Aktie verliert
Consors wächst langsamer

Die Consors Discount AG-Broker hat ihr rasantes Wachstum auch im zweiten Quartal 2000 fortgesetzt, allerdings mit verlangsamtem Tempo. Der Nürnberger Online-Broker übertraf im ersten Halbjahr mit einem Ergebnis vor Steuern und Marketingaufwand von 48,9 Mill. Euro bereits den Gewinn des gesamten Geschäftsjahres 1999, der bei 43,7 Mill. Euro gelegen hatte, wie Consors am Montag in Nürnberg mitteilte.

HB/Reuters/vwd NÜRNBERG. Für die Neukundengewinnung gab die am Neuen Markt notierte Bank in den ersten sechs Monaten allein 32,6 Mill. Euro aus. Nach einem Zuwachs von 175 000 Kunden im ersten Quartal eröffneten im zweiten Quartal allerdings nur noch 73 000 Neukunden ein Konto bei Consors.



Weniger Kunden durch schwaches Marktumfeld

Consors-Sprecherin Stephanie Forster sagte, der schwächere Kundenzuwachs liege im schwachen Marktumfeld an den Börsen im zweiten Quartal und an der geringen Zahl von Neuemissionen begründet. Insgesamt verzeichnete der Online-Broker Ende Juni 449 000 Kunden, Ende 1999 waren es noch 201 000. Sie waren im ersten Halbjahr trotz der schwächeren Märkte aktiver als 1999: In den ersten sechs Monaten führte führte Consors 6,3 Mill. Aufträge aus, 1999 waren es ingesamt 5,1 Mill..



Aufbau weiterer Online-Dienste

Consors-Gründer und-Vorstandschef Karl Matthäus Schmidt erklärte, die Zahlen überträfen die eigenen Erwartungen. In den kommenden Monaten stünden der Ausbau des Kerngeschäfts und der Aufbau weiterer Online-Dienste und weitere Akquisitionen im europäischen Ausland im Mittelpunkt. Das Ergebnis vor Steuern sei im ersten Halbjahr vom profitablen Geschäft in Deutschland geprägt gewesen, aber auch von höheren Kosten für den Aufbau der neu akquirierten Töchter im europäischen Ausland und der höheren Mitarbeiterzahl, hieß es.

Die operativen Erträge kletterten auf 179,8 (64) Mill. Euro und übertrafen damit ebenfalls das Volumen des gesamten Jahres 1999, das sich auf 154,1 Mill. Euro belaufen hatte. Davon entfielen 157,1 Mill. Euro auf Provisionserträge und 22 Mill. Euro auf Zinserträge. Der operative Aufwand stieg auf 121 Mill. Euro nach 103,7 Mill. im ganzen Jahr 1999. Die Bilanzsumme nahm bis Ende Juni auf 2,033 (Ende 1999: 1,590) Mrd. Euro zu.



Investitionen in europäische Töchter

Erhöhte Aufwendungen sollen jetzt in den Aufbau der europäischen Tochterunternehmen fließen. Außerdem will Deutschlands größter Internet-Wertpapierhändler seine Mitarbeiterzahl von derzeit rund 1 100 Beschäftigten weiter aufstocken. Wesentliches Projekt ist derzeit zusammen mit der Berliner Börse der Aufbau einer "Leitbörse" für Privatanleger. Ferner solle die Internationalisierung fortgesetzt werden, kündigte Consors an.

Der Kurs der Consors-Aktie lag am Montag bei 108,80 Euro (minus 0,46 %). Beim Börsengang im April 1999 hatte der Emissionspreis 33 Euro betragen.



Schlechte Aussichten bei Neuemissionen

Das Engagement des Direktbrokers bei der Berliner Effektengesellschaft AG sehen Analysten nicht besonders euphorisch. Philipp Häßler, Analyst bei der BHF-Bank betrachtet die Pläne von Consors, ein Retail ECN (Online-Börse mit Schwerpunkt Privatanleger) aufzubauen, noch skeptisch. Die Börse lebe vom Handelsvolumen, und um ein ausreichend großes Handelsvolumen zu generieren, müsste sich Consors mit weiteren Partnern zusammenschließen. Es sei aber fraglich, ob überhaupt entsprechendes Interesse bestehe. Als Nachteil für Consors wertet Häßler die im Vergleich zu den Wettbewerbern gering ausgeprägte Möglichkeit, an Neuemissionen teilzunehmen. Wettbewerber wie Comdirect Bank und Direkt Anlage Bank profitierten in diesem Bereich von ihren Muttergesellschaften, die ihnen Zugang zu IPOs verschafften, so der Analyst.

Die niederländischen Großbank ABN-Amro ist da anderer Meinung. Sie hatte den Online-Broker vergangene Woche auf "halten" gestuft. Der Wechsel des Ex-Vorstandsmitglieds der BHF-Bank Alfred Möckel in das Consors-Management werde die Stellung des Direktbrokers im IPO-Geschäft stärken, schrieb Analyst Andreas Neubauer in seiner Kursstudie. Die Fokusierung auf das Investment-Kundengeschäft hält der Experte für einen "klugen Schachzug".

Die Branchenanalysten der DG Bank hatten das positive Halbjahresergebnis sowie den Rückgang des Provisionsüberschusses bei Consors erwartet. Ihrer Einschätzung nach weist die Entwicklung des Direktbrokers keine Auffälligkeiten auf. Die höheren Marketingkosten von 131 Euro pro Neukunde erklärten sie mit verstärkten Aktivitäten im Ausland. Der moderate Rückgang der Aktie um 0,5 % liege im Rahmen und resultiere möglicherweise aus höheren Erwartungen der Anleger.

Merck Finck & Co. stuft die Consors-Aktie als "Outperformer" ein. Nach Ansicht des Analysten Alexander Kachler wird Consors weiter wachsen. Die Zahlen unterstrichen die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Die Prognosen von Merck Finck & Co. seien leicht übertroffen worden.



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