Aktien-Analyse
Medien-Aktien: Gute Nachrichten

Eine Informationsgesellschaft kann nicht ohne Medien auskommen. Für die zyklischen Titel spricht auch, dass die Werbeeinnahmen steigen dürften.

DÜSSELDORF. Der Termin für den weltweiten Angriff der Klone steht schon fest: Twentieth Century Fox hat den 16. Mai 2002 für "Star Wars Episode II - Attack of the Clones" reserviert. Die Fortsetzung des intergalaktischen Kampfes zwischen Gut und Böse soll an diesem Tag in den USA und Kanada sowie in 42 weiteren Ländern starten. Hollywood liebt solche Vorankündigungen, die Platz bieten für Klatsch und Tratsch. Die Analysten lassen sich vom "Showbiz" aber kaum beeindrucken. Für sie lautet beispielsweise eine zentrale Frage für den Sektor: Wann kommt die Werbung wieder richtig ins Laufen?

Bernard Tubeileh, Medienanalyst bei Merrill Lynch, hat da seinen ganz eigenen "Frühindikator". Er hört sich bei der am Neuen Markt notierten Neue Sentimental Film AG um, denn die produziert Werbefilme - und aktuell seien deren Auftragsbücher nach eigener Auskunft voll. Mit einer Verzögerung von bis zu fünf Monaten sei dann auch in den anderen Segmenten der Medienbranche wieder mit guten Nachrichten zu rechnen, sagt Tubeileh.

Allerdings falle in dieses Jahr der Sonderfaktor Fußball-Weltmeisterschaft im Juni, der aktuell für Zurückhaltung und dann im Sommer für eine Belebung des Werbeumfelds sorgen könne. Wie es wirklich um die Branche bestellt ist, könne man erst im vierten Quartal sagen, wenn keine Verzerrungen durch Sonderfaktoren mehr zu erwarten seien. Auf lange Sicht wachse der Markt mit rund drei bis fünf Prozent. Dafür spricht zumindest die Erwartung, dass die Konjunktur ab dem zweiten Halbjahr in Schwung kommen dürfte - und damit die Werbeeinnahmen mittelfristig wieder kräftig steigen. So rechnet etwa Stephanie Arndt aus dem Bereich Anlage Strategie Privatkunden der Deutschen Bank im Jahr 2003 mit einem "stetigen Aufwärtstrend" dieser Einnahmen - und entsprechenden Auswirkungen auf die Ergebnisse der Medienwerte.

Nach Tubeilehs Einschätzung dürften im Branchenzyklus zuerst die Werbeagenturen wie WPP oder Havas von der Konjunkturbelebung profitieren, danach die Privatsender wie Pro Sieben Sat 1, RTL Group und TF1. Analystin Arndt meint, dass steigende Werbeerlöse zuerst den Radiosendern zu Gute kämen, da sie das im Vergleich günstigste Medium seien, über das Unternehmen Werbung schalten könnten. Im Übrigen hänge es von der "Werbelastigkeit im Umsatz" ab, wie hoch das zusätzliche Potenzial für eine Gesellschaft sei. Die liege bei Verlagshäusern wie Elsevier, Wolters Kluwer und VNU bei nur etwa drei bis acht Prozent, während Pearson wegen der Financial Times stärker betroffen sei. Und bei Pro Sieben Sat 1 seien über 90 Prozent des Umsatzes von Werbeeinnahmen abhängig. Arndt zufolge ist jedoch die "Werbeeinnahmen-Story" schon stark in den Kursen enthalten. Thema sei jetzt, wie das operative Geschäft laufe - und ob die von vielen Firmen eingeleiteten Umstrukturierungen Früchte trügen. Als ein Beispiel dafür nennt sie Elsevier. Michael Gierse, Fondsmanager bei der Union Investment, bekräftigt, er sehe bei dem holländisch-britischen Verlag auf Grund der fortgesetzten Neustrukturierung weitere Gewinnchancen, zumal die Gesellschaft für 2002 als einziges Unternehmen in Europa ein zweistelliges Nettoergebniswachstum angekündigt habe.

Bei Pearson seien erste operative Erfolge zu sehen, findet Arndt. Die im Jahr 2000 begonnene Internet-Verkaufsstrategie zahle sich langsam aus; als die Internetblase platzte, sei das Unternehmen hart von der Börse abgestraft worden. Positiv überrascht ist die Analystin von den geringer als erwartet ausgefallenen Verlusten im Internetsektor. Und für Bildung und Erziehung seien in den nächsten Jahren Zuwächse zu erwarten, nennen UBS Warburg und Credit Suisse First Boston weitere Vorteile für den Verlag, der unter anderem stark auf Schulbücher setzt.

Es gibt allerdings auch negative Umstrukturierungsbeispiele, wie Arndt erklärt: So habe Wolters Kluwer keine operativen Verbesserungen durch verstärkte Internetinvestitionen aufweisen können, und eine Erhöhung der organischen Wachstumsrate bleibe abzuwarten. Außerdem hält Gierse das Management für "zu wenig innovativ".

Während Tubeileh bei Vivendi Universal lobt, dass die Integration von Universal sich langsam auszahle, steht Gierse auch dem größten europäischen Medienunternehmen ablehnend gegenüber, "weil es nicht fokussiert ist". Die Bereiche Medien und Telekom würden nicht zueinander passen. Im Musiksektor sei die Gesellschaft zwar Nummer eins, doch die Branche schwächele. Als einziger Medienwert in den Aktienbarometern Euro Stoxx 50 und Stoxx 50 könne der Titel jedoch für institutionelle Anleger, die Medienaktien beimischen wollten, interessant sein, räumt Gierse ein.

Aus einem anderen Grund raten Analysten derzeit von BSkyB und Mediaset ab - obwohl der britische Bezahlfernsehanbieter in einer späten Boomphase von hochpreisigeren Angebotspaketen profitieren sollte und Mediaset eine teilweise Übernahme des Kirch-Imperiums kurzfristig zu Gute kommen dürfte: Die Titel sind momentan bereits zu teuer. Gierse verweist darauf, dass die Bewertung von BSkyB mit SAP vergleichbar sei, liege doch das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Umsatz bei immerhin 6,5.

Günstig ist dagegen der französische Konzern Lagardère, wie Tubeileh betont. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sei mit 18 für 2003 im Vergleich niedrig. Das Kursziel laute auf 73 bis 76 Euro. Mit einer Abhängigkeit von 20 Prozent von den Werbeeinnahmen seien auch hier bei anziehender Konjunktur Kursgewinne zu erwarten. "Viel Risiko eingepreist" sei bereits bei Reuters, sagt Gierse. Das KGV für 2003 liegt seinen Schätzungen nach bei 17. Zwar stehe die Handelsplattform "Instinet" an der US-Börse Nasdaq stark im Wettbewerbsdruck. Doch ist dem Fondsmanager klar, was Medientiteln generell zu Gute kommt: "In einem Informationszeitalter brauchen wir Informationsdienstleister."

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