Aktien der Biotech-Branche haben seit Jahresbeginn zwei Drittel an Wert verloren
Kursverfall bei Biotech-Unternehmen

Aus Sicht der Aktionäre fällt die Zwischenbilanz geradezu verheerend aus. Mit der Baisse im Technologiebereich sind auch die börsennotierten deutschen Biotech-Unternehmen in den vergangenen Monaten massiv unter Druck geraten. Im Schnitt haben sie seit Jahresbeginn rund zwei Drittel an Wert verloren. Mehrere Werte, darunter das Schwergewicht Qiagen, haben am Freitag neue Tiefststände erreicht.

HB FRANKFURT/M. Fundamental und geschäftlich lässt sich diese Abwertung des Sektors kaum begründen. Ein Blick auf die Halbjahresberichte zeigt vielmehr, dass sich schwerwiegende Enttäuschungen in erster Linie auf einige Gerätehersteller konzentrieren, so warteten insbesondere Cybio und MWG Biotech zuletzt mit verfehlten Planzahlen und revidierten Prognosen auf.

Die stärker forschungsorientierten, typischen Biotech-Unternehmen dagegen sind weder mit ihren Projekten noch mit ihrem Zahlenwerk nachhaltig vom Kurs abgekommen. Teilweise konnten sie jüngst sogar mit positiven Nachrichten aufwarten. Die Münchner Morphosys etwa konnte vor wenigen Wochen vorläufige Erfolge in zwei Patentverfahren gegen den Konkurrenten CAT erringen. Medigene bearbeitet inzwischen sieben Produkte in der klinischen Prüfung. Trotzdem wird das Unternehmen, wie auch einige weitere Vertreter der Branche, kaum noch höher bewertet als sein Bestand an liquiden Mitteln.

Kaum ein Unternehmen schreibt schwarze Zahlen

Auch wenn das operative Geschäft nicht unmittelbar beeinflusst wird, bereitet die Börsenflaute dem Management der Biotechfirmen Kopfzerbrechen. Denn angesichts des nach wie vor hohen Cash-Verbrauchs in der Branche könnte der Wertverfall über kurz oder lang neue Strategien in der Finanzierung erzwingen.

Nur zwei der 15 börsennotierten Biotechfirmen - Qiagen und Rhein Biotech - erwirtschafteten im ersten Halbjahr schwarze Zahlen und einen positiven Finanzsaldo im operativen Geschäft. Legt man den Finanzmittelverbrauch der Branche im ersten Halbjahr zugrunde, reichen die vorhandenen Finanzmittel im Durchschnitt noch für etwa drei Jahre - was im internationalen Vergleich und auch gemessen an früheren Erfahrungen in der Branche einer durchaus soliden Ausstattung entspricht. Andererseits bleibt zu beachten, dass ähnlich wie in den USA die Mittel relativ stark bei jenen Unternehmen konzentriert sind, die den Börsenboom des vergangenen Jahres für besonders üppige Platzierungen nutzen konnten.

Die Gewinnschwelle muss möglichst schnell erreicht werden

Bei etlichen anderen Biotech-Vertretern, so auch bei den Problemfällen MWG und Cybio, ist die Reichweite inzwischen auf deutlich weniger als zwei Jahre gesunken. Diese Firmen müssen spätestens 2002 die Gewinnschwelle erreichen oder aber nach neuen Finanzierungsquellen Ausschau halten.

Gleichzeitig dürfte bei den Unternehmen, die auf die Entwicklung eigener Pharmaprodukte zielen, der Liquiditätsverbrauch in den kommenden Jahren noch spürbar zunehmen. Mehrere Unternehmen haben ihre Geschäftsmodelle in dieser Hinsicht in den vergangenen beiden Jahren schrittweise modifiziert. Morphosys zum Beispiel will noch im Herbst eine erweiterte Strategie präsentieren, die auf die Entwicklung eigener Wirkstoffe zielt.

Ein solcher Einstieg in die Pharmaforschung eröffnet zwar theoretisch große Ertragschancen, erfordert finanziell aber auch einen längeren Atem und höheren Einsatz - insbesondere dann, wenn entsprechende Produkte tatsächlich in die klinischen Prüfungen gelangen. Viele Analysten zeigen sich daher skeptisch, ob zum Beispiel ein Unternehmen wie Medigene den Aufwand für die klinische Entwicklung seiner Produkte ohne zusätzliche Finanzierung stemmen kann. Sollte die Börse auf Dauer als Finanzierungsquelle ausfallen, müssen die Unternehmen alternative Geldquellen erschließen. Das "Partnering" mit den etablierten Pharmaherstellern wird wohl wieder stärker an Bedeutung gewinnen - sowohl für die börsennotierten Biotechunternehmen als auch für jene, die bisher vergeblich in den Startlöchern warten.

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