt von Schulte-Noelle komme unerwartet. Die Entscheidung werde kurzfristig zu einem Rückgang des Aktienkurses führen. Und zwar aufgrund der Unsicherheit darüber, ob dem Rücktritt negative Meldungen - etwa über die Dresdner Bank oder sogar ein kompletter Strategiewechsel - folgen werden. Positiv bewertet Jokusch, dass Diekmann in den USA gearbeitet hat, wo die Allianz stark expandieren wolle.

Trevor May, Analyst der Citigroup in London, äußerte sich ebenfalls überrascht über den Zeitpunkt des Führungswechsels, sieht darin aber keinen Anlass für Pessimismus. Angesichts des Alters von Schulte-Noelle (60) und seines Aufrückens an die Spitze des Aufsichtsrats handele es sich wohl um eine normale, undramatische Nachfolgelösung. "Die Entscheidung ist nicht unbedingt in Zusammenhang mit den Schwierigkeiten im Geschäft der Allianz zu sehen", betonte May. Die Entscheidung für Michael Diekmann als Nachfolger an der Allianz-Spitze sei eine "sichere Wahl", sagte der Analyst. Ihm komme zugute, dass er nicht direkt mit dem Kauf und der Integration der Dresdner Bank in Verbindung stehe. Citigroup-Analyst May erwartet, dass Diekmann die Allfinanz-Strategie von Schulte-Noelle fortsetzen wird. "Das ist die Richtung, in die sich der Markt entwickelt", sagte er. Diekmann sei ebenso ein Befürworter des Allfinanz-Konzepts wie Schulte-Noelle und halte viel davon, das Banknetz als Vertriebskanal zu nutzen. Die Aktie hat May schon länger auf "underperform" gestellt mit dem Kursziel 90 . Gestern notierte sie um 103,50. Daran werde der Führungswechsel nichts ändern.

Am Anleihenmarkt reagierten die Allianz-Papiere nach Händlereinschätzung kaum. "Bei den Allianz-Bonds hat sich nichts verändert. Das war ein Non-Event", sagte ein Renten-Händler. Die Allianz-Anleihe mit Laufzeit bis November 2012 und einem Kupon von 5,625 Prozent wies einen Renditevorsprung (Spread) von rund 92 Basispunkten über der entsprechenden Bundesanleihe auf.

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